Staßfurt l Empörung ist zu hören und große Betroffenheit, während Staßfurter von der Bodebrücke inmitten ihrer Stadt auf den Fluss blicken. Ungläubig, was sie da sehen: Das wenige Wasser im Bode-Bett ist milchig trüb, über die ganze Breite. Immer wieder schlagen Fische wie wild mit dem ganzen Körper aus dem Wasser. Sie schnappen nach Luft, ringen mit dem Tod. Kurz darauf treiben ihre Kadaver gen Hohenerxleben. Nicht selten auch recht kapitale Exemplare, etwa einen halben Meter lang, Hechte, Karpfen...

Es ist kurz vor Zwölf. „Sie müssen zur ,Liebesbrücke‘ flussaufwärts fahren. Da wurde was eingeleitet“, ruft ein Passant empört.

Auch dort stehen etliche aufgebrachte Staßfurter.

„Ich wollte mit meiner Freundin Stella nach der Schule eigentlich nur die Enten füttern“, berichtet die zehnjährige Carlotta aufgeregt, „aber dann haben wir uns gewundert, dass keine Enten da sind und dass das Wasser so milchig ist und stinkt.“ „Nach Schwefel“, ergänzt Stefanie Naumann. Die junge Frau findet das Fischsterben sehr traurig. Ein junger Mann stimmt ihr zu und meint bedient: „Die Bode hat sich eigentlich sehr gut erholt und ist gut mit Fisch besetzt. Aber wenn man so etwas sieht... Da braucht man auch keine Fischtreppe zu bauen, wenn es die Tiere bis dahin nicht schaffen.“

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Der Naturfreund zeigt flussaufwärts Richtung Wehr Am Schütz. In dieser Richtung, unweit der Wiesenbrücke (im Volksmund auch „Liebesbrücke“) befindet sich ein Einleiter. Und von dort sei die milchige Brühe gekommen.

Der Staßfurter hat noch etwas auf dem Herzen: „Ich musste mal wegen einem Tropfen Öl vom Auto 800 Euro Strafe zahlen. Und was passiert hier...?“

Auch Carlottas Freundin berichtet, noch ganz erschrocken, dass sie sofort ihren Papa angerufen und ihn über das gerade Erlebte informiert hat. Er ist der Oberbürgermeister der Stadt. Sven Wagner sagt dazu, er sei froh darüber, dass ihn seine Tochter angerufen hat.Er habe sofort Mitarbeiter des Ordnungsamts rausgeschickt. Mehr konnte er zu dieser Situation an der Bode noch nicht sagen.

Unmittelbar nachdem auch der Salzlandkreis kurz vor Mittag mehrere Hinweise von verschiedenen Quellen erhalten hatte, seien auch zwei Mitarbeiter des Fachdienstes Natur und Umwelt nach Staßfurt geschickt worden, erklärte Marianne Bothe von der Pressestelle des Landkreises gegenüber „Salzland-Kurier“. Und: „Der Salzlandkreis als Gefahrenabwehrbehörde hat Wasserproben genommen und der Polizei, die ebenfalls vor Ort war, für ihre Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Verendete Fische wurden geborgen.

Salzland-Kurier hatte an der „Liebesbrücke“ auch Vertreter des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Bode-Wipper angetroffen. Die schlossen aus, dass die Einleitungen aus ihren Anlagen stammen könnten. Dafür habe es unter anderem viel zu wenig Niederschlag gegeben, der dazu hätte führen können.

Zudem schauten sich ebenfalls Mitarbeiter des Sodawerks vor Ort um, verwiesen allerdings sofort auf die Geschäftsführung des Unternehmens. Die wiederum wollte sich gestern Nachmittag nicht zu dem Vorfall äußern und kündigte für den nächsten Tag Informationen an.