Staßfurt l Auch die Kriminalpolizei des Reviers Salzland ist aktiv geworden, nachdem Mitarbeiter des Fachdienstes Umwelt und Natur vom Salzlandkreis Proben aus dem Fluss genommen hatten.

„Wir haben von amtswegen eine Anzeige gefertigt, weil der Verdacht einer Straftat vorliegt“, erklärt Polizeisprecher Marco Kopitz auf Nachfrage des Salzland-Kuriers. Die Proben werden derzeit untersucht. Die Ermittlungen laufen.

Das Sodawerk Staßfurt zeigte sich in der Vergangenheit vielfach aufgeschlossen und konstruktiv, wenn es um Belange der Bürger in Sachen Umweltschutz ging (Lärmschutz beispielsweise, Salzland-Kurier berichtete). Wenn Angler davon sprechen, dass die Bode wieder Lebensraum für mehr Fischarten bietet, hört das Unternehmen das auch gern und sieht sich auf dem richtigen Weg bei Investitionen für die Umwelt. Dass das Sodawerk das Gewässer für seine Produktionsabläufe nutzt, ist ebenfalls bekannt in der Bevölkerung und findet allgemein Verständnis.

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Doch welche chemischen Substanzen in welcher Konzentration und in welchem Zeitraum darf das Sodawerk eigentlich im Falle eines Niedrigwassers, wie es derzeitig nach wie vor herrscht, in die Bode leiten? Unabhängig von einer Kraftwerkshavarie, mit der das Werk jetzt zu kämpfen hatte, und bei der keine Menschen zu Schaden kamen, wie die Werkleitung betonte.

Denise Vopel vom Landesverwaltungsamt, das für die wasserrechtliche Erlaubnis zuständig ist: „Die Erlaubnis legt (unabhängig vom Pegelstand) maximal zulässige Einleitmengen und Überwachungswerte sowie den zulässigen pH-Wert-Bereich fest. Im Rahmen des Verfahrens zur Erteilung einer wasserrechtlichen Erlaubnis wird allerdings geprüft, ob die vorgesehenen Überwachungswerte bei Niedrigwasserverhältnissen mit den gewässergütewirtschaftlichen Anforderungen vereinbar sind. Ist das nicht der Fall, werden Überwachungswerte verschärft.“

Die Pressesprecherin erklärt weiter: „Über Kanal 1 wird im Normalbetrieb nur ,Abwasser aus der indirekten Kühlung von industriellen Prozessen‘ von CSD (Ciech Soda Deutschland) und zwei anderen Betrieben sowie ,Abwasser aus der Wasseraufbereitung‘ eines anderen Betriebes eingeleitet. Die Einleitmengen und Überwachungswerte sind nicht für den Gesamtablauf des Kanals 1 festgelegt, sondern in den einzelnen Teilströmen, um den nach Anhang 31 der Abwasserverordnung geltenden ,Stand der Technik‘ ordnungsgemäß umzusetzen.“

Es gebe Überwachungswerte für folgende Parameter: Abfiltrierbare Stoffe, adsorbierbare organisch gebundene Halogene, chemischer Sauerstoffbedarf, Phosphor, Stickstoff, (gesamt als Summe von Ammonium-, Nitrit- und Nitratstickstoff), Giftigkeit gegenüber Fischeiern, Chlordioxid und andere Oxidantien (angegeben als Chlor), Bakterienleuchthemmung, Abwassertemperatur, pH-Wert-Bereich.

„Die konkreten Überwachungswerte unterscheiden sich zwischen den einzelnen Teilströmen. Beim pH-Wert liegen sie im Bereich von 6,0 bis 8,0. Beim Parameter Stickstoff, gesamt sei der höchste Überwachungswert 53 mg/l“, sagt Denise Vopel.

Ob die Werte nun die erlaubten Grenzen überschritten haben und der oder die Verursacher mit Strafen zu rechnen hätten, bleibe den staatsanwaltlichen Ermittlungen vorbehalten.

Bleibt noch die Frage, was seitens der Landesbehörde unternommen wird, um solche Vorkommnisse – auch wenn es sich um Havarien handelt – künftig auszuschließen? Und können für solche Fälle Betriebe nicht beauflagt werden, Zwischenlagerkapazitäten zu schaffen?

„Der Vorfall wird von der zuständigen oberen Wasserbehörde ausgewertet“, so die Vertreterin des Landesverwaltungsamts. In diesem Rahmen werde auch geprüft, ob es Vorsorgemaßnahmen gibt, die geeignet, erforderlich und angemessen wären, um die Einleitung von unzulässig belastetem Abwasser künftig zu vermeiden.