Staßfurt l Der Chemie-Konzern Ciech wichtet das jüngste Fischsterben offensichtlich ganz anders, als die Bürger, die am Mittwoch das Szenario in der Bode miterlebt hatten. „Es ist immer wieder das selbe Drama“, reagierte ein Staßfurter, der seinen Namen nicht nennen will, auf den Bericht des Salzland-Kuriers am Donnerstag. 2011 sei ein ähnlicher Vorfall zwar eingeräumt, aber ein ursächlicher Zusammenhang mit dem damaligen Fischsterben bestritten worden. „Ich bin mal gespannt was es diesmal für eine Ausrede gibt, und ob Ciech wieder ungeschoren davonkommt.“ Jürgen Priese aus Hecklingen kommentiert: „Wenn ein kleiner Junge unerlaubt die Angel in die Bode hält, dürfen seine Eltern 1200 Euro Strafe zahlen. Die Kleinen hängt man. Die Großen lässt man laufen.“

„Am Mittwoch, gegen 10.15 Uhr, kam es zu einem Ausfall des Kraftwerks“, heißt es in einer kurzen, vom Staßfurter Ciech-Werkleiter Frank Pommerenke unterzeichneten Pressemitteilung, „Dadurch war das gesamte Werksnetz sofort spannungslos. Durch das umsichtige Handeln der Mitarbeiter und die Einhaltung und Umsetzung der strengen Vorgaben der Notfallkette in der Ciech Soda Deuschland kam es zu keinerlei Folgen.“ (Bei denen Menschen zu Schaden kamen, d.A.).

Das Landesverwaltungsamt sei über den Vorfall informiert worden, so die Mitteilung weiter. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Kleinstmengen an Prozessflüssigkeiten in das werkseigene Kanalsystem gelangten. Vertreter des Werkes waren an der Einleitstelle vor Ort, um Proben zu entnehmen, die zu diesem Zeitpunkt unauffällig waren.“ Um seine persönliche Meinung gebeten, ob er Fisch aus der Bode hier essen würde, meinte Pommerenke nur kurz: „Warum nicht!?“

Welche Folgen der Vorfall vom Mittwoch haben könnte, und welche Parameter für die allgemeine Einleitgenehmigung des Landesverwaltungsamt zu erfüllen sind, darüber wird Salzland-Kurier noch berichten.