Staßfurt/Neundorf l Das war schon etwas Nichtalltägliches, was da Hausmeister Uwe Hacker Anfang der vergangenen Woche von einer Außenwand der Kita Spatzennest „pflückte“. Die kleine Sensation wurde natürlich mit Spannung von der Schmetterlingsgruppe der Kita Pusteblume Neundorf beäugt, die erst eine Woche zuvor ihr vorübergehendes Domizil in Staßfurt bezogen hatte. In der Neundorfer Kita begannen nämlich die Sanierungsarbeiten (Salzland-Kurier berichtete).

Das kleine Säugetierchen, das die hinzugezogene Expertin vom Arbeitskreis Fledermäuse Sachsen-Anhalt Sabine Collin als Kleinen Abendsegler ausmachte, hatte riesigen Durst, schmatzte das Wasser regelrecht aus dem Flaschenverschluss, der ihr als Tränke diente. Die Mädchen und Jungen tauften die fliegende Maus, die unter Artenschutz steht, kurzerhand auf den Namen Lilly.

Dann nahm die Fledermaus-Expertin sie mit nach Hause, um sie mit Mehlwürmern aufzupäppeln. Und siehe da: Die Hoffnung der Schmetterlinge, Lilly bald wiederzusehen, erfüllte sich. Mittlerweile wurde der Kleine Abendsegler nämlich beringt und wieder im Freigelände des Spatzennests ausgesetzt.

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Ob Lilly bei der 5. Fledermausnacht am Sonnabend nächster Woche am Löderburger See ins Netz des Arbeitskreises Fledermäuse Sachsen-Anhalt e.V. gehen wird (siehe grüner Info-Kasten), ist fraglich. Aber wer weiß, vielleicht macht sie sich jetzt dieser Tage wie ein Teil ihrer Artgenossen auch auf den Zug in wärmere Gefilde?

Zeichen für Nisthilfen von Gebäudebrüter

Einen positiven Nebeneffekt des tierischen Funds sieht derweil Susanne Epperlein vom Gebäudemanagement der Stadtverwaltung, die auch das Vorhaben der energetischen Sanierung der Kita Pusteblume Neundorf betreut. „Bei solchen Projekten müssen immer auch ökologische Auflagen erfüllt werden“, erklärt Susanne Epperlein.

Diese Fledermaus sei nun ein gutes Zeichen gewesen. Man werde in Neundorf Nisthilfen für Gebäudebrüter schaffen, unter anderem für Mehlschwalben, Fledermäuse und auch Eulen.

Die Fachgruppe Ökologie und Faunistik Staßfurt unterstützt das Vorhaben und wird die Kinder der Pusteblume fortgesetzt auch diesbezüglich weiter betreuen und mit Wissen versorgen.

Die Neundorfer Kinder haben sich übrigens schon gut in einem Trakt der Staßfurter Einrichtung eingelebt. „Wir sind mit unseren derzeit 66 Kindern herzlich im Spatzennest empfangen worden und fühlen uns wohl hier“, erklärt Pusteblume-Chefin Ines Niehoff. Jede Gruppe habe ihren Raum von ausreichender Größe. Auch das Freigelände biete genügend Platz für alle. Bis zum Jahresende werde die Zahl „ihrer“ Kinder noch auf 72 anwachsen.

Ein nächster großer Höhepunkt nach dem tierischen Erlebnis mit der Fledermaus steht nun am Wochenende bevor. Dann werden die Pusteblume-Kinder am Sonnabendnachmittag das Dorffestprogramm in ihrem Heimatort Neundorf mitgestalten.