Cochstedt l „Wir würden auch in diesem Jahr sehr gern wieder auf dem Flughafengelände feiern“, erklärt Friedemann Egender. Der Arzt aus Berlin hat die Medimeisterschaften, so heißt das Festival, 2002 zusammen mit seinem Kollegen Tobias Heising ins Leben gerufen. Damals mit 500 bis 1000 Leuten. Damit ist die Mega-Feier jetzt nicht mehr zu vergleichen. Das hat die Veranstaltung 2018 auf dem Rollfeld in Cochstedt deutlich gemacht. Zwischen Landebahn und Tower feierten rund 20.000 angehende Mediziner aus Deutschland und Europa über drei Tage eine Riesenfete. Es wurde getanzt, auf mindestens zehn Bühnen spielten Bands. Fanwagen rollten über die Landebahn. Studenten der einzelnen Fakultäten – 58 waren es 2018 – übernachteten dort auch in Zelten.

Doch bis es wieder soweit ist oder ob es dazu überhaupt kommt, ist offen. Die Mediziner haben erhebliche Sorgen. Die Stadt Heckliungen fordert 90.000 Euro Vergnügungssteuer für die Fete im vorigen Jahr. Jetzt droht ein Rechtsstreit. Zum anderen: Der Flugplatz bekommt einen neuen Besitzer. Der Wechsel von der insolventen dänischen Airport-Betreibergesellschaft hin zum neuen Eigener, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln ist noch nicht vollzogen, aber auf dem Weg.

Zuvor in Thüringen

Ursprung der Veranstaltung sind Fußballturniere. 138 Soccer-Teams gingen im letzten Jahr auf insgesamt zehn Plätzen an den Start. Es geht aber längst nicht nur darum. Viele weitere Sportarten sind dazu gekommen.

Vor Cochstedt wurden die Meisterschaften mehrere Jahre auf dem Flughafen Obermehler (Thüringen) durchgeführt. Dort wechselte der Betreiber. Danach habe sich das Festival nach einer anderen „Location“ umsehen müssen, erklärt Friedemann Egender. Auf dem Flughafen in Cochstedt habe man im vergangenen Jahr „sehr gute Erfahrungen gemacht, sowohl mit den Behörden, als auch mit der Betreibergesellschaft und den Anwohnern.“

Darauf angesprochen, dass es Beschwerden gegeben hat, weil einige Bürger im Ort Cochstedt (er liegt wenige Kilometer entfernt vom Airport) verärgert waren, dass sie nachts nicht schlafen konnten, meinte Egender, eine solche Kritik bei Großveranstaltungen dieser Art nicht ausbleibe. Aber im Hinblick auf die Größe der Veranstaltung sei die Zahl derer, die Beschwerden angemeldet haben, „im Vergleich zu den Jahren davor recht wenig.“

Lautstärke war Thema

Er sagte weiter, dass „Dezibelmessungen der Lautstärke“ stattgefunden haben, das sei bei solchen Veranstaltungen im Rahmen des Lärmschutzes üblich. Hier hätten sich die Organisatoren an bestimmten Richtlinien zu orientieren. „Hier waren wir im Rahmen.“ Messungen seien laufend am nächstgelegenen Haus eines Anwohners durchgeführt worden. Bei der Überschreitung des Richtwertes hätte man den Pegel runtergeschraubt, aber das sei nicht nötig gewesen, gab Egender an.

In diesem Jahr würden die Organisatoren vor ihrer Party eine Infoveranstaltung für alle interessierten Bürger organisieren. Jeder habe die Möglichkeit, Bedenken zu äußern. „Wir wollen in großer Runde eine Plattform bieten“, erklärt Egender.

Abgabe fürs Vergnügen

Es geht um einen Batzen Geld, den die Feten-Macher nach wie vor der Stadt Hecklingen schulden. Dreh- und Angelpunkt sind 90 000 Euro Vergnügungssteuer.

Dass die Kommune den Veranstalter nach seiner Party 2018 dazu zur Kasse bitten wird, war den Medizinern vorher angezeigt worden, sagt die Stadtverwaltung in Hecklingen mit Verweis auf ihre Vergnügungssteuersatzung.

„Es geht um 90.000 Euro entsprechend unserer Satzung“, informiert Hecklingens Bürgermeister Uwe Epperlein (Wählergemeinschaft Hecklingen).

Fall vor Gericht

Das heißt, die Stadt hatte nach der Party 2018 einen Bescheid über den genannten Betrag an die Ärzte verschickt. Diese wollten aber nicht zahlen. „Derzeit läuft ein Rechtsstreitverfahren vor dem Verwaltungsgericht in Magdeburg“, heißt es weiter aus dem Rathaus. Man müsse jetzt abwarten, teilte die stellvertretende Bürgermeisterin Marion Strecker noch vor Weihnachten mit. „Wir haben Klage eingereicht“, bestätigte Epperlein jetzt erneut.

Er informierte zudem, dass es einen nicht öffentlichen Gerichtstermin dazu gegeben hat. Es sei ein Vorschlag unterbreitet worden. Epperlein sprach in diesem Zusammenhang von einem „Vergleichsangebot.“

Organisatoren wollen anders "zahlen"

Auf die ausstehende Zahlung der 90.000 Euro angesprochen, sagte Friedemann Egender: „Wir sind gerade dabei, das mit der Stadt zu klären.“ Anstatt zu zahlen würden die Mediziner lieber „über andere Wege beispielsweise im Naturschutz spezielle Projekte in der Stadt unterstützen oder einen Spielplatz aufbauen.“ Das sei besser, meinte er, „als einen bezuglosen Betrag zu zahlen.“

Uwe Epperlein sagt aber: „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Seine Steuerschuld muss man auch begleichen. Wir haben da kein Ermessen“, erklärte er. Das selbst von Finanznot gedrückte Hecklingen könne solche Vorschläge nicht tragen. Und überhaupt, es gebe eine Satzung und daran habe man sich zu halten und das habe der Veranstalter von vorn herein gewusst, so Epperlein.

Die Medimeisterschaften könnten sehr gern wieder in Hecklingen stattfinden. Aber dann müssten die Veranstalter natürlich wie jeder andere auch, die Kosten tragen. Jeder andere Einwohner und Veranstalter müsste Steuern zahlen, da könnte man in diesem Fall keine Ausnahme machen.

Besitzer bestimmt mit

Noch ein Erschwernis kommt für die Organisatoren hinzu. Hier geht es um die geplante Übernahme des insolventen Verkehrsflughafens Cochstedt durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Ob ein Institut des DLR in Cochstedt bis zum Sommer, wenn die Party stattfinden soll, dort aktiv sein wird oder nicht, steht derzeit noch nicht fest.

„Wir befinden uns in Gesprächen mit allen Beteiligten Parteien und werden sehen“, konnte DLR-Pressesprecher Andreas Schütz auf Nachfrage nicht konkret werden. Gefragt, ob eine solche Party dort aus Sicht der Kölner überhaupt stattfinden kann, meinte er, dass der Besitzer des Airports „Ansprechpartner sein wird.“

Flughafen in Insolvenz

Im Moment ist das die dänische Airport Development A/S. Die Betreibergesellschaft des Flughafens befindet sich aber in der Insolvenz.

„Wir erhoffen uns, dass das Zentrum mit seinen unbemannten Flugkörpern im Fall der Übernahme keine Schwierigkeiten darin sieht, dass wir unsere Veranstaltung durchführen können“, sagt Egender indes.

Derzeit wird die Übernahme durch das DLR geplant. Nach Volksstimme-Informationen sollen sich die Gespräche aus dänischer Sicht in der Endphase befinden. Ob der neue Eigentümer die Medimeisterschaften im Fall der Übernahme bis zum Sommer mit begleiten werde, könne derzeit daher noch nicht gesagt werden, aber er könne sich vorstellen, dass ein Weg gefunden werde, war zu hören.

Mediziner wollen forschen

Das hat eine durchaus interessante Bewandtnis: Zur Mediziner-Fete soll es einen weiteren Aspekt geben, mit wissenschaftlichem Hintergrund, der für Cochstedt und die Region interessant sein könnte. Das bestätigte Friedemann Egender gegenüber der Volksstimme.

Die Ärzte planen, auch in Kooperation mit der Universität Magdeburg, in Cochstedt einen Wissenschaftsstandort aufzubauen, um Forschung zum Thema Großveranstaltungen zu betreiben. „Wir werden dabei auch von der Landesärztekammer unterstützt“, so Egender.

Egender verwies nochmals darauf, dass sich das Organisationsteam der Meisterschaften voll in den Vorbereitungen für die Medimeisterschaften 2019 befindet.

Wir haben uns sehr wohl im Salzlandkreis gefühlt und würden die Medimeisterschaften auch gerne dieses Jahr wieder auf dem Flughafen in Cochstedt veranstalten.“