Cochstedt/Staßfurt/Hecklingen l Im Moment ist der Airbus am Himmel über Hecklingen nicht zu sehen, berichtete ein Anwohner gestern, doch hinter den Kulissen arbeiten Forscher weiter; es ist davon auszugehen, dass ihr Flieger in den nächsten Tagen erneut die Blicke auf sich zieht.

Es geht um eines der größten Flugzeuge aus der Forschungs-Flotte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das startet und landetet derzeit in unterschiedlichen Abständen – es kann zu mehrtägigen Pausen kommen – auf dem Flughafen Magdeburg/Cochstedt. Mit einem Airbus 320 werden Forschungsflüge voraussichtlich noch bis zum Ende des Monats durchgeführt. DLR-Pressesprecher Falk Dambowsky sagte der Volksstimme, dass mit dem Airbus von Cochstedt aus bereits im vergangenen Jahr entsprechende Tests durchgeführt wurden, die jetzt mit Folgeflügen fortgesetzt werden. Dabei werde Technik ausgetestet. An dem Airbus seien bestimmte Bauteile zur Lärmminderung eingebaut worden. Es handele sich dabei etwa um Veränderungen an Fahrwerken und Klappen. Diese Veränderungen der Technik dienen dem Lärmschutz. Es müsse dazu relativ nah zur Erde fliegen, entsprechend der normalen Flughöhe beim Landen und Starten, heißt es.

Bei diesen Überflugmessungen nähert sich das Flugzeug mehrfach dem Flughafen an und überfliegt ihn in einer bestimmten Konfiguration. Nach jeder Schleife beziehungsweise Platzrunde geht das Flugzeug erneut in den Anflug auf den Flughafen über, dies gehört zum normalen Ablauf der Untersuchungen. Bei den Überflügen mit dem A320 zeichnen zahlreiche Bodenmikrofone das Flugzeuggeräusch auf.

Über längere Zeit

„Wir werden mit dem Airbus noch in den nächsten Wochen fliegen, auf jeden Fall noch bis Ende Juli“, kündigte Dambowsky an. Wie oft der Airbus täglich abhebt, kann nicht gesagt werden. Das hänge hochgradig von der Forschung ab und werde kurzfristig entschieden, je nachdem wie viele Messungen mit welchen Ergebnissen durchgeführt wurden. Ein Durchgang könne auch mehrere Tage lang unterbrochen sein. Die Testflüge sind auf jeden Fall nicht öffentlich. Vom Flughafen aus kann man das Landen und Starten nicht beobachten.

Dafür kreist der Airbus über der Region. Man nutze die „normalen An- und Abflugwege“, so das DLR.

Mikrofone in und am Flugzeug

Seit Juni laufen die jüngsten Flugversuche von Cochstedt aus; nicht nur mit dem Airbus 320. Vorher wurde mit einer Maschine des Typs DO 228 der Propeller-Lärm gemessen, der während des Flugs in die Flugzeugkabine und in die Umgebung abstrahlt. Mikrofone auf dem Rumpf und im Kabineninneren zeichnen bei unterschiedlichen Flugzuständen die Geräusche auf.

Die Messflüge mit beiden Maschinen sind Bestandteile von Forschungsprojekten, die sich der Entwicklung von Lärmminderungsmaßnahmen für Transportflugzeuge widmen.

Flieger über Hecklingen beobachtet

In Hecklingen hat ein Anwohner dem Salzlandkurier berichtet, dass er Leute kennt, die schon geschimpft haben. Denn der Airbus sei mehrmals hintereinander immer die gleiche Runde geflogen. Die Einflugschneise liege wahrscheinlich genau über dem Wohngebiet „Pfarrbreite“, meinte der Leser. Das Flugzeug sei immer dieselbe Runde am Tag geflogen, bestimmt 20 bis 30 Mal im Zehnminutentakt. „Mich stört es nicht“, sagte der Mann. Wenn man nicht immer nach oben schaue, bemerke man das gar nicht. Es gibt aber auch Bürger, die von all dem gar nichts mitbekommen und auch in Hecklingen wohnen. Im kleinen Cochstedt selbst ist von den Forschungsflügen ebenfalls nichts zu merken, meint Ortsbürgermeister Wolfgang Weißbart (parteilos).

„Ich habe den Airbus in der vergangenen Woche zwar gesehen, aber nicht über Coch-stedt.“ Er nehme mehr Kurs auf den Hakel, also Schadeleben und Gatersleben. „Über unserem Ort fliegt er nicht“.

16 Millionen Euro Kaufpreis

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte den insolventen Flughafen vom bisherigen dänischen Besitzer gekauft. Entsprechende Verträge sind unterzeichnet und notariell beurkundet worden. Der Kaufpreis lag bei rund 16 Millionen Euro.

Das DLR will auf dem ehemaligen sowjetischen Militärflugplatz das „Nationale Erprobungszentrum für zivile unbemannte Luftfahrtsysteme“ errichten und Drohnen erproben und entwickeln. Das DLR plant dort Investitionen von rund zehn Millionen Euro. Der Kaufpreis soll in den kommenden zehn Jahren vom Land an das DLR zurückfließen – in Form einer institutionellen Förderung. Zudem wird das Land künftig pro Jahr rund 950 000 Euro aufbringen, um den Betrieb des Flughafens auch für die allgemeine Luftfahrt weiter zu finanzieren.