Cochstedt l Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte im vergangenen Jahr den insolventen Verkehrsflughafen Cochstedt erworben, um dort das Nationale Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS) zu errichten, die Forschung in diesem Bereich zu intensivieren und den Standort Deutschland für das Zukunftsthema des unbemannten Luftverkehrs zu positionieren.

Ein weiterer Höhepunkt sollte jetzt die offizielle Eröffnung des Erprobungszentrums sein. Sie war für Donnerstag, den 22. Oktober, auf dem Airport-Gelände vorgesehen. Dort sollte in Anwesenheit des Koordinators der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der Vorstandsvorsitzenden des DLR, Anke Kaysser-Pyzalla, sowie des Vorstandsmitglieds des DLR für den Bereich Luftfahrt, Rolf Henke, der offizielle Gründungsakt erfolgen.

„Die gesamte Branche der unbemannten Luftfahrt erlebt ein rasantes Wachstum einhergehend mit der Entwicklung neuer Konzepte und Technologien, aus denen schrittweise eine neue Industrie entsteht“, teilte das DLR dazu mit.

Eröffnung nicht aufgehoben

Doch wegen der Corona-Pandemie, die in einigen Bundesländern immer dramatischere Ausmaße annimmt, entschloss sich die DLR-Führung die Eröffnung aus Sicherheitsgründen abzusagen.

„Sie ist nicht aufgehoben. Wir denken darüber nach, diese Veranstaltung nächstes Jahr im Mai durchzuführen. Ein genauer Termin steht aber noch nicht fest“, sagte DLR-Sprecher Andreas Schütz der Staßfurter Volksstimme. Zum 22. Oktober seien Gäste aus ganz Deutschland sowie aus Holland eingeladen gewesen. Das Risiko, dass einige davon sich anschließend trotz der Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen in Quarantäne begeben müssten, sei einfach zu groß, gab Schütz zu bedenken.

Hecklingens Bürgermeister, Uwe Epperlein (Wählergemeinschaft), der ebenfalls eine Einladung auf den Verkehrsflughafen Cochstedt erhalten hatte, bedauerte die Absage, hat aber volles Verständnis für die Entscheidung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, die er als sinnvoll bezeichnete. Er hätte sich nicht darüber gefreut, wenn es im Anschluss an den offiziellen Gründungsakt Corona-Infizierte oder Quarantänefälle gegeben hätte, sagte der Bürgermeister.

Ungeachtet der Absage der Einweihungsfeier geht der im Juni angekündigte Aufbau der Infrastruktur auf dem Gelände des Verkehrsflughafens weiter. „Das läuft alles nach Plan“, sagte der DLR-Sprecher.

Zehn Millionen investiert

Das DLR hatte den Flughafen Mitte 2019 erworben. Insgesamt investiert das Forschungszentrum der Bundesrepublik mindestens zehn Millionen Euro in die wissenschaftliche und betriebliche Infrastruktur. Der Betrieb des Zentrums wird mit sechs Millionen Euro jährlich zu Buche schlagen, 90 Prozent der Kosten übernimmt der Bund, zehn Prozent das Land.

In diesem Zentrum für Unbemanntes Fliegen sollen die Vorhaben der DLR-Institute gebündelt werden. Cochstedt werde der deutschlandweit erste Flughafen sein, auf dem gleichzeitig der Betrieb Unbemannter Fluggeräte stattfinde, hieß es auf einer Pressekonferenz im Juni. Dort sollen moderne Systeme für Kommunikation, Flugvermessung und Überwachung, eine Werkstatt und neue Büroräume entstehen. Das Terminal soll als Institutsgebäude ausgebaut werden, der Tower erhält neue Technik.