Egeln l Die Landesanstalt für Altlastenfreistellung hatte im Juli in einer Stadtratssitzung angekündigt, einen rund 620 Meter langen Abschnitt entlang der Ehle ab der Quelle in Westeregeln in einen ökologischen Korridor zu verwandeln. Dieser Landschaftsstreifen soll nicht überall zugänglich sein.

Flächen tauschen

Die Planungen sehen vor, einen Flächentausch oder ein Flurneuordnungsverfahren zu initiieren, mittelfristig die Maßnahmen zum Gewässerschutz zur Durchgängigkeit der Ehle fortzuführen und zu erweitern sowie Flächen im Korridor aus der aktiven landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen und als Rekontaminationsschutzstreifen zu entwickeln.

Hintergrund ist, dass bei den Kontrollen festgestellt wurde, dass ein Streifen landwirtschaftlicher Nutzfläche von bis zu 50 Meter links und rechts der Ehle mit giftigen Schadstoffen belastet ist.

Die Grundzüge des Konzeptes für die geplante Sanierung wurden erstmals während einer Sitzung der „Task-Force Ehle“ Ende Oktober vom Büro Hydrogeologie Nordhausen erläutert. Es war von der Landesanstalt mit der Planung beauftragt worden.

„Als Ziel wurde das Erreichen eines guten ökologischen Potentials sowie des chemischen Zustandes der Ehle gemäß der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie definiert. Konkrete räumliche Grenzen werden nicht festgelegt. Das gesamte System des Ehlegebietes soll betrachtet werden“, informierte die für die Ehle zuständige Stabsstellenleiterin der Landkreisverwaltung, Karin Pfeiffer, den Kreisentwicklungsausschuss des Kreistages schriftlich.

Grundlagen ermitteln

Zur Zeit erfolge dafür die Grundlagenermittlung. Das Umweltministerium plane zu gegebener Zeit eine Auftakt-Veranstaltung und wolle eine spezielle Arbeitsgruppe mit Vertretern der betroffenen Fachgebiete etablieren. Das Konzept mit Maßnahmenvarianten soll zirka Mitte 2021 fertiggestellt sein.

Pfeiffer: „Die Schnittstellen mit dem Altindustriegebiet Westeregeln und der Einmündung in die Bode müssen noch geklärt werden. Dabei sind die Freistellungen für die in Westeregeln stationierten Investitionen zu berücksichtigen.“

In Westeregeln, wo die Belastung der Ehle durch die krebserregenden Chemikalien PCB und PCN von der einstigen Chemieproduktion herrührt, erfolge zur Zeit die spezifizierte Quellenuntersuchung. Dazu gehöre die Erkundung der Flächen, Kanäle und ein Grundwassermonitoring.

Schadstoffe darstellen

Die Grundlage für die geplante Flurneuordnung entlang der Ehle werde nach Aussage der Landesanstalt für Altlastenfreistellung die entsprechende Linie sein, die mit Hilfe von Bodenproben für die Schadstoffkonzentration beidseitig der Ehle dargestellt werden konnte.

„Zum Pilotprojekt für den Schäfergraben in Egeln sind die beantragten Fördermittel für den Dezember avisiert, so dass dort im Anschluss mit den Planungsarbeiten begonnen werden kann“, so die Stabsstellenleiterin.

Auf die Gewässerunterhaltung eingehend, stellt Pfeiffer fest, dass die Mahd ordnungsgemäß erledigt wurde: „Das Ausschreibungsergebnis für die Sohlkrautung fiel allerdings exorbitant hoch aus. Der Schadstoffgehalt des am Kraut anhaftenden Ehlesediments wird die Entsorgung in einer speziellen Anlage erfordern. Zum anderen wurde die Ehle seit vielen Jahren nicht wirklich entschlammt, so dass stellenweise der Wasserspiegel fast identisch mit der Schlammoberfläche ist.“ Zum Umgang mit diesem Problem habe es mit dem Unterhaltungsverband in Borne, der Wasserbehörde und der Landesanstalt für Altlastenfreistellung in der ersten Novemberwoche eine Beratung gegeben.

Wildthema klären

Grundsätzlich werde auch das Thema Wildproblematik eine Rolle in der zu erarbeitenden Konzeption spielen und mit geeigneten Maßnahmen untersetzt werden. „Darüber besteht Einigkeit bei allen Beteiligten“, so die Stabsstellenleiterin.

Zur Überbrückung des Zeitraums bis zu einem ordnungsgemäßen Zustand werde der Fachdienst Veterinärangelegenheiten und Gesundheitlicher Verbraucherschutz des Salzlandkreises eine Restriktionszone im Umfeld der Ehle definieren und anordnen.

Kein Schwarzwild verzehren

Ziel sei es, dass das Fleisch von gestrecktem Schwarzwild nicht mehr in den Verkehr gebracht werden darf, es sei denn, es werde mit dem entsprechenden Ergebnis beprobt. Das gestreckte Wild wäre dann waidgerecht zu entsorgen. Hierüber seien Jäger und Jagdpachtvorsitzende in einer leider nur schwach besuchten Veranstaltung informiert worden.

Pfeiffer: „Der zuständige Fachdienst appellierte ausdrücklich an die Jägerschaft, durch die Populationsbegrenzung im Sinne von Verkehrsunfall und Tierseuchenprävention sowie die Verhinderung von Flurschäden zu wirken. Er versuchte, parallel, gemeinsam mit den Betroffenen, jeweils von der Restriktionslinie ,durchschnittene‘ Jagdpachtbezirke anhand der konkreten örtlichen Situation sachgerecht festzulegen.“

Der Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Stöhr (UWGE), der in der „Task-Force Ehle“ mitarbeitet, sagte der Volksstimme: „Die Unterhaltungsmaßnahmen dürfen wir nicht aus dem Auge verlieren. Die Mahd der Bankette des Ehlegrabens ist erledigt. Die anderen Arbeiten müssen planmäßig abgearbeitet werden.“