Egeln l Antworten wollte man haben. Wie steht es nun wirklich um die Ehle, die mit krebserregenden Stoffen wie PCB und PCN belastet ist? Bürgermeister Reinhard Luckner (UWGE) hatte daher Projektleiter der Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF) Klaus Heise und die Ehle-Sonderbeauftragte der Landkreisverwaltung, Karin Pfeiffer, eingeladen.

Bei den durchgfeführten Untersuchungen der Gärten und Anwohner-Grundstücke seien bis auf wenige Ausnahmen keine Belastungen festgestellt worden, teilte Heise in der Stadtratssitzung in Egeln mit. Auch die Boden- und Raumuntersuchungen auf dem Gelände der Kindertagesstätte „Bördespatzen“ seien zum Glück ohne Feststellungen ausgegangen. Bei der Überprüfung des Blutes von Anwohnern habe man keine Hinweise auf Schadstoffe finden können. Das gleiche treffe auf Nahrungs- und Futtermittel zu. Wildschweine hingegen seien kontaminiert gewesen.

Es müsse geklärt werden, ob die Quelle für die Ehleverseuchung auf dem Gelände der ehemaligen Alkaliwerke Westeregeln noch ein Problem sei und wie man damit umgehen wolle, sagte der LAF-Projektleiter. Der Brand im Jahr 1961 sei für die Schadstoffbelastung der Ehle nicht so ausschlaggebend, sondern eher die Abwasserableitung. „Wir werden uns die Quelle noch einmal anschauen. Da laufen derzeit Untersuchungen“, sagte Heise. Wie im Landratsamt zu erfahren war, sollen noch in diesem Jahr dazu Bohrungen, Schürfe, Durchflussmessungen und Kanalbefahrungen stattfinden. Außerdem sei für 2019 geplant, die gesamte Analytik der Messergebnisse und den Bau von zusätzlichen Grundwassermessstellen einschließlich des Monitorings abzuschließen. Es sei aber absehbar, dass diese umfangreiche und sehr komplexe Problematik noch einige Jahre in Anspruch nehmen werde.

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Schadstoffreduzierung

Die Landesanstalt für Altlastenfreistellung will versuchen ein Pilotprojekt zur Schadstoffreduzierung in der Ehle durchzusetzen, kündigte Heise an. „Dafür werden wir Fördermittel beantragen“, sagte er. Dabei gehe es um einen rund 620 Meter langen Abschnitt entlang der Ehle von der Quelle in Westeregeln. Heise sprach von einem geplanten ökologischen Korridor, einem Landschaftsstreifen, der nicht überall zugänglich sein soll. Seinen Worten zufolge sehen die Planungen vor, kurzfristig einen Flächentausch oder ein Flurneuordnungsverfahren zu initiieren, mittelfristig die Maßnahmen zum Gewässerschutz zur Durchgängigkeit der Ehle fortzuführen und zu erweitern sowie Flächen im Korridor aus der aktiven landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen und als Rekontaminationsschutzstreifen zu entwickeln. Hintergrund ist, dass bei den Kontrollen festgestellt wurde, dass ein Streifen landwirtschaftlicher Nutzfläche von bis zu 50 Meter links und rechts der Ehle belastet ist. „Langfristig soll der Entwicklungskorridor unter Beachtung von Naturschutzaspekten erweitert werden“, sagte der Projektleiter.

Der Verbandsgemeinde-Bürgermeister Michael Stöhr (UWGE) machte deutlich, dass die Ehle aus Gründen des Hochwasserschutzes ständig zugänglich bleiben müsse.

Die Landkreisverwaltung hatte den Verbrauchern in Westeregeln, Egeln, Tarthun, Unseburg und Staßfurt mit einem Erlass am 30. April 2018 Em-pfehlungen gegeben. Demnach sind dort jegliche Entnahmen von Wasser zum Beispiel mit Hilfe von Pumpvorrichtungen oder durch Schöpfen mit Handgefäßen untersagt. Das gleiche gilt für das Betreten, das Baden, das Tauchen, das Tränken an Tränkstellen, das Schwemmen, der Eissport sowie das Befahren mit kleinen Fahrzeugen mit und ohne Eigenantrieb.

Zu den Empfehlungen für die Bürger gehört auch, den Kontakt mit Wasser und Sedimenten der Ehle zu meiden und kein Oberflächenwasser zu nutzen. Obst und Gemüse sollten vor dem Verzehr gewaschen und geschält werden, um Staubpartikel zu entfernen. Zudem sollte der Verzehr von Fischen aus der Ehle und der Bode im Mündungsbereich der Ehle eingeschränkt und Innereien von Wild nur im zwei- bis dreiwöchigen Abstand verzehrt werden.