Güsten l Warum soll Tante Frieda nicht von Hänschen lernen, wie ein Handy eingestellt wird? Und womöglich ist es für Jugendliche richtig spannend zu erfahren, wie damals Gleichaltrige den Zweiten Weltkrieg und die karge Zeit danach überlebt haben?

Solche Fragen schweben ihr vor, während Sabine Rotter das neue „Alt-mit-Jung-Projekt“ der Stadt Güsten vorstellt. Es soll alle Generationen zusammenbringen und seinen Platz im ehemaligen Ratskeller finden. Der wurde und wird schon für Seniorennachmittage und Chorproben genutzt. Das neue Freizeitangebot dort soll ab Juni etabliert werden.

„Gegenseitiges Verständnis und ein gutes Miteinander aller Generationen sind heutzutage wichtiger denn je“, meint Sabine Rotter. Die Stadt Güsten knüpfe mit dem Projekt an die Bemühungen als „Ort der Bildung und Kommunikation“ an. Hier seien als Meilensteine nur die Sporthalle am Stadtgraben, die Unterstützung der Freien Sekundarschule, der Bau der neuen Kita und die gegenwärtige Sanierung der Grundschule genannt. Auch die Pläne für die Erweiterung der Hans-Weniger-Sportstätte sowie für das Haus der Begegnung gehören zu diesem Leitgedanken.

Betreuerin gefunden

Eine Betreuerin für die Begegnungsstätte hat die Stadt auch gefunden. Mit Unterstützung des Jobcenters und mit Hilfe eines zu 100 Prozent geförderten Arbeitsverhältnisses über das Bundesprogramm „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ kümmert sich Carmen Müller darum, den Ratskeller mit Leben zu erfüllen. Das kann dienstags mit einem Kaffeekränzchen und interessanten Vorträgen, zum Beispiel zum Thema „Achtung Enkeltrick!“ passieren. Oder donnerstags mit „Stadt-Land-Fluss“, um geistig fit zu bleiben.

Gemeinsame Frühstücksrunden oder „Kochen mit gesunden Lebensmitteln“ – ohne Mikrowelle – wären weitere Ideen. Wie man ohne Schnellrestaurant lecker essen kann, probieren schonmal die dritten und vierten Klassen der Grundschule Ende dieses Monats aus, wobei die Schokoladenfabrik Klein Schierstedt mit von der Partie sein wird. Die Firma investiert immerhin 1000 Euro.

Eine weitere große Finanzspritze erfährt das Generationenprojekt von der Salzland-sparkasse, die über 2000 Euro für die Ausstattung des Treffs mit Beamer, mit Geschirr und Gesellschaftsspielen springen lässt.

Keine Konkurrenz

Dass es Carmen Müller schafft, Jung und Alt zu begeistert, daran zweifelt Sabine Rotter nicht. Als ehemalige betreuende Mitarbeiterin der Sekundarschule hat sie keine Berührungsängste mit der Jugend. Die „fahrenden Schüler“ sollen den Ratskeller auch nutzen können, um die Wartezeit auf den Bus zu verkürzen.

Dieser Tage wird Carmen Müller in Kitas wie Seniorenclubs unterwegs sein und über den neuen Treff informieren. „Involvieren wollen wir auch den Treff vom SOS-Kinderdorf. Vielleicht finden wir Patenschaften“, so Rotter. Auf keinen Fall soll die neue Begegnungsstätte als Konkurrenz empfunden werden, sondern als Ergänzung bestehender Freizeitangebote.