Staßfurt l „Ja, das ist auch mal schön, zwei Wochen Heimat-Urlaub.“ Florian Krüger genießt die Zeit bei Eltern und Freundin in Staßfurt. Doch er wäre kein Profi, würde es ihn nicht in den Füßen jucken.

Gut vier Wochen ist es her, als er das letzte Mal für den FC Erzgebirge Aue stürmen durfte. Das war am 8. März (2:1 in Dresden). Dann ereilte auch die 2. Fußball-Bundesliga die Zwangspause wegen der Corona-Situation.

Jetzt, gut vier Wochen später, ist es nur allzu verständlich, dass sich ein 21-jähriger Mannschaftssportler wieder nach seiner Elf sehnt. Ausdauerläufe an der Liethe sind eben nicht zu vergleichen mit einem Bundesliga-Spiel vor vollen Zuschauerrängen.

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„Ein Wochenende ohne Fußball ist nicht nur für die Fans komisch irgendwann“, bemerkt der Stürmer vom FC Erzgebirge Aue.

Aber auch Florian Krüger weiß natürlich, was Disziplin ist. Spätestens seit sein Vater Bernd ihn als Vierjährigen mit zum SV 09 Staßfurt nahm. Die Fußballschule in seinem ersten Verein zeigte Wirkung. 2011 spielte Florian schon in der U 13 des 1. FC Magdeburg. Es folgen vier Jahre, in denen der Jugendliche von der Landesliga bis zur Mitteldeutschen Talente-Liga kickte. Mit seinem Team schaffte Florian schließlich den Aufstieg in die Bundesliga. Das erwies sich als Sprungbrett. Der FC Schalke 04 wurde auf den „Magdeburger Jung“ aufmerksam, als dieser 16 Jahre jung war.

Florian spielte Bundesliga, ein Jahr in der U 17 (B-Jugend), zwei Jahre für die U 19 (A-Jugend) in Gelsenkirchen. Die Hürde zur Herren-Bundesliga war zu diesem Zeitpunkt noch zu hoch für den jungen Spieler.

Doch das mittlerweile erreichte Leistungsniveau war nicht unbemerkt geblieben. Daniel Meyer, der Florian Krüger als Kölner Nachwuchstrainer bereits beobachten konnte, nahm den jungen Stürmer mit zum FC Erzgebirge Aue, wo er nun mit Saisonbeginn 2018/19 zu den „Veilchen“ gehört und in der zweithöchsten Liga Deutschlands stürmt. Sein erstes Spiel in der 2. Bundesliga? Natürlich weiß er noch, dass das am 24. November 2018 in Bochum war.

Die 2. Liga soll ja härter als die 1. sein... „Das weiß ich nicht, habe ich noch nicht gespielt“, entgegnet Florian. Hart sei der Schritt vom Jugend- in den Männerbereich gewesen, erklärt er. Wenn man sich gegen teilweise zehn Jahre ältere Spieler, auch in körperbetonten Zweikämpfen behaupten müsse, merke man den Unterschied am Anfang schon, so der 1,86-Meter-Mann. „Aber das muss man abkönnen, wer bestehen will.“

Dass der 21-Jährige von einem „Schacht“ zum anderen gewechselt ist – Staßfurt, Gelsenkirchen und Aue sind schließlich Städte mit Bergbautraditionen – sieht er selbst eher als Zufall.

„Hier in Aue leben die Menschen diese Tradition aber noch richtig mit Herzblut“, hat der gebürtige Staßfurter festgestellt. Und natürlich kenne er mittlerweile auch das Steigerlied auswendig.

Eher nicht von Zufall möchte der bescheidene Fußballspieler unterdessen bezüglich seines sportlichen Werdegangs sprechen. Dass er möglicherweise mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, reiche nicht aus. Er weiß sein Glück zu schätzen, Talent zu haben. Aber: „Ob man zielstrebig ist, sich nicht ablenken lässt, das hat man selbst in der Hand“, so der junge Mann. „Und es reicht auch nicht ein Spiel, welches vielleicht ein Scout gerade sieht. Da muss man schon konstante Leistungen über längere Zeiträume bringen.“

Die zeigte er übrigens auch immer parallel zu den sportlichen Herausforderungen. Nach der Zeit an der Ludwig-Uhland-Grundschule lernte Florian zwei Jahre am Dr.-Frank-Gymnasium, dann vier Jahre am Magdeburger Sportgymnasium, zwei Jahre schließlich an der Gelsenkirchener Kooperationsschule, wo er sein Abitur mit 2,6 ablegte. Nach insgesamt zwölf Jahren wohlgemerkt, ein Jahr eher als in Nordrhein-Westfalen üblich.

Vor einem Jahr entschloss sich der Fußball-Profi, ein Fernstudium Richtung Sport/Fitness-Ökonomie aufzunehmen. Und das bei einer Sechs-Tage-Woche mit fünf Tagen Training und einem Spieltag.

Auch der Laptop half jetzt etwas, über die Fußball-freie Zeit zu kommen.

Die ist aber inzwischen endlich wieder vorbei. Wie der FCE über seinen Internet-Auftritt der Öffentlichkeit mitteilt, trainieren die Veilchen seit Wochenbeginn wieder in Kleingruppen am Erzgebirgsstadion, in Abstimmung mit den zuständigen Behörden und unter strengster Beachtung aller Hygienevorschriften.

Auch Cheftrainer Dirk Schuster war froh, „dass die Spieler den Ball wieder am Fuß haben und auch in den kleinen Gruppen wieder ein Gefühl für Raum und Zeit entwickeln können“.

In der Heimat wird Florian Krügers Entwicklung derweil nicht nur von der Familie, Freundin und Freunden aufmerksam und mit Stolz verfolgt. „In der 2. Bundesliga muss man erstmal spielen“, bemerkt Peter Köhler anerkennend. Der Hohenerxlebener kickte einst für den FC Magdeburg in der DDR-Oberliga, unter anderem mit Dirk Schuster.

Was Florian Krüger unterdessen jungen Talenten noch mit auf den Weg geben würde, wenn sie von einer Karriere als Fußballer träumen? „Am Wichtigsten ist, Spaß haben, sich nicht zu viele Gedanken machen und nicht unter Druck setzen.“

Wann und wie die Fußball-Saison 2019/20 weitergeführt wird, ist derzeit auf allen Ebenen noch offen.