Egeln/Aschersleben l Wie groß ist die Tanzfläche der „Oldie-Bar“ in der „Wilden Zicke“ in Egeln? Um die Detailfragen ging es am Amtsgericht Aschersleben neulich auch, als eine Prügelei unter den Diskobesuchern verhandelt wurde. Wie weit waren Angeklagter und Opfer voneinander entfernt? War es Notwehr im Affekt oder ging der Angeklagte mit Vorsatz auf ihn zu? Immerhin musste sich ein junger Mann aus Hakeborn wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Sein Opfer, auch ein junger Mann aus Hakeborn, lag eine Woche lang mit Nasenbeinbruch im Krankenhaus.

Mit seiner Frage nach der Größe der Tanzfläche in der Oldie-Bar, ein Nebenraum in der „Zicke“, forderte der Verteidiger des Angeklagten allerdings immer wieder die Komik heraus.

"Darf ich kurz aufstehen?"

„Darf ich kurz aufstehen“, fragt die erste Zeugin unsicher das Gericht bei der Verhandlung. Die 46-jährige Verkäuferin war mit einer Freundin an dem Abend im Mai 2019 in der Disko, leistete erste Hilfe und fuhr ihren verletzten Kumpel ins Krankenhaus. „Tja, der Eingang war, sagen wir mal hier“, steht sie am Tisch der Staatsanwaltschaft und zeigt auf den Richtertisch, der noch zirka vier Meter weg ist. „Und da ging es den Gang hinter.“ Sie habe zwar den Schlag ins Gesicht ihres Kumpels gesehen, aber wie es dazu kam? „Ich war damit beschäftigt, mich um meine Freundin zu kümmern, die war ja rotzbetrunken.“

Der nächste Zeuge beschreibt die Oldie-Bar aus der umgedrehten Perspektive. Er steht auf und geht zum Tisch der Staatsanwaltschaft. „Die Bar war in etwa hier und hinter mir die Tanzfläche.“ Der 35-Jährige war eigentlich das erste Opfer an dem Abend. Er war mit Freunden, alle aus Hakeborn, da und kam gerade von der Tanzfläche zurück. Er hatte am dem Abend Streit mit dem Angeklagten. „Er hat mich aggressiv angesprochen, kam mir hinterher, hat mich gestoßen und ich bin zu Boden gegangen.“ Ein paar Meter musste der Angeklagte also schon laufen zu seinem Opfer!

Der nächste Zeuge ist der Kumpel dieses Zeugen, der zu Boden ging. Er macht sich nicht mehr die Mühe aufzustehen und den Saal abzuschreiten. „Drei, vier, fünf Meter?“, rät er. Aber egal, dieser junge Mann war an dem Abend eigentlich nur da, um seine Freunde abzuholen. „Ich bin 3.30 Uhr zur Zicke und habe versucht, die Meute einzuladen. Da bin ich rein. Es kommt ja keiner pünktlich raus, wenn man da wen abholen will. Es guckt ja auch keiner auf sein Handy. Eine Stunde habe ich gebraucht, um alle zusammenzutrommeln und ins Auto zu bekommen.“

Opfer oder Täter oder wie?

Jedenfalls kam der junge Mann gerade in die Oldie-Bar hinein, als der, der bei der Verhandlung das Opfer spielt, wütend wurde. Denn der Typ da hatte ja gerade seinen Kumpel geschupst! Also ging er auf den Angreifer – das war der Angeklagte – los und wollte ihm eins überziehen. Da die Zielgenauigkeit wegen Alkohol nicht mehr gegeben war, ging der Schlag daneben. Der Angeklagte konterte mit einem Schlag ins Gesicht – Nasenbeinbruch.

Wie groß die Tanzfläche nun genau ist, konnte der Verteidiger nicht herausbekommen. Fest stand aber, dass jeder Zeuge das Gerangel ein wenig anders beschrieb, dass nicht klar wurde, ob es Vorsatz oder Notwehr war, dass das Opfer auch Angeklagter hätte sein können und viel Alkohol im Spiel war. Also, Freispruch! „Es gibt zu wenig Beweise“, so Richter Robert Schröter, der hinzufügt: „In Zukunft in der Zicke piano!“