Staßfurt l Der Krankenstand im Salzlandkreis ist 2017 angestiegen. Die Ausfalltage aufgrund von Krankheiten nahmen um 0,6 Prozentpunkte zu, stellt der DAK-Gesundheitsreport fest. „Mit sechs Prozent hatte die Region nun den höchsten Krankenstand in Sachsen-Anhalt“, bilanziert Anke Grafenstein, stellvertretende Regionalchefin der Krankenkasse im Salzlandkreis. Der Landesdurchschnitt beträgt 5,2 Prozent.

Laut Gesundheitsreport waren an jedem Tag des Jahres von 1000 Arbeitnehmern 60 krankgeschrieben. Zum Vergleich: Der niedrigste Krankenstand in Sachsen-Anhalt wurde mit 4,7 Prozent in der Stadt Dessau-Roßlau und im Landkreis Anhalt-Bitterfeld verzeichnet.

Mehr Rücken, weniger Angst

Anke Grafenstein erläutert die aktuelle Analyse für den Salzlandkreis mit den wichtigsten Veränderungen bei Zahl und Dauer der Krankschreibungen: „Die Fehltage bei den Muskel-Skelett-Erkrankungen wie beispielsweise Rückenschmerzen, nahmen um 18 Prozent und damit am stärksten in der Region zu, was über dem Landesdurchschnitt liegt.“ Ihr Anteil am gesamten Krankenstand betrage mittlerweile 24 Prozent. Damit führt diese Diagnose die Liste der Krankheitsursachen in der Region an. „Um 14 Prozent nahmen Krankschreibungen auf Grund von Atemwegserkrankungen wie Bronchitis zu. Sie landeten auf dem zweiten Platz“, ergänzt Grafenstein.

An dritter Stelle würden psychische Erkrankungen folgen, zu denen Angstzustände und Depressionen zählen. Die Ausfalltage hier gingen um 21 Prozent zurück.

„Wir informieren regelmäßig über den Krankenstand im Salzlandkreis, um so Impulse für die Gesundheit der Beschäftigten zu geben“, erklärt Anke Grafenstein den Grund für die Bilanz. „Die fundierten Analysen helfen uns, noch gezielter beim Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) ansetzen zu können und Arbeitgebern konkret Hilfe anzubieten. Damit soll beispielsweise längeren Ausfallzeiten durch Rückenleiden oder seelische Probleme vorgebeugt werden.“

Die DAK-Gesundheit untersuche in ihrem aktuellen Gesundheitsreport mit Schwerpunkt „Rätsel Rücken – warum leiden so viele Sachsen-Anhalter unter Schmerzen?“ auch, wie verbreitet Rückenleiden bei den Arbeitnehmern im Osten sind. Die Kasse wirft dabei einen Blick auf Ursachen und Risikofaktoren. Für das Schwerpunkthema wertete das IGES-Institut die Fehlzeiten aller erwerbstätigen Mitglieder der DAK-Gesundheit in Sachsen-Anhalt aus. Es wurden zudem bundesweit mehr als 5000 Beschäftigte im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt und zahlreiche Experten eingebunden.

Das Fazit: Trotz Prävention und zahlreicher Gesundheitskurse leiden in Sachsen-Anhalt rund 800.000 Erwerbstätige unter Rückenschmerzen. Nach Ergebnissen der Umfrage hatten 78 Prozent aller Beschäftigten 2017 „Rücken“. Jeder Vierte hat aktuell Beschwerden.

Auf 100 Erwerbstätige in Sachsen-Anhalt entfielen rund 131 Fehltage wegen Rückenschmerzen. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt sind es mit rund 87 Tagen deutlich weniger. Im Salzlandkreis war die Zahl der Ausfalltage mit rund 144 höher als im Landesschnitt. Die durchschnittliche Dauer je Krankschreibung lag mit rund 14 Tagen im Landesdurchschnitt.

Risikofaktoren für Rückenschmerzen

„Leider zeigt sich auch bei uns im Salzlandkreis, dass es trotz eines verstärkten Engagements im betrieblichen Gesundheitsmanagement noch keine signifikante Verbesserung gibt“, so Anke Grafenstein. „Deshalb müssen wir gemeinsam mit Unternehmen das individuelle Arbeitsumfeld noch rückenfreundlicher gestalten.“

Die große Mehrheit in Sachsen-Anhalt meldet sich mit Rückenschmerzen allerdings nicht krank. 91 Prozent gehen mit Schmerzen zur Arbeit. „Die Wahrscheinlichkeit, sich wegen der Rückenschmerzen krank zu melden, steigt jedoch mit der Stärke der empfundenen Schmerzen und dem Chronifizierungsgrad“, erklärt die DAK-Mitarbeiterin.

Entscheidend sei auch, ob Beschäftigte häufig in unbequemer Körperhaltung arbeiten müssen, einem hohen Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt sind oder ihren Job mit wenig Freude erledigen. „All diese Faktoren machen eine Krankmeldung wahrscheinlicher.“

Knackpunkte Nacken und Lendenwirbelsäule

Der DAK-Report zeigt, unter welchen Beschwerden Betroffene in Sachsen-Anhalt konkret leiden: So schmerzt bei 77 Prozent die Lendenwirbelsäule. 42 Prozent haben Probleme mit dem Nacken. Fast jeder Vierte (23 Prozent) gibt Schmerzen an mehreren Bereichen der Wirbelsäule an. Acht Prozent der Rückenschmerz-Geplagten hat dabei starke bis sehr starke Schmerzen.

Die große Mehrheit der Sachsen-Anhalter versucht zunächst, allein mit den Schmerzen zurechtzukommen. Nur etwa jeder vierte Betroffene (28 Prozent) war laut eigenen Angaben wegen seiner Rückenbeschwerden beim Arzt. Von diesen suchten 76 Prozent bei einem einzigen Mediziner Hilfe. 19 Prozent konsultierten zwei, vier Prozent drei Ärzte wegen ihrer Beschwerden. Gefragt nach der konkreten Rückenschmerz-Behandlung gaben 69 Prozent der Betroffenen an, eine Physiotherapie bekommen zu haben. Etwa je ein Viertel der Befragten bekam eine Spritze (24 Prozent) und/oder ein Schmerzmittel (25 Prozent). Bei jedem Fünften (20 Prozent) wurden ein CT oder ein MRT des Rückens gemacht. Der Zusammenhang von Stress und Rückenschmerzen wurde in den Praxen kaum thematisiert (drei Prozent). „Da sich Stress und psychische Belastungen stark auf die Rückengesundheit auswirken können, sollte dieser Aspekt stärker bei Diagnose und Behandlung berücksichtigt werden“, fordert Anke Grafenstein.

Als erste Reaktion auf die aktuelle Studie bietet die DAK-Gesundheit ihren Versicherten ab sofort ein neues onlinebasiertes Rücken-Coaching an. Unter dem Titel Rücken@Fit erhalten Betroffene eine verhaltensorientierte individuelle Hilfe bei akuten und chronischen Rückenschmerzen. „Dieses moderne Coaching geht sehr persönlich auf die Rückenprobleme ein“, erläutert Anke Grafenstein.

Auch im Internet finden Schmerzgeplagte viele Infos und praktische Tipps rund um das Thema „Gesunder Rücken“. Nicht nur von der DAK.