Staßfurt l Die Grippe hat in allen Regionen Sachsen-Anhalts Auswirkungen auf den Schulbetrieb. Das teilt das Landesschulamt mit. „Im Süden gibt es zum Beispiel zwei Gymnasien, an denen aufgrund der Erkrankung von Lehrkräften einzelne Klassen tageweise mit Selbststudienaufträgen zu Hause bleiben müssen“, sagt Behördensprecherin Silke Stadör. Sie erklärt aber auch, dass ihrem Haus kein Gesamtüberblick über alle Schulen vorliege. „Die jeweiligen Schulleiter sind eigenverantwortlich für die Unterrichtsorganisation zuständig sind.“ Das Landesschulamt erhalte lediglich Informationen, wenn die Schule den Unterricht nicht aufrechterhalten könne. „Außergewöhnliche Ausfälle“ aus dem Staßfurter Bereich seien dem Landesschulamt in diesem Zusammenhang allerdings nicht bekannt, berichtet Silke Stadör. Die Volksstimme hat sich in den Bildungseinrichtungen der Salzstadt umgehört.

Lage entspannt sich

Die Stadt Staßfurt ist für die Grundschulen zuständig. In der vergangenen Woche gab es mehr Ausfälle, inzwischen entspanne sich die Situation allerdings wieder. Karin Gehn vom zuständigen Fachdienst sagt, dass der Unterricht in den Grundschulen auch bei Krankheitsfällen abgedeckt werde. „Es ist zu keinen gravierenden Unterrichtsausfällen gekommen.“ In der Förderstedter Grundschule werden teilweise Klassen zusammengelegt. In der Goethe-Grundschule konnte in der vergangen Woche nicht vollumfänglich unterrichtet werden, weil mehrere Lehrerinnen erkrankt waren. Jetzt fehle allerdings nur noch eine Kollegin, berichtet Schulleiterin Heike Härtge. „Auch die Anzahl der erkrankten Schüler liegt im normalen Bereich. Wir müssen keine Klassen zusammenlegen.“

Zehnklässler lernen zu Hause

Anders sieht das in Nord aus. Rektorin Verena Frank berichtet aus der Gemeinschaftsschule „Hermann Kasten“. „30 Prozent der Schüler können nicht kommen. Die Eltern bescheinigen uns das und legen auch ärztliche Attests vor. Bei den Lehrern sieht es ähnlich aus.“ Von 22 fehlen sieben Pädagogen. Wie auch in anderen Bildungseinrichtungen empfiehlt die Schulleitung, dass erkrankte Kinder besser zu Hause das Bett hüten als die Schulbank drücken sollten. „Wichtig ist, dass alle Erkälteten sich richtig auskurieren und gesund werden. Die Ansteckungsgefahr ist nach wie vor groß“, so Verena Frank. In der Schule finde man Wege, um Ausfälle aufzufangen. „Der Unterricht ist bis zur fünften Stunde abgedeckt. Danach fassen wir Gruppen zusammen und sorgen so für die Betreuung.“ Die älteren würden in ihrer Eigenverantwortung gefordert. Am 7. März konnten die Zehntklässler zu Hause lernen. „Wir haben den Schülern Prüfungsaufgaben mitgegeben, die sie selbständig erledigen und die auch abgefragt und bewertet werden.“ Verena Frank weist im Volksstimme-Gespräch darauf hin, dass sie bei den Planungen auch einen Blick für die Kollegen haben müsse, die noch da sind. „Wir organisieren den Schulalltag so, dass die Belastungen nicht zu groß werdenund dadurch möglicherweise weitere Ausfälle resultieren.“ Das betreffe die Lehrer wie auch die Schüler, denn die Lernatmosphäre in großen Gruppen sie nicht optimal.

Schulen haben Aufsichtspflicht

Nebenan auf dem Campus ist die Förderschule „Johann Heinrich Pestalozzi“, Nachbar der Kasten-Schule. Auch hier hat es Lehrer und Schüler erwischt. 20 Prozent der Kinder fehlen, berichtet Schulleiter Volker Link. Auch Lehrer sind krank. Nach der Anfrage der Volksstimme hat er sich selbst gefragt, wann es die Situation schon einmal gegeben habe. „In der jüngeren Vergangenheit hatte die Erkältungszeit nicht die Auswirkungen auf die Schule. wie es jetzt und in dieser Form der Fall ist.“ Volker Link erinnert sich, dass der Schulbetrieb vor über 20 Jahren schon einmal wegen der Grippe täglich neu geplant werden musste, „damals waren wir noch in der Sodastraße“. Der Schulleiter sagt, dass im Kollegenkreis „alle zusammenrücken und sich gegenseitig sehr stark unterstützen“. Man spüre die Verantwortung füreinander und für die Kinder. Weil die Förderschule einen großen Einzugsbereich hätte und die Schüler aus dem gesamten Salzlandkreis kämen, auch befördert werden müssten, könne man sie nicht einfach heim schicken. „Wir kommen unserer Aufsichtspflicht nach. Dafür werden Klassen zusammengelegt.“

Weniger betroffen

An zwei Schulen in der Salzstadt zeigen sich die Auswirkungen der Influenza weniger gravierend. Am Tierpark und am Königsplatz. „Insgesamt ist die Situation nicht ungewöhnlich und beherrschbar“, sagt Schulleiter Steffen Schmidt für das Dr.-Frank-Gymnasium. Der Jahreszeit entsprechend sei die Liste der erkrankten Lehrer zwar länger als sonst. Bei den Schülern stellten sich die Ausfälle weniger deutlich dar. „Der Unterricht läuft normal, es wird vertreten, Lerngruppen werden zusammengelegt und Randstunden fallen in höheren Klassen aus.“

Uwe Oswald, Leiter der Ganztagsschule „Am Tierpark“ sagt sogar: „Bei uns gibt es derzeit keine unmittelbaren Auswirkungen der Grippewelle.“ Der Krankenstand unter den Lehrern sei im normalen Bereich. „Wir haben zwei Kollegen, die an Grippe erkrankt sind. Alle anderen sind im Dienst.“ In den Klassen sehe es dagegen sehr unterschiedlich aus. In einigen fehlten grippebedingt bis zu 50 Prozent der Schüler, in der Regel mindestens eine Woche lang. „Ein über den Normalfall hinausgehender expliziter Ausfall oder eine Klassenzusammenlegung sind aber bisher nicht notwendig gewesen.“