Güsten/Schackenthal l Für die „Bürgerinitiative für Lebensqualität und nachhaltige Landwirtschaft – gegen Deutschlands größte Massentierhaltung“ (BI) war es ein räumlicher Erfolg, als die Investoren offensichtlich von ihren Plänen absahen, bei Osmarsleben zu bauen.

Die BI hatte vehement gegen die Megaställe gekämpft, nachdem 2010 bekannt geworden war, dass Hühnerställe für insgesamt 600.000 Tiere, ein Schweinstall für 30.000 Tiere und eine Biogasanlage geplant waren. Der Protest gipfelte im Mai 2010 in einem Bürgerforum mit 400 Teilnehmern. Auch die Verbandsgemeinde Saale-Wipper stand hinter den Initiatoren, die aus verschiedenen Mitgliedsgemeinden stammten.

Es kehrte Ruhe ein um das Vorhaben. Ad acta gelegt wurden die Pläne von den Investoren nicht. 2015 genehmigte das Landesverwaltungsamt eine Legehennen-Anlage für 450.000 Tiere – für einen Standort zwischen Schackenthal und Bründel, unweit der Gemarkungsgrenze der Saale-Wipper.

„Man wird dort mit dem Stall leben müssen“, meint Klaus Gerner, einer der aktivsten Gegner der Massentierhaltungspläne von damals. „Ich habe etwa 2011 bis 2013 in Bründel und Schackenthal an vielen Häusern geklingelt und die Leute gewarnt, dass man den bei uns abgeschmetterten Stall nun in Schackenthal aufbauen will“, erinnert sich der Warmsdorfer. Wer er denn sei, was ihn denn das angehe, habe man ihn damals gefragt. „Am Ende habe ich es aufgegeben“, so Klaus Gerner.

Auch ein Fernsehsender habe gemerkt, dass die Pläne nicht aufzuhalten wären, wenn es vor Ort kein Bürger-engagement dagegen gebe und brach seine Recherchen ab.

Die Stadt Aschersleben, zu der Schackenthal gehört, hätte auch kaum Einflussnahmemöglichkeiten im Genehmigungs-Verfahren gehabt, erklärt Judith Kadow. Allerdings habe die Stadt „ein B-Plan-Verfahren drüber gelegt“, so die Pressesprecherin. „Damit wäre eine anderweitige Nutzung der Anlage auszuschließen, wenn es mit den Legehennen – aus welchen Gründen auch immer – nichts werden würde.“ Was die Stadt Aschersleben im übrigen für Steuereinnahmen zu erwarten hat, das sei noch völlig offen. Dazu gäbe es momentan keine greifbaren Größen.

Unterdessen läuft noch ein Verfahren, in dem die Verbandsgemeinde Saale-Wipper in einem Normenkontroll-Antrag vorm Oberverwaltungsgericht Naumburg den Flächennutzungsplan – Grundlage für die Stallanlage – beklagt. Die Verbandsgemeinde könne nicht einfach sagen, sie wolle die Anlage nicht, so Verbandsgemeinde-Bürgermeister Jan Ochmann. „Das steht uns nicht zu.“ Aber man sehe die Feuerwehr-Planung beispielsweise nicht genügend berücksichtigt. „Demnach wäre die Feuerwehr der Stadt Aschersleben im Ernstfall nicht schnell genug vor Ort. Mehringen hat nicht genug Kräfte. Man wäre also auf die Saale-Wipper angewiesen“, meint Ochmann. Diese Tatsache könnte unter Umständen die Inbetriebnahme der Anlage noch verhindern. Eine andere Möglichkeit wäre, die Feuerwehr der Verbandsgemeinde aufzurüsten.

Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtete, sollen die ersten beiden der sechs Ställe im November bezugsfertig sein.

Die Güstener Landei GmbH & Co.KG, die im Handelsregister Stendal mit der Querfurter Frischei Beteiligungs GmbH Farnstädt als Gesellschafter geführt wird und verantwortlich zeichnet für den neuen Betrieb, der einmal 135 Millionen Eier jährlich produzieren soll, war gestern nicht zu erreichen.