Staßfurt l „Das ist alles etwas mit angezogener Handbremse. Wir kämpfen aber weiter“, sucht Detlef Jessing nach geeigneten Worten. Wie der Thüringer sind viele Händler auf dem Staßfurter Eisenbahnfest froh, endlich wieder mal etwas unter die Leute bringen zu können. Auch wenn beide Seiten auf solchen Veranstaltungen normalerweise weitaus mehr gewöhnt sind.

Mehr als 45 Festbesucher dürfen an diesem Wochenende zeitgleich nicht in den Lokschuppen. Das sieht das Hygienekonzept so vor, mit dem sich die Eisenbahnfreunde offensichtlich intensiv auseinandergesetzt haben. Um den Überblick zu behalten, haben sie eine Lichtschranke am Eingang installiert.

Die Besucher akzeptieren das. Auch die Maskenpflicht in solchen Innenräumen. „Wir kommen jedes Jahr hierher“, erzählt die Wernigeröderin Cornelia Schrader, deren Sohn Lennart gerade eine neue Modelllok erstanden hat und verrät, dass er mal Lokführer werden will. „Es sind gerade andere Zeiten mit besonderen Umständen. Da müssen wir eben durch“, so die Besucherin.

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Und sowohl die Bemühungen des Veranstalters als auch die Akzeptanz der Besucher werden von den Mitarbeitern des Salzlandkreises und der Stadtverwaltung beim Kontrollgang gesehen. Sie zeigen sich überwiegend zufrieden mit der Umsetzung der Auflagen und geben hier und da noch ein paar Hinweise, wo nachzubessern wäre. Michael Schütze vom Vereinsvorstand ist dankbar auch dafür, vor allem aber froh, „dass wir das Fest so durchführen können“. Immerhin könnten laut Konzept nun doch bis zu 3000 Besucher gleichzeitig auf das 85 000 Quadratmeter große Vereinsgelände.

Bis zum Mittag des ersten Tages nutzten dies 460 Eisenbahnfans. Da regnete es fast ununterbrochen. Ob die Besucherzahlen bis Sonntagabend und demzufolge die Einnahmen den Aufwand des Eisenbahnfests decken können, wird die Abrechnung zeigen. Mit 120 Mitreisenden wurden die Kosten für die Sonderrundfahrt unter Dampf gerade so abgedeckt, stellt Schütze fest.

Immerhin hatte der Verein zu seinem 30. Geburtstag vier Gastloks unter Dampf nach Staßfurt geordert. Zwar lief nicht alles nach Plan, die 01 1519 der Eisenbahnfreunde Zollernbahn konnte leider nicht rechtzeitig flott gemacht werden. Aber vier Dampfrösser liefen dennoch ein: die 35 1097 aus Glauchau, die „Bergkönigin“ 95 1027 aus Blankenburg, sowie die 52 1360 und 41 1144 – mit der die Sonderrundfahrt veranstaltet wurde – aus Eisenach.

„Obwohl unsere eigenen Dampfloks alle kalt gestellt sind, wollen wir den Besuchern doch was bieten zum Jubiläum“, erklärt Schütze auch, warum deshalb ein Gastlok-Zuschlag unerlässlich sei.

Wie es jetzt weitergeht? An die Hauptuntersuchung der vereinseigenen 44 1486, der hier momentan eigentlich alle Aktivitäten gewidmet sind, will momentan kein Gedanke so recht gelingen. „Corona schafft uns“, meint Michael Schütze nur und hofft, dass vom Herbstfest etwas hängen, der Verein am Leben und jedes Mitglied und jeder Sympathiesant dran bleibt. Auch das Frühjahrsfest 2020 hatten die Eisenbahnfreunde bereits wegen Corona abblasen müssen.

Ob wenigstens die Sonderfahrt am 5. Dezember zum Weihnachtsmarkt Erfurt als einzige von sieben im Jubiläumsjahr geplanten stattfindet, steht auch noch in den Sternen.

Endlich mal mit der Sonne um die Wette strahlen konnte am Sonntag die Staßfurter Salzfee Jenny. Wenn auch der Tag der Regionen von zahlreichen Aufforderungen geprägt war, Abstand zu halten und bestimmte Wege zu gehen – Besuchern wie Händlern war anzumerken, dass sie die Abwechslung, die dieser Markt bietet, dankbar annehmen.

Burkhard Nimmich als Chef des veranstaltenden Vereins zeigte sich zufrieden und die Hygieneregeln nach neuer Corona-Verordnung umgesetzt. Nach seiner Meinung hätten 999 Besucher zeitgleich auf dem Benneck‘schen Hof sein können. Die Laufwege waren erweitert, die Buden weiter auseinandergerückt als sonst. Zudem fließe bei diesem Fest (bis 18 Uhr), das Nimmich eher als Messe sieht, nicht so viel Alkohol wie bei Heimatfesten.

Justizministerin Anne-Marie Keding bewertete den Tag der Regionen unter freiem Himmel insofern als gut, weil auch immer wieder auf die Regeln hingewiesen werde. „Aber sobald es kälter wird, müssen wir verdammt aufpassen“, warnte sie am Rande des Rundgangs.