Giersleben/Güsten/Staßfurt l Der Saale-Wipper-Verbandsgemeinde-Bürgermeister Jan Ochmann (CDU) und das Gierslebener Ortsoberhaupt Peter Rietsch (parteilos) sind enttäuscht vom Staßfurter Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD).

Sie hatten sich am 7. Februar gemeinsam mit dem Leiter Fachbereiches Soziales, Familie, Bildung des Salzlandkreises Mathias Kiegeland bei Landrat Markus Bauer (SPD) zu einem Gespräch in Bernburg zusammen gefunden. Es war auf Anregung von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zustande gekommen. Er hatte sich bei seinem jüngsten Besuch in Giersleben am 12. Dezember 2018 für den Erhalt der Grundschulen der Region ausgesprochen. Zuvor hatte ihm Peter Rietsch berichtet, dass die Neundorfer Abc-Schützen ab dem kommenden Schuljahr nicht mehr in Giersleben eingeschult werden dürfen.

Treffen angemahnt

Das Treffen beim Landrat habe man erst anmahnen und dann fast acht Wochen darauf warten müssen, kritisierte Rietsch. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er den Teilnehmerkreis um den Ortsbürgermeister, Vertreter des Elternrates und die Presse erweitert. Doch das sei vom Landrat abgelehnt worden.

Nicht glücklich waren Ochmann und Rietsch darüber, dass sie am gleichen Tag des Gespräches den Standpunkt von Wagner in der Staßfurter Volksstimme lesen konnten.

„Ich habe bei der Beratung die derzeitige Beschlusslage vorgetragen und erklärt, dass ich kein Mandat habe, Anpassungen am Vertrag zwischen der Stadt und der Verbandsgemeinde vorzunehmen“, erkklärte Wagner. Der Vertrag „sieht letztmalig 2018 die Möglichkeit einer Einschulung der Neundorfer Kinder in Giersleben vor. Und es gibt auch keine Intension aus dem Stadtrat für eine Änderung. Die letzte Anpassung war ein guter Schritt, damit die Schüler aller vier Klassen in einer Schule unterrichtet werden können.“

Schüler gesucht

Ochmann monierte: „Der Oberbürgermeister war nicht mal ansatzweise gesprächsbereit.“ Ochmann hatte versucht, Wagner eine Brücke zu bauen. „Er hätte das Thema noch mal mitnehmen und sich durch den Kopf gehen lassen können.“ Stattdessen habe er deutlich gemacht, dass es für ihn keinen Handlungsbedarf gebe. Der Verbandsgemeinde-Bürgermeister kann die Haltung seines Amtskollegen nicht verstehen und findet es „unkollegial“, dass sich Wagner an den Tisch setze und nicht über die Schulen sprechen wolle. „Dann hätte er das vorher auch sagen können“, sagte Ochmann.

„Der Oberbürgermeister hatte aber klar bestätigt, dass er die Neundorfer Kinder für den Erhalt der Uhland-Schule in Staßfurt nicht braucht“, sagte Rietsch. Denn statt der 100 Kinder, die der Fördermittelgeber langfristig als Bestandsschutz für die Sanierung mit Geld aus dem Stark-III-Programm vorgeschrieben habe, verfüge die Uhland-Schule über rund 240 Schüler.

Wettbewerb tut Schulen gut

Rietsch kann nicht nachvollziehen, dass Wagner den Neundorfer Eltern den kostenlosen Besuch einer Dorfschule verbiete, andererseits aber zulasse dass sie ihre Kinder in der privaten Dorfschule in Rathmannsdorf anmelden und 120 Euro dafür im Monat bezahlen. Aus Sicht des Gierslebeners ist der Standort in Rathmannsdorf problematisch, da im dortigen Schloss Hitlers ehemaliger Finanzminister Lutz Graf Schwerin von Krosigk geboren wurde und gewohnt habe.

Rietsch setzt auf einen Wettbewerb der Schulen. „Die Gemeinden müssen sich darum bemühen, ihre Schulen so attraktiv wie möglich zu halten“, sagte er. Die Neundorfer Eltern hätten sich vor Jahren aus eigenem Willen für eine Beschulung ihrer Kinder in Giersleben entschieden. Rietsch plädiert für eine Öffnung der Schuleinzugsbereiche. „Das hat sich in unserer Verbandsgemeinde Saale-Wipper bewährt“, sagte Ochmann. Neundorfs Ortsbürgermeister Klaus Maaß (SPD) sagte der Volksstimme: „Das war eine gute Lösung mit den Kindern in Giersleben. Die Eltern waren mit der Schule sehr zufrieden.“ Es wäre schön, wenn die Beschulung weiterlaufen könnte.

„Wir arbeiten nun an einer zukunftsfähigen und sicheren Lösung für die Kinder und die Eltern“, betonte Rietsch.