Löderburg l „Was wird denn nun mit dem Deich?“, fragen Bürger im Ortschaftsrat Löderburg. Schulterzucken bei der Ortsbürgermeisterin, Verwaltungsmitarbeitern, Oberbürgermeister und allen anderen. Keiner weiß etwas.

Pläne

„Der Deich müsste doch jetzt schon längt stehen“, sagt ein Löderburger, der sich auf eine Versammlung im März 2014 bezieht. Damals waren Mitarbeiter des Landesbetriebs für Hochwassserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) Sachsen-Anhalt vor Ort, hatten große Plänen für einen Deich vorgestellt. Für 2,5 Millionen Euro sollte der Ort den Hochwassserschutz bekommen, als Baubeginn wurde 2016 angegeben.

Ab 2015 kamen Nachrichten von Verzögerungen: Der Deich soll ab 2017 kommen, wie Nachfragen der Volksstimme ergaben. Dann im Herbst 2017 die Ankündigung des LHW gegenüber der Presse: Man sei kurz vor der Genehmigungsplanung.

Man komme sich langsam „veralbert“ vor, heißt es aus den Reihen der Bürger in Löderburg. War der Deich nur ein leeres Versprechen? Über die Jahre haben die Anwohner der Drachenschwanzstraße, deren Grundstücke direkt an der Bode liegen, mehrmals Vermessungsfirmen auf ihren Grundstücken gehabt.

Umplanung

Eine erneute Nachfrage beim LHW der Volksstimme ergibt jetzt: Die Hochwasserschutzmaßnahme für Löderburg ist nicht gestorben. Im Gegenteil: Man ist weiter an der Planung. Aber es hat sich alles verzögert, weil man die Planung noch einmal grundlegend geändert hat. Grundsätzlich ist die Hochwasserschutzmaßnahme in Löderburg gesichert: „Die Finanzierung des Vorhabens ist in der erforderlichen Höhe beantragt, bewilligt und steht nach derzeitigem Kenntnisstand nicht in Frage“, teilt der LHW mit.

Änderungen in der Planung sind der Grund für die Bauverzögerung, erklärt der LHW. Während erst von einem Deich und Spundwänden die Rede war, ist man jetzt zu dem Schluss gekommen, dass es Hochwasserschutzmauern werden sollen. „Die ursprünglich vorgestellte Deichvariante wurde vollständig überarbeitet“, informiert Christoph Ertl, Flussbereichsleiter beim LHW.

Genauer sollen diese Hochwasserschutzmauern jetzt so weit wie möglich am Ort liegen, sprich an den Grundstücken der Drachenschwanzstraße und auch der Thiestraße. Die Mauer soll im Seitenstreifen der Straßen gebaut werden.

Mauer

Während Deiche und Spundwände, wie erst geplant, näher an der Bode gebaut worden wären, rückt die Hochwasserschutzmauer nun viel näher an den Ort heran.

Im ganz südlichen Teil der Drachenschwanzstraße wird die Trasse sogar jenseits der Häuser liegen. Im Hochwasserfall werden die Gärten der Anwohner geflutet. Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass die Häuser der Anwohner in weiser Voraussicht hoch gebaut wurden, damit sie nicht vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen werden.

Der Weg von der Drachenschwanzstraße in Richtung Staßfurt oder Gänsefurth, in der Nähe der südlichen Kleingartenanlage, wird angehoben und als eine Art Deichweg gebaut.

Einverständnis

Im weiteren Verlauf der Drachenschwanzstraße - wieder Richtung Norden gesehen - verläuft die Mauer zwischen Straße und Gartenanlagen, die im Zweifelsfall ebenso geflutet werden können, um den Ort zu schützen. Im Bereich Thiestraße wiederum wird die Mauer schützend zwischen Grundstücken und Bode angebracht.

Neu ist dabei auch, dass die Grundstücksbesitzer in der Thiestraße, im nördlichen Teil des Ortes, jetzt gefragt sind: Ihr Einverständnis, auf ihren Grundstücken bauen zu dürfen, braucht der LHW nun auch. Die Anwohner werden dazu jetzt wieder kontaktiert. Es „muss mit den Anwohnern im Bereich Thiestraße das Einvernehmen hergestellt werden und die erforderlichen Bauerlaubnisverträge abgeschlossen werden“, informiert Flussbereichsleiter Christoph Ertl.

Die Anwohner der Drachenschwanzstraße haben dies inklusive der Vermessungen auf ihren Grundstücken bereits hinter sich. „Das Einvernehmen mit den Anwohnern im Bereich Drachenschwanzstraße ist bereits hergestellt.“

Fläche gebraucht

Die Hochwasserschutzmauer wurde neuerdings gewählt, weil sie weniger Platz als ein Deich in Anspruch nimmt. Und weil sie näher am Ort und weiter entfernt vom Fluss liegt. Der Fluss soll so viel wie möglich natürliche Überschwemmungsfläche („Retentionsraum“) zur Verfügung haben, anstatt eingeengt zu werden, was das Hochwasser in allen Fällen schlimmer macht.

Der Landesbetrieb versichert auch, dass das Planungsbüro nicht gewechselt hat, wie Gerüchte aus dem Ort lauten. Die vielen Vermessungen an der Drachenschwanzstraße waren Grundlage für die Umplanung und wurden durch weitere Vermessungen ergänzt.

Dennoch wird das Vorhaben zeitlich zurückgeworfen. Zur Zeit wird das konkrete Bauwerk geplant, womit man wahrscheinlich im April fertig ist. Dann folgen „Objektplanung“ und „naturschutzrechtliche Fachplanung“ bis Ende Juni. Die Neu-Planung wird den Stadtverwaltungen Staßfurt und Hecklingen vorgestellt. Der LHW hat auch die Stadt Staßfurt schon angefragt, wann man die neuen Plänen vor Ort öffentlich vorstellen könnte. Diese Informationen waren aber noch nicht beim Ortschaftsrat angekommen.

Vor einem Baubeginn, der jetzt noch nicht abschätzbar ist, soll die Plangenehmigung im Herbst 2018 beantragt werden. Also keine Bauarbeiten in diesem Jahr. Damit herrscht 2018 erstmal weiterhin märchenhafte Stille an der Bode.