Staßfurt l „Am leistungsfähigsten ist ein Hund im Alter um die fünf Jahre“, sagt Thomas Hänsch. Passt also, was sein sportlicher Henry da in Möhlau hingelegt hat. Henry vom Campus, so sein kompletter Name, ist „Universalsieger“ beim Landesgruppenausscheid Sachsen-Anhalt des Vereins Deutsche Schäferhunde geworden. Das heißt 272 Punkte von 300 möglichen hat Henry errungen. Im Dreikampf: Er hat eine gute Nase (Fährtenarbeit), absolutes Gehorsam (Unterordnung) und den Mut, einen Scheintäter zu stellen (Schutzdienst).

Die Lorbeeren will Thomas Hänsch aber verteilt wissen. „Hundesport ist ein Teamsport“, erklärt er. Da ist zum einen das Duett von Hund und Herrchen. Zum erfolgreichen Zusammenspiel gehören aber auch Trainingspartner, die auf korrekte Körperhaltung und -sprache, sowohl beim Zwei- als auch beim Vierbeiner achten.

Die Ohren angelegt

„Und nicht zuletzt auch auf den richtigen Ton des Kommando-Gebers kommt es an“, ergänzt der Hundefreund, „Man hat schließlich nur eine Chance im Wettbewerb.“

Die Ausbildungsmethoden haben sich übrigens in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend geändert. „Sie sind freudbetonter geworden ohne Bestrafung. Gewaltfrei eben“, sagt der Sportfreund. Er weiß, dass es nichts bringt, wenn der Hund beim Wettkampf die Ohren anlegt, den Kopf abduckt oder gar die Rute klemmt. „Dann bricht der Leistungsrichter den Wettbewerb sofort ab.“

Thomas Hänsch ist froh, bei der Ortsgruppe Nachterstedt auch die richtigen Trainingspartner gefunden zu haben, neben seiner Frau Irene natürlich. Denn die hat es 2013 mit „Zimba vom schönen Trappenberg“ immerhin schonmal zum Bundesausscheid geschafft. „Das war eine Ausnahme“, gibt „Frauchen“ zu. Und ihr Mann erklärt: „Das ist für mich schon zeitlich nicht machbar als Angestellter, der zwölf Stunden am Tag im Raum Braunschweig unterwegs ist.“ Auf höherer Ebene würde schließlich auch noch die finanzielle Seite eine wichtige Rolle spielen.

Ein Familienmitglied

Dennoch, den größten Teil seiner Freizeit widmet der 52-Jährige dem Hundesport. „Das Leben wäre ohne Hundesport unvorstellbar. Ich hatte schon als Kind einen Schäferhund“, erzählt Hänsch. Dann, vor 20 Jahren mit einem eigenen Haus, sei die „Zeit wieder reif“ gewesen für einen Hund.

Seit dem gingen schon einige vierbeinige Sportfreunde durch die „Schule“ der Hänschs. Da habe es solche und solche gegeben. „Die ohne Spieltrieb haben wir abgegeben – natürlich in liebevolle Hände“, sagt Thomas Hänsch, „Es heißt ja nicht, dass so ein Hund kein gutes Familienmitglied werden kann, wenn er sich für den Sport nicht eignet.“

„Ich kann Henry jedenfalls überall mit hinnehmen“, so der Hundefreund, „Ob in den Urlaub oder ins Café.“

Nicht respektlos sein

Dennoch: Fragen sollte man den Hundehalter schon, ob der Langstockhaar angefasst werden darf. „Das möchte man ja als Mensch auch nicht ungefragt“, stellt Thomas Hänsch fest. Zum grundlegenden Benehmen eines Hundehalters gehöre unterdessen, dass der die Leinenpflicht mit seinem Vierbeiner einhält. „Wer das nicht macht, ist einfach respektlos gegenüber anderen Menschen und Tieren“, so der Sportfreund. Es gebe eben leider auch unter Zweibeinern „,blöde Hunde‘, denen man gar nichts beibringen kann“.

Hundefreund Thomas ist mit sich und seinem Henry im Reinen. „Wir haben unser Ziel erreicht. Mehr ist nicht drin.“ Und das Duo hätte sogar die Chance, den Titel als „Universalsieger“ zu bestätigen. Kürzlich konnten sich beide für den Landesgruppenausscheid 2019 qualifizieren.

Derweil werden ihn Besucher des „Kreativzentrums im Moore e.V.“ auch ab und zu in Aktion erleben können. Zusammen mit der dreijährigen „Easy vom Strandsolbad“ – auch aus dem Hause Hänsch. Der „Kinderhund“ und Henry sind Bestandteil des Projekts „Mein Freund, der Hund“, das Irene Hänsch bereits schon viele Jahre auf dem Gelände des KIM im Güstener Weg begleitet. Dabei wird Kindern der richtige Umgang mit den Vierbeinern vermittelt.

Nur mit Deckschein

Easy ist übrigens die Tochter von Zimba, der Schäferhündin mit Bundesausscheid-Erfahrung. Das klingt nun etwas nach einer Hundezucht. Doch darin ist sich das Ehepaar Hänsch einig: Züchten wollen wir nicht. Das sei ein zu hoher Aufwand, zeitlich, wie finanziell. Das fange nämlich beim nötigen Deckschein vom Verband an, setze sich mit einem teuer zu bezahlenden Fortpflanzungsakt fort und hört mit Impfungen, Chippen und Besuchen von Identbeauftragten, Zuchtwart, Tierarzt... nicht auf.

„Es soll einfach ein bezahlbares Hobby bleiben“, wiederholt sich Thomas Hänsch zu diesem Thema gern. Es geht ihm wohl eher um ein gutes Gefühl, zwischen Mensch und Tier. Und sicher auch um ein gutes Fingerspitzengefühl, wenn es um sportliche Leistungen geht. Denn immerhin habe er es geschafft, seinen vierbeinigen Partner – wie ein Trainer seinen Leistungssportler – punktgenau zum Wettkampf auf das gewünschte Level zu bringen.