Staßfurt l Dass das Tor aufgeht und die großen Fahrzeuge ein- und ausfahren, ist der ganz normale Alltag für Anwohner, die direkt neben dem Gelände der Ciech Soda in Staßfurt wohnen. Immer wieder werden die Container dort mit Holzpaletten gefüllt. Und wenn die Container voll sind, dann werden sie eben geleert. Dann geht das Spiel von vorn los.

Anwohner in Sorge

In den vergangenen Tagen beobachteten die Anwohner aber, dass sich das Holz mehr als sonst gestapelt hat. So stört das natürlich niemanden. Aber: „Weil ja in Staßfurt offensichtlich Brandstifter herumlaufen, haben wir Angst, dass die offen liegenden Holzpaletten angezündet werden und die Flammen auf unser Grundstück übergreifen“, sagt die Frau, die lieber anonym bleiben will. Auch die Stelle, an der die Holzpaletten genau liegen, will sie lieber unerwähnt lassen. Sie will ja keine schlafenden Hunde wecken und Hinweise an potenzielle Täter geben.

Der Redaktion ist die Stelle bekannt. Von Ciech Soda war zu erfahren, wie die Abholung organisiert ist und ob es möglich ist, dass die Holzpaletten geräumt werden, um der Gefahr aus dem Weg zu gehen. Das Unternehmen teilte mit, dass an dieser Stelle immer wieder Paletten gelagert werden würden, die nicht mehr verwendet werden könnten. Wenn der Container voll ist, wird er zeitnah von einer Entsorgungsfirma abgeholt. Diesmal hätten tatsächlich mehr Paletten als normal an dieser Stelle gelegen. Es wurde zugesichert, dass der Container sehr zeitnah geleert wird.

Generell freut sich das Unternehmen auch über Hinweise, wenn ungewöhnliche Dinge auf ihrem Betriebsgelände passieren. Denn dann würde es sich um Einbruch handeln. Und das mag auch Ciech Soda genauso wenig wie jeder andere auch. Derzeit gebe es aber keinen Hinweis darauf.

Sicherheitsabstand nicht vorgeschrieben

Bestimmungen, beispielsweise, wie weit so ein Lager von einem Nachbargrundstück entfernt sein muss, ist derweil eine innerbetriebliche Angelegenheit. Tobias Schumann ist ehrenamtlicher Stadtwehrleiter der Stadt Staßfurt und im Betrieb seines Arbeitgebers Brandschutzbeauftragter. Er erklärt, dass in entsprechenden Firmen nach einer Gefährdungsbeurteilung eine Sicherheitsbetrachtung erfolge, um vorbeugenden Brandschutz zu praktizieren. Gesetzliche Bestimmungen gebe es zum Beispiel in Sachen Sicherheitsabstand nicht. „Jeder Betrieb legt fest, was gefährlich ist“, so Schumann.

Privat sehe das noch etwas anders aus. Da könne höchstens der Versicherer des Nachbarn kommen und auf mögliches Gefährdungspotenzial aufmerksam machen.

Die Kameraden der Staßfurter Feuerwehr sind derweil froh, dass sich die Lage an der „Feuerfront“ beruhigt hat. Gerade angesichts der derzeitigen Hitzewelle. „Toi-toi-toi!!!“ unterstreicht der Stadtwehrleiter und hofft, dass das so bleibt.

Unterdessen hat die Kripo die Ermittlungen zu den großen Bränden in jüngster Vergangenheit in Staßfurt nicht abgeschlossen, bestätigt Marco Kopitz, Pressesprecher beim Salzland-Revier. Bei dem im Mai in Magdeburg vor Gericht stehenden Mann hatte sich herausgestellt, dass der Tatverdächtige doch nicht für alle Brände in Staßfurt verantwortlich gemacht werden konnte, auch wenn er angab, sie gelegt zu haben.

Die beiden Jugendlichen, die im Fall des Werkhallenbrands an der Industriestraße vorigen Sommer als Verdächtige in Betracht gekommen waren, seien nicht mehr auffällig geworden.

Keine Brandstiftungen zur Zeit

„Die Ermittlungen laufen weiter, auch wenn es in letzter Zeit relativ ruhig geworden ist“, versichert Kopitz. „Sollte etwas aufflackern – was wir nicht hoffen – haben wir unsere Dinge in petto.“ Die Einsatzkräfte seien angewiesen, auch bei kleinsten Bränden die Kripo zu informieren. Die Spezialisten würden bestimmte Muster kennen, an denen sich was ablesen lasse, sagt der Pressesprecher, ohne auf Details einzugehen.

Hilfreich und vorbeugend wäre auf jeden Fall auch, dass Bürger dem Ordnungsamt Hinweise geben, wenn sich im öffentlichen Raum potenzielle Brandherde auftun, die niemand brauche.