Staßfurt l „Ich habe mich in alte Häuser verliebt“, bekennt Thomas Wagner. Und ihnen zu neuem Leben zu verhelfen, geht er aktiv an. Nicht nur am Telefon bei der Firmensuche, sondern bis zur Vollendung mit den eigenen Händen.

„An der Fassade habe ich die alte Farbe von den Backsteinen abgebeizt, sie gereinigt, verfugt, endversiegelt, die anderen Flächen neu gestrichen“, zeigt der 53-Jährige stolz auf das schmucke Haus am Prinzenberg. Auch der Erneuerung der filigranen Stuck- und anderen Schmuckelemente hat er sich angenommen. Alles unter der Aufsicht des Denkmalschutzes.

Haus erhalten statt Zufahrt

Dabei habe er die Tage nicht gezählt, an denen er sich „von Sieben bis Sieben“ auf der Rüstung quälte. Etwa ein Jahr hat die gesamte Rettungsaktion gedauert. So kann man das wohl getrost beschreiben, wenn ein Haus so marode ist, dass es sogar schonmal auf der Abrissliste stand. Ein anderer Investor wollte an dieser Stelle des Prinzenbergs eine Zufahrt zum ehemaligen SB-Markt schaffen, um das ganze Quartier zu revitalisieren.

Diese Pläne sind vom Tisch. Zum Glück für das Gründerzeithaus von 1901 – und auch das Nachbargebäude, ja für die gesamte Häuserzeile in der Straße, die nunmehr komplett bleiben kann. Das zweite Gebäude, welches Wagner erworben und ebenfalls modernisiert hat, sei übrigens der letzte DDR-Neubau in Staßfurt gewesen. Eine Motivation die 600.000-Euro-Gesamtinvestition zu wagen, war für den gelernten Elektriker auch, dass ihm der Zustand des Hinterlands nicht gefiel. Hier entstanden Parkplätze für die Mieter und Gewerbetreibenden im Haus.

Einer, der dieses Engagement sehr zu würdigen weiß, ist der Oberbürgermeister. „Das kann gern Schule machen“, so Sven Wagner. Auf Anhieb fällt ihm dabei der Holzmarkt 1 ein. „Das wäre ein Hauptgewinn für unsere Innenstadt.“

Höflich anfragen

Es gäbe noch zahlreiche andere prägende Gebäude in Staßfurt, die auf eine Wiederbelebung warten. Die meisten befinden sich in Privatbesitz. Bei vielen tut sich seit Jahren nichts hinsichtlich der Verbesserung der Bausubstanz. „Uns sind leider die Hände gebunden“, bemerkt der OB auf die Frage, ob die Stadt keine Auflagen erteilen könne bei Besitzerwechseln. Lediglich im Rahmen der Gefahrenabwehr könne man aktiv werden. Soll es um mehr gehen, „können wir immer wieder nur höflich anfragen und darum bitten, etwas zu tun“, so Sven Wagner.

Ginge es nach dem „Hobby“ seines Namensvetters, würde dieser am liebsten alle alten Häuser in der Stadt wieder auf Vordermann bringen, was natürlich utopisch ist. Immerhin hat er in Erfahrung gebracht, dass Staßfurt 301 Einzeldenkmale hat.