Löderburg l Als die Worte „mindestens 30 Mbit pro Sekunde“ fallen, können die 40 Gäste am Löderburger See nur lachen. Keiner, der zur Inforunde des Internetanbieters GlasCom am Mittwoch gekommen war, hat je zuhause mit dieser Geschwindigkeit (die hier als Mindest-Standard genannt wird) gesurft. „Ich erreiche gerade mal 3 bis 4 Mbit/s, wenn ein Gerät online ist“, sagt Thomas Herzog aus Löderburg. Wenn mehrere Personen in seinem Haushalt ins Netz wollen oder er Sendungen und Onlineseminare schauen will, kollabiert alles.

Das Interesse an schnellem Internet in Löderburg ist groß, der Frust ebenso. Denn der Ort ist „ein Sonderfall“, wie Christian Schüler von der Stadtverwaltung bei der Runde sagt. Dabei hatte der Bund großartig versprochen, dass in Zukunft ganz Deutschland schnell surft. In ganz Sachsen-Anhalt werden zur Zeit schnelle Leitungen verbuddelt und in Löderburg verlegt die GlasCom, ein Internetanbieter aus Brumby, gerade Glasfaserkabel, bezuschusst durch Fördergelder.

Glasfaser nur um Ortskern herum

Aber die GlasCom schließt nur Haushalte an, die um den Ortskern herum liegen. Bis Mitte Juni hatte sie sich zu 211 von 1497 Haushalten insgesamt in Löderburg vorgearbeitet. Zwischen Karlstraße und Staßfurter Straße bleibt aber ein „weißer Fleck“.

Denn die große Breitband-initiative in Sachsen-Anhalt und das entsprechende Projekt im Salzlandkreis haben Tücken: Es fließen nur Fördergelder in Bereiche, wo weniger als 30 Mbit/s anliegen (das trifft hier zu) und kein Telekommunikationsunternehmen in den nächsten Jahren schnelle Leitungen verlegen will.

Für den Ortskern von Löderburg hatte aber ein Unternehmen angemeldet, dass es dort selbst ausbauen wird, in Eigenregie und ohne Fördermittel. In solchen Fällen gibt es keine Förderung.

Die Mitarbeiterin des Salzlandkreises konnte auf die Frage der Löderburger, welches Unternehmen das sei, nur sagen „ein bekanntes deutsches Telekommunikationsunternehmen.“ Auf die Frage, wann es denn endlich soweit ist, hieß es „in den nächsten Jahren“.

Der Haken am Internetausbau

Tatsächlich ist das der Haken an der Sache. Der Salzlandkreis hat wie alle Kommunen im Land Sachsen-Anhalt vor der großen Breitbandinitiative die Internet-anbieter angefragt, wie ihre Pläne für die nächsten Jahre aussehen. „In dem Fall bedeutet das, in den nächsten drei Jahren. Wir gehen davon aus, dass diese Versprechen auch eingehalten werden“, erklärt Theo Struhkamp vom Wirtschaftsministerium auf Nachfrage der Volksstimme. Allerdings: „Darüber gibt es keine Verträge. Wir können die Unternehmen nicht zum Eigenausbau verpflichten.“

Das heißt also, es gibt nichts Schriftliches, dass die Telekom wirklich in den nächsten drei Jahren den Löderburger Ortskern anschließen wird. Die Betroffenen haben nichts, wonach sie sich richten könnten.

Auch Friedrich Hülsenbeck, Geschäftsführer der GlasCom, die die Runde in Löderburg organisiert hatte, sagt: „Das ist tatsächlich eine Schwäche des vorgelagerten Verfahrens.“ Besser wären verbindliche Termine und Zusagen der Telekommunikationsanbieter gewesen. „Das ist für Sie natürlich vollkommen unbefriedigend“, bestätigt er den Löderburgern.

Lösung möglich, aber nicht sicher

Er macht eine Lösung für den Ortskern auf: „Wir könnten Sie mitanschließen, wenn sich genug Interessenten finden.“ Und: „Dann kann ich Ihnen einen Glasfaseranschluss für 100 Euro anbieten.“ Denn die GlasCom baut jetzt sowieso ein Netz in Löderburg auf. Im Fall der Drachenschwanzstraße und Teilen der Breiten Straße hat man diese Sonderlösung mit einigen Anwohnern schon verabredet. Da die GlasCom aber eben keine Förderung für den Ortskern erhält, müssen genug Neukunden zusammenkommen, damit es sich lohnt.

Wie viele „genug“ sind, kann Hülsenbeck nicht sagen. Fakt ist auch: Der Ortskern könnte erst ab 2020 an der Reihe sein, weil es für die anderen Bereiche Fristen gibt. Der Ausbau einer Straße kann manchmal vom Ausbau anderer Straßen abhängig sein, wegen des Leitungsverlaufs.

Man hat sich bei der Runde darauf geeinigt, dass sich Interessierte aus dem Ortskern bis September, aber je schneller umso besser, bei der GlasCom melden sollen. Bei Mietern muss sich der Hauseigentümer kümmern. Christian Schüler von der Stadt empfiehlt, diese Alternative im Ort bekannt zumachen und „Mitstreiter“ zu suchen.