Volksstimme: Frau Meissner, erneut kommen Sie gleich für zwei Termine nach Staßfurt. Das Publikum liebt Sie anscheinend. Haben Sie mittlerweile schon einen Lieblingsplatz in der Stadt?

Tatjana Meissner: Einen Lieblingsplatz? Das ist natürlich das Theater (lacht). Staßfurt ist ein ganz tolles Publikum. Zudem verbindet mich mit der Stadt etwas ganz Besonderes. Vor zwei oder drei Jahren hatte ein ostdeutscher Fanclub in Staßfurt sein erstes Treffen und hat mir auf der Bühne einen Pokal überreicht. Da war ich zu Tränen gerührt.

Hat der Pokal einen besonderen Platz?

Klar. Der steht im Schrank.

Gerade wurde Ihr fünftes Buch „Die pure Hormonie“ veröffentlicht. Da geht es auch um einen sehnlichsten „Omawunsch“ der Protagonistin. Wieviel echte Tatjana Meissner steckt eigentlich in der Tatjana Meissner im Buch?

Natürlich sind die Charaktere überspitzt, auch auf der Bühne. Aber ich würde sagen, dass 60 Prozent wirklich erlebte Sachen sind. Der Rest ist Fiktion.

Sie wollen also tatsächlich Oma werden?

Schon lange. Unbedingt. All meine Bekannten und Freunde erzählen, wie schön das ist. Aber meine Tochter ziert sich noch.

Hat Ihre Tochter es Ihnen übel genommen, dass Sie so viel Privates auch von ihr preisgeben?

Nein. Wir haben viel darüber gesprochen. Sie hat ja auch das komplette Manuskript vor der Veröffentlichung gelesen. Meine ganze Familie hat es vorher gelesen, das mache ich immer so. Meine Tochter wusste also, was sie erwartet (lacht). Und natürlich ist das auch übersteigert.

Wie recherchieren Sie Ihre Themen?

Ich beobachte mich selbst sehr viel, ich lese viel. Tageszeitungen aber auch populärwissenschaftliche Bücher. Ich will ja auf der Bühne keinen Quatsch erzählen. Auch im Internet recherchiere ich sehr viel, am liebsten lese ich die Seite „Wissenschaft und Forschung“. Das denkt man manchmal vielleicht gar nicht.

Was erwartet die Zuschauer denn in Staßfurt beim Programm zum Buch?

Da geht es um die Gedanken, die ich mir auf den Weg zum Buch gemacht habe.

Wie darf man das neue Programm bewerten? Ist das genauso frech und frivol wie früher?

Ich habe das Gefühl, dass ich langsam ruhiger werde. Es kommt nicht viel Neues. Beim Sex habe ich alles erlebt. Aber die Leute erwarten dieses Thema bei mir. Es ist immer noch ein Tabubruch. Und darüber Witze zu machen, ist lustig. Besonders im Privaten sind wir Menschen sehr verklemmt, was also die Beziehung zwischen Mann und Frau oder Mann und Mann angeht.

Haben wir alle einen Schutzpanzer? Warum ist das so?

Meine Generation ist ja die 40+. Und da spielen Erziehung und Christentum eine große Rolle. Man will den Partner nicht verletzen und ihm sagen, dass der Sex nicht so schön war. Man ist peinlich berührt, ihm zu sagen: ,Lass uns doch mal einen Porno gucken‘. Aber auch der Stress des Alltags sorgt vielleicht dafür, dass der Sex nicht so entspannt läuft.

Hat sich die Generation danach unter 30 verändert? Ist die im Privaten offener?

Wenn ich mir so die Freunde meiner Tocher anschaue, dann scheinen die schon lockerer zu sein, aber ich kann ja nicht in deren Schlafzimmer gucken. Darüber kann ich mir also kein Urteil erlauben.

Es gibt nur noch Resttickets in Staßfurt ...

Ja, es läuft gut, oder? Ich freu mich auf Staßfurt und dass der Vorverkauf so gut läuft.