Brumby l „Die Menschen, die hier Halt machen, sind ganz unterschiedlich“, sagt Heinz Köhlitz. „Manche wollen einfach nur einen Moment für sich sein. Manche kommen, um zu beten. Andere erzählen von ihrer Fahrt. Viele staunen über die wunderschöne Ausgestaltung der Kirche.“ Der Brumbyer versucht allen Anliegen gerecht zu werden. Ganz zurückhaltend, er ist einfach da und beantwortet – wenn gewünscht – gerne Fragen. Jeden Tag schließt der 73-Jährige die Petrikirche auf, „spätestens um 8 Uhr“, sagt er, und abends auch wieder zu. Manchmal hat er auf dem Kirchhof zu tun, manchmal ist er in der Kirche. Oft sitzt er auf der Bank, draußen im Grünen. „Das ist mein Lieblingsplatz hier“, sagt Heinz Köhlitz. Dann erlebt der Brumbyer auch, dass Menschen, die unterwegs sind, St. Petri suchen und auf ihre ganz eigene Art und Weise erleben.

Das Gotteshaus ist eine offene Kirche, bereits seit den 1990er Jahren. Seit zehn Jahren stehen die Türen in besonderer Weise weit auf. 1996 wurde die Brumbyer Kirche Autobahnkirche an der A 14. Die Gemeinde ist damit auch eine Verpflichtung eingegangen, nämlich dass Reisende tagsüber einen Ort der Stille finden. Es braucht Engagierte, damit das gelingt. Und wenn es nur jemand mit der „Schlüsselverantwortung“ ist. Heinz Köhlitz hat diese Aufgabe gern übernommen, sagt er. St. Petri ist „seine Kirche“. Hier wurde der Senior getauft, hier feierte er Konfirmation, hier wirkt er seit Jahren verantwortungsvoll im Gemeindekirchenrat. Dass er den Titel „Autobahnkirche“ lebt, sei einfach selbstverständlich. „Weil es gut es, dass es diese Kirchen gibt.“ Sein ehrenamtlicher Dienst hat ihn selbst auch ein bisschen neugierig gemacht, wenn er mit dem Auto unterwegs ist. Früher habe er sich keine Gedanken gemacht, was Hinweisschilder an den Schnellstraßen bedeuten, sagt er. „Heute halte ich an, wenn ich ein Hinweisschild sehe und schreibe auch in das Anliegenbuch, das in den Kirchen wie in Brumby ausliegt. Ein Gruß von einer zur anderen Autobahnkirche.“ Pfarrer i. R. Gottfried Eggebrecht, der als hauptamtlicher Seelsorger das Projekt mit angeschoben hat, und der jetzt amtierende Pfarrer Jürgen Kohtz dankten während der Andacht Heinz Köhlitz für seinen Einsatz. „Viele haben sich Gedanken gemacht, wie das funktionieren könnte. Viele haben sich darum gekümmert, dass die baulichen Voraussetzungen stimmen“, sagt Gottfried Eggebrecht. Die Vorbereitungen seien lang und manchmal schwierig gewesen. „Doch was nützt das alles, wenn es nicht Menschen gibt, die jeden Tag hier sind und Räume öffnen.“

In seiner Predigt greift Pfarrer Jürgen Kohtz das auf. Die Andacht zelebriere gewissermaßen einen Moment, den viele Gäste in der Kirche erleben würden. „Menschen kommen her, richten den Blick auf die Bilder, atmen die Stille ein, verlangsamen ihren Herzschlag und finden Ruhe.“ Wer in der Autobahnkirche strande, der komme aus einem ganz besonderen Spannungsfeld heraus. Da sind Fahren und Bewegtsein, verbunden mit festen Orten und gesetzten Terminen. Oft wie ein Korsett. Und dann wiederum auch Vertrauen, dass alles gut gehe mit Autotechnik und anderen Verkehrsteilnehmern. Immer wieder brauche das Auf- machen dann aber Momente der Reflexion, ob das Leben die richtigen Schritte lenke. Christen wissen dabei um die Begleitung Gottes, so Pfarrer Kohtz. Eine Autobahnkirche sei Ort dafür. „Sie bietet Raum für ein Innehalten, um den Kosmos des Daseins aus einem neuen Blickwinkel zu erleben.“

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Heinz Köhlitz hofft, dass noch viele das erleben. Dafür öffnet er jeden Tag die Türen. „Den Schlüssel einfach abgeben, das könnte ich nicht.“