Gänsefurth l Dreimal tausend Millionen Flaschen Mineralwasser sind in den vergangenen 28 Jahren, seitdem der Schlossbrunnen zum Bielefelder Unternehmen Mineralquellen Wüllner gehört, vom Band gelaufen. Die Maschinen einer Anlage in den Hallen des Gänsefurther Schlossbrunnens ratterten für kurze Zeit ausnahmsweise etwas langsamer und leiser als sonst. Im Normalfall düsen die Flaschen im Eiltempo an einem vorbei, wenn hier vor allem jetzt im Sommer Tag und Nacht abgefüllt wird. Die Zeitlupenfahrt hatte einen Grund. Es wurde auf eine ganz besondere Flasche gewartet. Sie stach heraus, hob sich von ihren „Geschwistern“ auf dem Fließband ab und die Ankündigung, dass sie gleich zu sehen ist, wurde mit einem symbolischen Knopfdruck vollzogen.

Der Riesendrücker leuchtete rot und das heiß erwartete Schmuckstück machte es weiter spannend. Medienvertreter warteten und dann konnte Produktionsleiter Heiko Amelungsen das silberfarbene Glasunikat noch bevor ein Etikett drauf kam kurzzeitig aus der Abfüllriege herausnehmen. Und der Anlass seiner Präsentation zieht eine Zahl mit sich, die ausgeschrieben neun Nullen hinten dran hat und mit drei multipliziert zu dem Ergebnis kommt, das Anlass für den großen Wirbel war.

Denn der Gänsefurther Schlossbrunnen konnte gestern von 1991 an – seitdem gehört das Unternehmen zur Bielefelder Wüllner-Gruppe – seine dreimilliardste Mineralwasserflasche abfüllen.

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Und diese präsentierte sich in einer kleinen geschwungenen Form. Dieses Aussehen hat der Designer Luigi Colani den 0,25 Gastro-Glasmehrwegflaschen des Unternehmens – die auch heute auf den Tischen in Restaurants und Gaststätten stehen – schon 1997 gegeben.

Gänsefurther und Colani

Damals soll der aus Bielefeld stammende Inhaber des Unternehmens den Designer gekannt haben. Der Geschäftsführer der Schlossbrunnen Wüllner GmbH & Co. KG Swen Hesse erinnert sich, dass es damals ein „Gespräch über den Gartenzaun“ gegeben haben muss, das dazu führte, dass Colani sich was einfallen ließ. Er entwarf damals auch einen Truck für Gänsefurther.

Doch um den Lkw ging es gestern nicht. Die Flaschenzahl mit den vielen Nullen war für geladene Gäste aus Politik und Wirtschaft Anlass, dem Unternehmen zu danken.

Sehr zur Freude von Geschäftsführer Swen Hesse. Er sieht seine Firma als „bodenständigen Betrieb“. Auch das werde mit der dreimilliardsten Abfüllung deutlich. Das dokumentiere die lange Tradition und Beliebtheit des Brunnens. Hesse erklärte, dass die Flasche auf der im letzten Jahr neu angeschafften Glasmehrweganlage vom Band lief, die rund 25 Prozent Strom und Wasser spart.

Insgesamt werden am Standort in Gänsefurth pro Tag darauf 400 000 Flaschen produziert. Zwei weitere Anlagen sind im Einsatz. Insgesamt laufen pro Tag derzeit rund eine Millionen Flaschen vom Band. Hochgerechnet, spricht der Firmenchef von 150 Millionen Füllungen im Jahr. Zehn Prozent davon machen die 0,25 ml Gourmet-Flaschen von Colani aus.

Darauf angesprochen, wohin der Verbraucher-Trend im Moment geht, konnte er mit Sicherheit bestätigen, dass immer mehr Kunden wieder zur Glasmehrwegflasche greifen. „Hier liegen wir im zweistelligen Plus“, so Hesse.

100 Mitarbeiter

Er richtete gleichfalls dankende Worte an die Belegschaft - 100 Mitarbeiter sind am Standort beschäftigt - sowie die Inhaber der Firma in Bielefeld. Sie waren mit vor Ort. Heike Wüllner: „Was hier in den letzten Jahren für die Region geschafft wurde, ist beachtlich.“ Sie lobte den großen Einsatz der Menschen vor Ort und das „tolle Engagement.“

Der Bürgermeister der Stadt Hecklingen Uwe Epperlein (WGH) ging nicht ohne Stolz auf die Bedeutung des Unternehmens für die Kommune ein. Seine Wichtigkeit sei enorm. Das begründe sich schon allein in den Arbeitsplätzen, die geschaffen werden, nicht für die Kommune, sondern für die ganze Region, so Epperlein.