Staßfurt l Jugendbeirats-Chef Lukas Tran ist ziemlich enttäuscht. Nur eine Schule zeigte Interesse an der U-18-Wahl, bei der dieses Mal die Europawahl simuliert wird.

„Dabei haben wir extra das Wahllokal im Jugend- und Bürgerhaus in Staßfurt-Nord eingerichtet, weil sich hier im Wohngebiet drei Schulen befinden“, weiß auch Stadtjugendpflegerin Jessica Krengel-Lienau nicht mehr, wie man die jungen Leute noch an die „Wahlurne zum Üben“ locken kann. Vor zwei Jahren bei der Landtagswahl war das Wahllokal im Rathaus in der Steinstraße eingerichtet. Aber auch da hatte sich die Beteiligung mit 23 Wählern in Grenzen gehalten.

Sehr ernüchternd

„Die Themen Europa und Wahlen kommen doch auch im Unterricht dran“, will sich Lukas einfach nicht mit der Einstellung der Schulen anfreunden. Mit solchen Angeboten wie der U-18-Wahl könnte der Unterricht doch weniger trocken gestaltet werden. „Sehr ernüchternd“, stellt der Beiratsvorsitzende fest. Man freue sich aber über jeden, der da war. Ob es noch einmal eine U-18-Wahl geben wird? „Wahrscheinlich nicht“, meint Lukas Tran.

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Enttäuscht ist Jessica Krengel-Lienau auch von Eltern. Denn an der Wahl könnten selbst Kinder schon teilnehmen – alle bis 18 Jahre, um genauer zu sein. „Die Kinder kommen doch selbst noch nicht auf die Idee, dieses Angebot anzunehmen“, so die Mitarbeiterin der Stadt. Aber hier hätten sie schonmal üben können.

Das sei auch das Ziel dieser Aktion, nämlich Kinder und Jugendliche an solche demokratischen Wahlverfahren heranzuführen – zu zeigen, so funktioniert‘s. Die Ergebnisse seien hier eher nebensächlich und keinesfalls repräsentativ.

Wahlen im Unterricht

Immerhin waren aber Wähler von Westeregeln bis Glöthe in Staßfurt-Nord, sogar von Aschersleben und Magdeburg.

Vielleicht bauen Beispiele wie Vivian Heger die Organisatoren etwas auf. Sie gehört zu den 16 Wählern aus der Pestalozzischule, wo die Wahlen im Unterricht und bei einem Projekt behandelt wurden. „Ich habe mitgemacht, weil es mich interessiert“, erklärt die 16-Jährige, die auch am Sonntag wählen gehen will. Die Teilnahme an Kommunalwahlen – sie finden neben den Europawahlen statt – sind nämlich ab 16 möglich. Eine Premiere also für Vivian, die übrigens meint, wenn alle zur Wahl gehen würden, die dürfen, könnten sie politisch auch was bewegen.

Ganz umsonst verbrachten Jessica Krengel-Lienau und Lukas Tran den Freitag nun auch nicht im Übungs-Wahllokal, denn die beiden sind auch als Wahlhelfer im Einsatz, wenn es „ernst“ wird, am Sonntag, 26. Mai.

Und wenn es den Jugendbeirat vielleicht tröstet: In 39 Wahllokalen im Land Sachsen-Anhalt fanden auch nur insgesamt rund 2000 Wähler den Weg an die Wahlurnen.

Von Mittwoch bis Freitag öffnet in dieser Woche ein U-18-Wahllokal noch im Staßfurter Gymnasium.