Staßfurt/Hohenerxleben l Selbst der Jugendbeirat (JBR) hat ein Nachwuchsproblem. Von derzeit neun Mitgliedern werden demnächst vier oder fünf Jugendliche die Stadt verlassen. Studium und Lehre rufen. Sieben Mitglieder benötigt das Gremium aber laut Satzung für eine Daseinsberechtigung.

Lukas Tran als Vorsitzender des Beirats erklärt, was (nur) dazu gehört, um dazuzugehören: „14 bis 25 Jahre müsste man sein und in Staßfurt oder einem der Ortsteile wohnen. Und natürlich müsste Der- oder Diejenige Lust haben, sich für jugendliche Interessen zu engagieren.“

Er selbst bedauert es, seine Mitarbeit aufgeben zu müssen, weil Lukas demnächst ein Studium für Erziehungswissenschaften und Psychologie in Halle beginnt. „Wenn ich wiederkomme in drei Jahren, mache ich vielleicht nochmal mit.“ Dann wäre er 23 Jahre.

Erster Jugendbeirat im Kreis

Immerhin ist der Staßfurter von Anfang an dabei, als der JBR vor vier Jahren ins Leben gerufen wurde. „Die Grundlagen sind bereitet, dass die Arbeit funktionieren kann“, ist sich Lukas sicher. Es wurden Satzung und Geschäftsordnung erarbeitet.

„Wir waren immerhin der erste Jugendbeirat im Salzlandkreis“, ist er auch etwas stolz darauf. „Wir haben Fragebögen erarbeitet, um zu erfahren, was die Jugend eigentlich vermisst und sind damit in die Schulen gegangen.“ Daraufhin gab‘s zum Beispiel Kinoangebote im Rahmen der Stadt-Kinder- und Jugendtage. Allerdings mit weniger Resonanz als erwartet. Das Gremium habe zudem eine Stellungnahme zum Jugend- und Entwicklungsplan der Stadt abgegeben, am Leitbild mitgearbeitet, U-18-Wahlen durchgeführt.

Offen sei noch das Ziel, besser mit dem Stadtrat und in den Ausschüssen desselben zusammenzuarbeiten.

Dem Chef des Beirats hat die Mitarbeit im Jugendbeirat vor allem Spaß gemacht, weil er Einblick in die Kommunalpolitik bekam. „Man lernt, Ideen umzusetzen. Das bringt einen in der persönlichen Entwicklung auch weiter. Man lernt zudem viele andere Jugendliche kennen.“ Das Gremium werde zudem nicht allein gelassen.

Gefördert wird es über das Programm „Demokratie leben“. Unter anderem konnte mit dessen Hilfe auch ein Jugendclubraum renoviert werden. Workshops, Ausflüge und Arbeitsgruppentreffs bei der Stadtjugendpflegerin gehören ebenfalls zum Arbeitskalender.

Stadtjugendpflegerin Jessica Krengel-Lienau kündigt an, verstärkt bei Instagram und Facebook zu werben, auch in die Schulen gehen zu wollen und für eine Mitarbeit im Beirat zu werben. Möglichst Schul- oder Klassensprecher. Auch wenn sie die Erfahrung gemacht hat, dass selbst Gymnasiasten schwer zu motivieren seien. „Die Jugendlichen sind begeistert von solchen Ideen, wie dem Jugend- und Freizeit-Platz, aber selbst mitmachen? – ...!“ Standort-Ideen für besagten Platz seien übrigens gekommen, aber mehr noch nicht.

Warum die jüngsten Hohenerxleber traurig sind

Wenn neue Mitglieder gefunden werden – spätestens im Oktober – wird auch die Wahl eines neuen Beiratsvorsitzenden anstehen.

Wenn Lukas Tran von Bord des Jugendbeirats geht, hat die Stadt Staßfurt noch ein weiteres Problem in der Nachwuchs-Abteilung. Er war nämlich zuletzt auch Leiter des Jugendclubs in Hohenerxleben. Wer seinen Job übernehmen möchte, melde sich ebenfalls bei der Stadtjugendpflegerin.

„Ausgerechnet jetzt, wo die Kinder immer mehr Gefallen am Jugendclub gefunden haben, muss ich gehen“, bedauert Lukas sehr, die jüngsten Hohenerxleber allein zu lassen. Wer das ändern will, gern mit ihnen Basketball oder Streetball spielt, Nudeln kocht oder Bongos bastelt, Kräutergärten anlegt... bitte melden!

Lukas ist sich sicher, dass sich sowohl dafür als auch für den Beirat Nachwuchs findet. Voller Hoffnung beendet er das Gespräch mit dem Motto des JBR: „Just do it!“ – Tu es jetzt!

Kontakt zur Stadtjugendpflegerin: jessica.krengel-lienau@stassfurt.de oder Tel. (03925)98 13 53.