Staßfurt l Der Himmel weinte. Stundenlang. Und hörte gar nicht auf. Nein, der Sonnabend war wettertechnisch kein schöner Tag. Es regnete und war unangenehm kühl für Mitte Mai (schönen Gruß von den Eisheiligen). Petrus hatte wohl selbst nie Jugendweihe. Er hätte sonst seine Himmelspforten geschlossen gehalten. Grund für schlechtes Wetter gab es ja auch kaum. Schließlich erlebten viele Jugendliche in Staßfurt, die mit der Jugendweihe den ersten Schritt ins Erwachsenenalter gegangen sind, einen der schönsten Tage im Leben. Am Sonnabend hieß es für die Achtklässler im Salzlandtheater: Bitte schön anziehen, lächeln und die Brust voller Stolz herausstrecken: Die Jugendweihe wird erteilt.

Gleich vier Schulen aus Staßfurt (Ganztags-Sekundarschule Am Tierpark, Förderschule Pestalozzi, Sekundarschule Förderstedt und Sekundarschule Hermann Kasten) plus die Förderschule „Am Park“ aus Wolmirsleben hatten ihre Durchläufe. Etwa 75 Jugendliche wurden geehrt. Dabei gab es ein festliches Rahmenprogramm. Neben den beiden Moderatorinnen sorgte das musikalische Duo „Sammy und Claudi“ für Support. Die Hauptdarsteller mussten zwar zu Beginn draußen warten, wurden aber dann unter dem Applaus von Familie und Freunde hereingeführt und gruppenweise nach oben auf die Bühne gebeten. Da fiel manchem Heranwachsenden das Lächeln zwar schwer, wenn der eigene Name in den Saal gerufen wurde. Wer will’s aber verdenken? Körperliche Anspannung ob der aufregenden Situation lässt die Gesichtsmuskeln erstarren.

Und bevor die Jugendlichen geehrt wurden, hielt Staßfurts Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) eine solidarische und empathische Rede. „Ich habe 1988 Jugendweihe gefeiert. Seitdem hat sich die Welt sehr verändert. Ich habe gedacht: Als Erwachsener hat man keine Probleme, die Schule nervt nicht mehr. Ich muss euch enttäuschen, die Probleme bleiben. Vor euch liegt ein Weg voller Abenteuer, jeder Einzelne von euch ist ein Wunder“, sagte er. Dazu zeigte Wagner ein Bild der eigenen Jugendweihe von 1988. Schwarz-weiß war es zwar, gelacht wurde in vollen Reihen trotzdem. Danach hielt Wagner ein Plädoyer für Menschlichkeit. „Setzt euch ein für Schwächere, seid solidarisch. Lächelt, wenn ein Lächeln helfen kann, seid tolerant. Das ist wichtiger denn je.“

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Party am Abend

„Das war eine sehr schöne Rede“, sagte Katrin Ilgenstein, die Sohn Lukas von der Ganztags-Sekundarschule Am Tierpark in Staßfurt in die weite Welt schickte. „Ich war aufgeregt und emotional ans Wasser gebunden.“ Sohn Lukas meinte nur lakonisch: „Heute Abend gibt’s eine Party.“ Ob er sich auf die Zukunft als (fast)Erwachsener freut, vermochte er nicht zu sagen. Margit Hoppe aus Klein Oschersleben schickte mit Tochter Victoria schon das dritte Kind zur Jugendweihe. Auch hier war die Meinung einhellig. „Jetzt gibt’s Party.“ Die Feier an sich fand die Mutti aber ein bisschen langweilig.

Die 14-jährige Lisa-Sophie Schmid von der Hermann Kasten Schule freute sich: „Ich werde heute Abend was mit meinen Freunden machen.“ Von Mama Sabrina bekam das Kind Ausgang. „Für mich war die Feierstunde aufregend, es war sehr schön. Nur die Rede war etwas zu lang“, sagte Sabrina Schmid. Dann stürzten auch die Schmids in den Regen. Der Himmel weinte immer noch. Einer großen Feier stand trotzdem nichts im Wege.