Volksstimme: Katastrophen sind zum Glück die Ausnahme. Ihre Aufgabengebiet ist aber sicher permanent höchst spannend?
Martina Lorenz
: Ja, langweilig wird auch der Alltag nie. Irgendwas ist immer. Die Kollegen der Integrierten Leitstelle disponieren immerhin rund 45.000 Rettungsdienst-Einsätze im Jahr. Außerdem 2500 bis 3000 Feuerwehreinsätze, deren Anzahl nicht zuletzt auch die Wetterlage bestimmt. Jährlich werden rund 90.000 Sachverhalte in der Leitstelle geklärt. Die reichen vom Notruf bis zur Auskunft über ärztliche Bereitschaftsdienste und zuständige Jagdpächter bei Wildunfällen.

Ab wann spricht man von einer Katastophe?
Unter anderem dann, wenn das Ausmaß eines Ereignisses so groß ist, dass die Gemeinden es mit den eigenen Kräften und Mitteln nicht beherrschen können, die Infrastruktur nicht mehr vorhanden ist und Hilfe außerhalb des Landkreises benötigt wird, zum Beispiel, wenn kein Durchkommen mehr ist wie beim Hochwasser an Elbe und Saale 2013. Das Unwetter 2011 im Raum Peißen/Könnern – so schlimm es für die betroffenen Bürger war – ist als Großschadenslage einzuordnen. Aufgrund der Erfahrung mit Führungsstrukturen im Einsatz unterstützt der Fachdienst auch in anderen Lagen, die keine Katastrophen und Großschadenslagen sind.

Was war das bisher prägendste Schadens-Ereignis für Sie?
Das war natürlich die Hochwasserkatastrophe 2013. Damals haben wir fünf Wochen in den Stabsräumen in der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Staßfurt verbracht. Die ersten vier Tage 16 bis 18 Stunden Dienst. Dann im 12-Stunden-Wechsel. Und das, während meine Eltern in Groß Rosenburg persönlich mit dem Hochwasser zu kämpfen hatten ...

Sie sind seit 2009 Sachgebietsleiterin, seit vier Jahren Fachdienstleiterin. Sie kennen damit das Staßfurter Schiff und seine „Kommandobrücke“ schon länger.
Ja, ich durfte die Tätigkeit im Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst in Staßfurt bereits 1996 das erste Mal kennenlernen, damals noch als Rettungssanitäterin und Leitstellendisponentin in Schönebeck. Im Laufe der Jahre habe ich viele Tätigkeiten im gesamten Fachdienst durchlaufen und mir dadurch ein umfangreiches Wissen angeeignet.

Die Leitung der „Kommandobrücke“ haben Sie ja nun zusätzlich kommissarisch inne, seit dem deren bisheriger „Kapitän“ zur Verwaltung der Verbandsgemeinde Saale-Wipper gewechselt ist.
Das stimmt und war für den Übergang die schnellste Lösung, da ich ja sowieso seit vier Jahren die Leitstelle in meinem Verantwortungsbereich habe.

Wie haben Sie sich seit September dieses Jahres in Staßfurt eingelebt?
Sehr gut. Sehr praktisch – denn hier sind alle drei Standorte, für die ich zuständig bin, inklusive Feuerwehrtechnische Zentrale (FTZ), nah beieinander. Und besser kann es doch gar nicht sein, wenn man den Kontakt zu den Kollegen persönlich hat, als nur per Telefon oder E-Mail. Zudem ist Staßfurt zentral gelegen im Salzlandkreis, also für die meisten günstiger zu erreichen, auch für mich ist der Arbeitsweg etwas kürzer. Außerdem habe ich Platz gemacht für die Kollegen in Bernburg.

Was gehört zu Ihrem eigentlichen Aufgabengebiet als Fachdienstleiterin?
Da wären der abwehrende Brandschutz zu nennen und der vorbeugende Brandschutz. Letzteres betrifft zum Beispiel turnusgemäße Kontrollen öffentlicher Gebäude und Unternehmen. Auch Kindertagesstätten und Pflegeheime werden von unseren Mitarbeitern diesbezüglich aufgesucht.

Fallen die Feuerwehren und der Rettungsdienst nicht auch in Ihr vielseitiges Betätigungsfeld?
Ja, zum Teil sogar ehrenamtlich. So führen Mitarbeiter des Fachdienstes Grund- und andere Lehrgänge in der FTZ für Kameraden der freiwilligen Feuerwehren durch. Für die Wehren sind die jeweiligen Gemeinden zuständig, für die FTZ und die Kreisausbildung der Landkreis. Im Rettungsdienst hat der Landkreis dafür zu sorgen, dass Hilfsfristen eingehalten werden. Dass beispielsweise die Notarzteinsatzwagen auf fünf Standorte im Salzlandkreis – Atzendorf, Schönebeck, Calbe, Bernburg und Aschersleben – so verteilt sind, dass sie spätestens nach 20 Minuten an Ort und Stelle sind. Die Rettungstransportwagen haben dafür zwölf Minuten. Den fünf verschiedenen Hilfsorganisationen, mit denen der Landkreis für den Rettungsdienst einen Konzessionsvertrag hat, stehen derzeit 24 Rettungswagen zur Verfügung. Die Konzessionen laufen übrigens bei uns über acht Jahre.

Wie kommen Sie als Chefin mit 43 Mitarbeitern zurecht, von denen etwa ein Drittel Männer sind?
Mein Chef hat mir mal gesagt, ich wäre manchmal zu nett. Aber es passt schon. Wir akzeptieren und respektieren uns gegenseitig und im Einsatz stehen meine Kollegen und Kolleginnen jederzeit zur Verfügung und stellen private Belange hinten an. Darauf kann ich mich verlassen.

Was können Sie für das kommende Jahr ankündigen?
Ab 1. Januar 2020 wird die Leitstelle des Salzlandkreises nicht mehr den Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst vermitteln. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt hat in Magdeburg eine Leitstelle aufgebaut, welche unter anderem dann den Bereitschaftsdienst vermittelt. Dieser Service ist unter der Rufnummer 116 117 für alle Bürger erreichbar. Spürbar ändert sich für die Bürger damit allerdings nichts. Daneben wird das DRK Bernburg im ersten Quartal einen neuen Schwerlast-Rettungswagen in Dienst stellen. Damit können stark übergewichtige Patienten transportiert werden. Das Fahrzeug wird über eine Zugvorrichtung und die Zulademöglichkeit eines Krankenhausbetts sowie einen Schwerlasttragestuhl verfügen.Da die Einsatzzahlen für den Schwerlast-Rettungswagen steigen, wird durch das neue Fahrzeug eine Verbesserung des Patiententransports und auch eine Entlastung des Rettungspersonals erfolgen.