Staßfurt l Immer wieder drehen sich die Füße von Frank Beucke im Kreis. Der Kegler vom SV Salzland Staßfurt sitzt auf dem Hometrainer in der Kegelhalle in der Charlottenstraße und guckt konzentriert ins Leere. Es ist ein Mittwochabend und bei den Keglern ist Training angesagt. Während es hinter der Glasscheibe rummst, wenn seine Vereinskollegen die Kugel auf die Bahn setzen, macht sich Beucke noch warm. Draußen fegt der kühle Herbstwind durch die Straßen. Drinnen herrscht aber gemütliche Betriebsamkeit. Kegeln hat in Staßfurt Tradition. Ganze Familien sind verwurzelt. Es gibt nicht mehr so viele Kegelvereine im Salzlandkreis. Und Staßfurt, ja, das ist ein Begriff.

Wie lange noch? Die Staßfurter bangen um ihre Heimatstätte. Fakt ist: Der Gastronom Chris Peterka hat seinen Mietvertrag mit dem Pächter SV Salzland zum Ende des Jahres gekündigt. Nur durch die monatlichen Einnahmen des Gastronoms konnten die Kegler bisher die Nebenkosten von bis zu 700 Euro pro Monat stemmen. Einen Nachfolger gibt es (noch) nicht. Und es ist auch keiner in Aussicht. Weil ohne die Miete durch den Gastronom die Kegler die Nebenkosten nicht stemmen können, hat auch der Verein seinen Pachtvertrag mit der Stadt Staßfurt zu Ende März 2020 gekündigt. „Wenn es keine Lösung gibt, müssen wir uns auflösen“, erklärt der Abteilungsvorsitzende Frank Beucke nüchtern und emotionslos. „Dann fahren wir Kegler für unseren Sport nach Borne oder Bernburg.“

50 Mitglieder hat die Abteilung, 30 davon sind aktiv. Die Männermannschaft spielt in der Landesliga Nord, immerhin die vierthöchste Liga bundesweit. Um über die Mitgliedsbeiträge die Betreibung der Halle zu finanzieren, wurden schon vor einem Jahr die Beiträge erhöht. Das wurde im Verein zähneknirschend aktepziert. Denn schon damals hatte Chris Peterka gekündigt. Man einigte sich finanziell, für ein Jahr ging es weiter. Statt 80 zahlen die Kegler nun 120 Euro im Jahr. Eine weitere Erhöhung kommt aber nicht in Frage. „Die absolute Schmerzgrenze ist erreicht“, sagt Frank Beucke. „Mehr geht eigentlich nicht. Vielleicht könnten wir den monatlichen Mitgliedsbeitrag von zehn auf zwölf Euro erhöhen. Aber ich weiß nicht, wer da noch mitzieht.“ Er befürchtet, dass einige den Verein verlassen.

500 Euro im Monat fehlen

Gern würden die Kegler in der Charlotttenstraße bleiben. Der traditionelle Standort mitten im Wohngebiet hat sich schließlich bewährt. Die Kegler kommen selbst für die Pflege der Bahnen auf, kümmern sich bei kleinen Sachen um den Erhalt innen und außen. Dafür braucht der SV Salzland keine Miete zahlen. Aber ohne Gastronom kann der kleine Verein nicht mal die Nebenkosten stemmen. Zwei Bewerber gab es informell für die Übernahme der Gaststätte. Konkret wurde es nicht, beides hat sich zerschlagen. Eine Möglichkeit wäre es natürlich, selbst Sponsoren zu akquirieren. Der SV Salzland befindet sich da in losen Gesprächen. „Wir versuchen über den Förderverein des Kreissportbundes etwas zu finden“, sagt die Vereinsvorsitzende Sigrid Hermanns. Aber auch Banken sowie Energieversorger sind dabei angesprochen wurden.

Im Endeffekt fehlen den Keglern etwa 500 Euro im Monat. 200 Euro zahlen sie selbst. Ein Zuschuss zwischen 8400 bis 9000 Euro im Jahr würde völlig reichen. Aber auch schon 6000 Euro könnten reichen, um zumindest nicht über den Verhältnissen zu wirtschaften.

Mit der Stadt Staßfurt hat es schon Gespräche gegeben. Natürlich will man auch im Rathaus nicht, dass der Kegelsport stirbt. „Wir unterstützen den Verein bei der Suche nach einem neuen Gastwirt“, sagt Ina Siebert, Fachdienstleiterin Schule, Jugend und Kultur. Könnte die Stadt den Zuschuss übernehmen? „Eine finanzielle Unterstützung ist schwierig“, meint Siebert. Derzeit gibt es eine Haushaltssperre. Sowieso ist die Finanzsituation nicht rosig. „Für eine Betriebskostenbeteiligung müsste ein neuer Vertrag her.“ Der alte würde das nämlich nicht regeln.

Vor einigen Jahren erst hat die Stadt Heizung und Fußböden erneuern lassen. Die Kegler selbst stecken immer wieder viele Stunden an Arbeit in den Unterhalt der Kegelhalle. Alles ehrenamtlich und in der Freizeit, das versteht sich von selbst.

Generell müsste ein Zuschuss vom Verein beantragt werden bei der Stadt. „Und dann müsste der Stadtrat darüber befinden“, so Siebert. Der müsste also entscheiden, ob er dem Zuschuss für die Kegler zustimmt. Das wird aber in diesem Jahr nicht mehr passieren. Im März endet aber schon der Vertrag mit der Stadt. Die Zeit drängt also. Es soll in den nächsten Wochen noch weitere Gespräche zwischen dem SV Salzland und der Stadt geben. Es braucht auf jeden Fall eine Perspektive.

Gastronom wollte schon 2018 raus

Im letzten Jahr konnten sich Gastronom Chris Peterka und der SV Salzland im letzten Moment noch einigen, der Vertrag wurde um ein Jahr verlängert. Es ist aber schwer vorstellbar, dass dieser sich noch einmal überreden lässt. „Es ist ein reines Reservierungsgeschäft. Es gibt keine Laufkundschaft“, sagt Peterka. Schon 2018 wollte er daher raus aus dem Vertrag. Man einigte sich darauf, dass die Miete fast halbiert wurde.

Für Peterka ist die gastronomische Betreuung der Kegelhalle nur ein Nebenerwerb. „Mein Hauptaugenmerk liegt auf dem Schnitzelhaus in der Förderstedter Straße“, sagt er. Das betreibt er ebenfalls. Problem ist eben auch: Wenn der Kegelsport im Sommer ruht, hat Chris Peterka auch keine Einnahmen durch die Gastronomie, weil die Halle geschlossen ist. „Eine dreimonatige Mietpause über den Sommer würde zum Beispiel helfen“, sagt er. Dann käme aber wiederum der Verein weiter in finanzielle Schieflage. So oder so: Es ist eine vertrackte Lage.

Der SV Salzland selbst ist sehr aktiv. Beucke telefonierte einige Gaststätten in der Region ab. „Die meisten sind aber froh, wenn sie selbst über die Runden kommen“, sagt er. Auch Personal fehle oft. Eine zweite Gaststätte will sich kaum einer ans Bein binden. „Ein neuer Gastronom hätte alle Freiheiten.“ Das klingt wie ein kleiner Hilferuf, aber eben auch wie ein lockendes Angebot.