Glöthe l Die Kita „Winnie Puuh“ in Glöthe ist die kleinste im ganzen Gebiet der Stadt Staßfurt. Fünf Kinder werden aktuell dort betreut. Die Geburtenzahlen für den Ort sehen auch nicht rosig aus. Im Durchschnitt wurden in den letzten Jahren ein bis vier Kinder in dem Dorf mit 584 Einwohnern geboren. Und für eine Sanierung der Einrichtung kann die Stadt auch keine Fördermittel bekommen, denn solche geringen Kinderzahlen reichen den Behörden nicht aus.

Bestand gesichert?

Daher ist die Sorge im Ort um den Bestand der Kita „Winnie Puuh“ nicht unberechtigt. Mario Pape aus Glöthe, selbst Vater, gibt die Unsicherheiten der Einwohner zum Thema wieder. Denn der neue Heimatverein Glöthe, dessen Vorsitzender er ist, engagiert sich auch gesellschaftlich für den Ort und tritt für Belange der Einwohner ein. „Was hat die Stadt mit der Kita in Zukunft vor?“, gibt er die Bedenken wieder. Was passiert, wenn die Übergangsphase – während der Bauarbeiten in der Kita Förderstedt sollen einige Kinder nach Glöthe ausweichen – vorbei ist? Wird die Einrichtung auch in den nächsten fünf Jahren Bestand haben?

„Im Moment ist die Diskussion der Schließung erstmal wieder vom Tisch“, weiß Mario Pape. Aber werden Stadt oder Kommunalpolitiker danach „wieder alles daran setzen, dass die Glöther Kita der Schließung zugeführt wird“, gibt er seinen persönlichen Eindruck wieder. „Dass dann wieder eine Einrichtung dem Zerfall preisgegeben wird, kann doch eigentlich nicht im Sinne einer lebenswerten Stadt sein.“

Die Einrichtung an sich sei ideal für die Kinderbetreuung, findet Mario Pape. „Die Außenanlage ist riesig und bietet unheimlich viel Platz für die Kinder zum Spielen und Toben. Es gibt zwei große Gruppenräume, einen Turnraum, einen Schlafraum und auch einen Entspannungsraum.“

Statement der Stadt

Welches Statement gibt die Stadt Staßfurt zur Kita in Glöthe ab? Oberbürgermeister Sven Wagner erklärt offiziell: „Ich habe aus heutiger Sicht keine Absicht, die Kita in Glöthe zu schließen.“ Der Weiterbetrieb in der weiteren Zukunft hänge aber immer davon ab, wie viele Kinder dort überhaupt noch angemeldet werden.

Oberbürgermeister Sven Wagner betont, dass „Winnie Puuh“ aktuell noch einmal auf Vordermann gebracht werde. „Die Kita in Glöthe wird dieser Tage renoviert.“ Sie werde so umgebaut, „dass darin die baulichen Voraussetzungen geschaffen werden, ab kommenden Jahres die Krippenkinder der Kita ‚Benjamin Blümchen‘ aus Förderstedt mit betreuen zu können.“ Die Kita in Glöthe wird Ausweichort für die energetische Sanierung der Förderstedter Einrichtung. Die Kitakinder aus Förderstedt kommen in Atzendorfer unter.

In Glöthe wird man die Krippenkinder aus Förderstedt laut aktuellem Plan der Stadt ab demnächst und bis Ende 2020 zu Gast haben. Bis dahin wird nämlich die Umbaumaßnahme in der Förderstedter Kita laufen.

Vorerst und bis Ende 2020 ist die Kita Glöthe mit den Förderstedter Kindern also gut gefüllt.

Auslastung sinkt

Was aber, wenn in Glöthe danach kaum noch Kinder angemeldet werden? Denn unabhängig davon, wie viele Kinder in Glöthe geboren werden, melden immer weniger Eltern aus Glöthe ihre Kinder auch dort an. Wurden 2012/2013 die Kinder aus dem Ort noch vorwiegend im Ort betreut – und Kinder aus Nachbarorten kamen noch hinzu – wird die Kita heute immer weniger in Anspruch genommen. Während die Auslastung der Einrichtung in 2012/13 noch bei 95 Prozent lag, war sie in 2017/18 bei nur 52 Prozent.

Aber in Glöthe macht man sich darüber hinaus schon weitere Gedanken. Aus der Ortspolitik kam der Vorschlag, die Kita könne von einem freien Träger übernommen werden, berichtet Mario Pape. Ein freier Träger mit speziellem Konzept, der eine bestimmte Zielgruppe oder Erziehungsmethode bedient, könnte eventuell auswärtige Familien aus der weiteren Region locken. Auch das Modell „Kita-Bus“, das zum Beispiel in der Altmark praktiziert wird, sei eine Variante, so Mario Pape. Dort werden Kinder aus dem überfüllten Stadtgebiet täglich in Kitas auf den Dörfern gebracht.