Glöthe/Staßfurt l Das Ergebnis dürfte für Diskussionen sorgen: Die Initiative „Pro Kita Glöthe“ hat die Ergebnisse ihrer Befragung erstmals am Donnerstagabend im Stadtrat Staßfurt vorgestellt. Mehrere Eltern sollen abgewiesen worden sein beim Versuch, ihre Kinder in der Kita Glöthe anzumelden. Die Initiative hatte nachweisen wollen, dass der Bedarf an Kinderbetreuung im Ort viel höher ist als die aktuell dort betreuten vier Kinder.

23 Eltern persönlich befragt

Heike Schattschneider aus Glöthe trug die Ergebnisse im Stadtrat für die Initiative „Pro Kita Glöthe“ vor. 23 Eltern aus Glöthe mit Kindern bis fünf Jahren waren persönlich durch „Klinkenputzen“ im Ort befragt worden. Die Aussagen wurden gesammelt und ausgezählt.

„Unter den 23 Eltern waren vier, die ihre Kinder aus anderen Gründen in anderen Kitas angemeldet haben“, so Schattschneider, zum Beispiel, wo der Arbeitsweg an einer anderen Einrichtung vorbeiführt.

Gründe für Eltern-Entscheidung

Bleiben allerdings noch 19 befragte Eltern übrig. Warum haben diese ihre Kinder nicht in Glöthe angemeldet? Die Umfrage sagt: „Zum einen haben die Eltern berufliche Gründe genannt“, so Schattschneider. So ist für einen Teil der Eltern die Schließzeit der Kita um 15.30 Uhr nicht machbar. Elf Elternpaare hatten die Kita daher oder allein wegen der Schließungsgerüchte für sich ausgeschlossen. „Zum anderen wurde den Eltern die Auskunft erteilt, dass die Kita geschlossen werde“, so Schattschneider.

Nachgefragt durch die Volksstimme erklärt Schattschneider die Auswertung der Umfrage, die sie nahezu wissenschaftlich ausgewertet hatte: Neun Elternpaaren wurde erklärt, sie können ihr Kind nicht in Glöthe anmelden, da die Kita geschlossen werde oder kein Platz mehr frei sei, da während der Bauphase der Förderstedter Kita diese Kinder mit in Glöthe sind. Und neun Eltern würden ihr Kind aktuell gern in Glöthe betreuen lassen.

Stadt weist Gerüchte zurück

Die Stadtverwaltung hatte stets betont, dass kein Kind abgewiesen wurde: „Die Kita in Glöthe war immer im Angebot. Es wurde nie ein Elternteil abgelehnt“, hatte Ina Siebert, Fachdienstleiterin Schule, Jugend und Kultur bei der Stadt Staßfurt, erklärt.

Für die Initiative, zu der Eltern aus Glöthe gehören, ist das Ergebnis eindeutig: Man hat die Betreuungszahlen in Glöthe geschmälert, obwohl eine Schließung weder konkret noch beschlossen war. „Wir warten jetzt auf die schriftliche Antwort auf unsere Fragen“, so Schattschneider.

Initiative wartet auf Antworten

Diese Fragen, die die Verwaltung jetzt beantworten muss, benannte Schattschneider konkret und eindringlich im Stadtrat: Warum gibt es so eine Diskrepanz zwischen den Aussagen der Eltern und der Stadtverwaltung? Wurde möglicherweise sogar ein Rechtsbruch begangen, indem man Eltern die Betreuung in der Kita verwehrte? Wie kommt die Stadt auf die Idee, dass man 30 000 Euro mit der Schließung dieser Kita spare, wenn die Kinder doch dann in anderen Einrichtungen Kosten verursachen? Wie steht der Stadtrat zur Idee, in Glöthe einen freien Kita-Träger zu installieren?

Schattschneider forderte im Namen ihrer Mitstreiter: „Wir appellieren an den Stadtrat, sich diesen Fragen konstruktiv zu stellen.“ Sie erinnerte an den einstigen Wahlslogan „kurze Beine, kurze Wege“ und erhielt Applaus.

Wichtig ist der Initiative, dass es mit der Kita Glöthe weitergeht. Zum Beispiel mit einem freien Träger. „Es geht uns nicht darum, jemandem persönlich die Schuld für das Problem zu geben. Fakt ist, das etwas schief gegangen ist, aber wir müssen jetzt nach vorn schauen“, so Schattschneider.

Ortschaftsrat will Zahlen

Stadtratsvorsitzender und Förderstedter Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU) merkte an, es werde sicher eine positive Antwort auf die Idee zum freien Träger geben. Er selbst zieht diese Idee oder den Zusammenschluss von Tagesmüttern vor. Rotter hatte betont, dass der konstante Bedarf an Betreuung im Ort wichtig sei, um die Kita in den Händen der Stadt weiterzubetreiben.

Stadt- und Förderstedter Ortschaftsrat Günter Döbbel (FDP) will auch nach Schattschneiders Auswertung „ehrlich“ bleiben: „Es ist nicht realistisch, dass die Kita in Trägerschaft der Stadt erhalten wird, da wir in den städtischen Einrichtungen Überkapazitäten haben.“ Auch der Zuzug junger Familien ändere nichts am demografischen Abwärtstrend. „Ein alternatives Modell mit freiem Träger wäre okay, aber die Stadt wird sich diese kleine Kita auf Dauer nicht leisten können.“

Sven Schneider (FDP), Stadt- und Ortschaftsrat, ist nicht mehr überrascht von den Ergebnissen der Umfrage: „Schon vor einem Jahr hatte ich zuhören bekommen, dass Eltern ihre Kinder in Glöthe nicht anmelden konnten, weil ja in Förderstedt gebaut wird.“ Auf seine Frage, wie es nach der Bauphase weitergehe, sei nie eine Antwort gekommen, stattdessen „immer wieder widersprüchliche Aussagen.“

Aber auch Schneider sagt: „Der Bedarf muss geklärt werden. Etwas zu sagen und dann sein Kind wirklich anzumelden, sind zwei verschiedene Dinge.“ Die Stadt müsse zudem klären, wie Kinder zurückwechseln könnten.