Glöthe l Wenn der Tag lang ist, kann natürlich viel behauptet werden. Und nichts ist schlimmer, als Behauptungen nicht belegen zu können. Erneut steht die Schließung der kleinen Kita „Winnie Puuh“ in Glöthe zur Diskussion (Volksstimme berichtete). 30 000 Euro könnten im Jahr gespart werden. Es würden ja auch nur noch vier Kinder die Einrichtung besuchen. Die Glöther im Ort sagen aber: Viel mehr Eltern würden ihr Kind in die Kita schicken, wenn sie denn angeboten würde. Die alles entscheidende Gretchenfrage ist: Wurden Eltern von der Kita in Glöthe weggeschickt? Und wer macht so etwas mit welchen Motiven?

Was ist da denn nun dran? Die Initiative „Pro Kita Glöthe“ hat einen Fragebogen ausgearbeitet, mit dem sie anonymisiert Daten sammelt. Im Fragebogen stehen folgende Fragen: Wann wurde das Kind in der Kita angemeldet? In welcher Kita ist das Kind jetzt untergebracht? Wurde die Kita Glöthe angeboten oder empfohlen? Haben Sie nach einem Kita-Platz in Glöthe gefragt? Wenn ja, mit welcher Begründung wurde er abgelehnt? Würden Sie Ihr Kind gerne in Glöthe anmelden?

Die Initiative will so nachweisen, dass Eltern abgewiesen werden. „Die Kita in Glöthe war immer im Angebot. Es wurde nie ein Elternteil abgelehnt“, sagt Ina Siebert, Fachdienstleiterin Schule, Jugend und Kultur bei der Stadt Staßfurt. Die Aussage steht.

Glöther Kinder in anderen Kitas

Die Kita-Initiative hat Eltern unter anderem in Glöthe, Üllnitz und Brumby befragt. Noch läuft der Rücklauf. Von 23 Eltern kam laut Heike Schattschneider von der Initiative aber bereits eine Rückmeldung. „Alle 23 Eltern haben keine Empfehlung für die Kita Glöthe bekommen. Entweder hatten sie gezielt nachgefragt oder gar keine Info bekommen“, sagt Schattschneider. Kinder aus Glöthe würden Kitas in Förderstedt, Atzendorf, Brumby oder sogar Eickendorf besuchen, also über Gemeindegrenzen hinaus. „Die Eltern bekommen in Glöthe immer wieder die Rückmeldung, dass die Kita sowieso geschlossen wird.“ Ein Gerücht, das sich irgendwie verselbstständigt hat, obwohl es bisher keinen konkreten Hinweis dafür gibt. Wer so etwas streut? Die Eltern? Die Verwaltung? Die Erzieher? Das ist unklar. Und es ist auch für die Initiative nicht wichtig, einen schwarzen Peter herauszufinden. Aber: „Irgendwo ist ein Knoten. Und den müssen wir lösen“, sagt Schattschneider. „Irgendjemand sagt nicht die Wahrheit.“ Mit dem Fragebogen will die Initiative entkräften, dass immer wieder behauptet wird, dass Eltern nie weggeschickt wurden in Glöthe.

Die Glöther haben dazu kürzlich auch mit Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU) und weiteren Mitgliedern aus dem Ortschaftsrat in der Kirche in Glöthe intern zusammengesessen. Rotter hat Verständnis für das Engagement der Glöther. Er will genauso wenig, dass die Kita geschlossen wird und würde auch ein Sprachrohr der Initiative im Stadtrat sein. „Niemand von der Stadt möchte die Kita unbedingt schließen“, sagt Rotter. Aber: „Es muss deutlich untersetzt werden, wie viele ernsthafte Interessenten es für die Kita in Glöthe gibt. Die Eltern müssen mit den Füßen abstimmen.“

Er will die Frage geklärt haben, wie viele Eltern konkret ihre Kinder nach Glöthe bringen würden. Und dazu braucht es auch eine gewisse Zahl. „Wir können als Politiker nur etwas machen, wenn wir eine gewisse Größenordnung haben“, so Rotter. Es brauche eine belastbare Größe. „Unter zehn bis 15 Interessenten brauchen wir gar nicht erst anfangen, uns für die Kita in Glöthe stark zu machen.“ Im Moment ist es für Rotter nicht greifbar, wie konkret das Interesse der Eltern an der Kita in Glöthe tatsächlich ist.

Wann greift pädagogisches Konzept?

Denn die Fakten sind klar: Die Kita „Winnie Puuh“ ist derzeit die teuerste Kita in Staßfurt. „Wir können es aber nicht nur an der Wirtschaftlichkeit messen. Wir müssen auch fragen, ab wann die Umsetzung eines pädagogischen Konzeptes greifen kann“, sagt Rotter. Das greift nicht bei vier Kindern. Und auch nicht bei zehn. „Fachleute müssten darstellen, ab wann das darstellbar ist.“

Mario Pape von der Initiative in Glöthe sagt: „Es ist ganz offensichtlich, dass es von langer Hand geplant ist, die Kita zu schließen. Es ist nicht akzeptabel, dass die Infrastruktur in Glöthe zunichte gemacht wird. Ich appelliere an die Weitsicht und Umsicht der Stadträte, ganz Staßfurt lebenswert zu gestalten, auch die Dörfer. Wir sind nicht bereit, Planungs- und Vergabefehler auszubügeln.“

Rotter schlug erneut vor, Tagesmütter einzubinden. Eine Tagesmutter darf laut Rotter fünf Kinder betreuen. „Vielleicht können sich drei Tagesmütter in Glöthe zusammentun“, sagt der Ortsbürgermeister. „Und vielleicht hat ein freier Träger Interesse mit einer speziellen Ausrichtung. Vielleicht trifft einer mit einem pädagogischen Konzept einen Nerv.“

Er erinnert daran, dass freie Schulen in Rathmannsdorf oder Schneidlingen Wartelisten hätten, weil diese für Eltern so attraktiv sind. „Wir dürfen uns keine Denkverbote auferlegen. Vielleicht braucht es ein Interessenbekundungsverfahren. Vielleicht kann die Initiative sogar selbst einen Verein gründen, der die Kita betreibt. Das ist aber sehr hochgehängt“, sagt Rotter. „Es hilft nicht weiter zu wissen, wer gelogen hat. Wir müssen nach vorn schauen und brauchen möglichst viele Zusagen von Eltern, dass sie ihre Kinder nach Glöthe bringen wollen.“