Förderstedt l In Förderstedt geht das Gerücht um einen Baustopp an der Kita „Benjamin Blümchen“ um. Die Kita-Kinder waren im Februar in die Einrichtungen von Atzendorf und Glöthe umgezogen, damit das Gebäude in Förderstedt saniert und einen Anbau bekommen kann.

„Es ist schwer zumutbar, dass die Kinder und Eltern noch länger die weiteren Wege fahren“, gibt Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU) die Sorgen der Eltern wieder. Die Ausweichlösung in Atzendorf und Glöthe sollte eigentlich nur bis Dezember 2020 dauern.

Aber um die Kita in Förderstedt ist es nicht gut bestellt, wie sich jetzt bei den Vorarbeiten herausgestellt hat. Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) überbrachte die schlechte Nachricht in dieser Woche sichtlich geknickt: „Nach Abbruch der Innenwände des Bestandsgebäudes wurde nun festgestellt, dass dieses über keinen Ringanker verfügt und somit über keine ausreichende Standsicherheit.“

Standsicherheit im Fokus

Ein Ringanker ist bei vielen Gebäuden vorgeschrieben und liegt in der Wandebene. Er nimmt die Last des Daches und der Zugkräfte auf und verhindert, dass die Wände nach außen gedrückt oder verformt werden. Johann Hauser (FDP), der im Ortschaftsrat von Förderstedt am Dienstag zum ersten Mal davon hört, verdeutlicht: „Der Ringanker hält das Gebäude zusammen. Wer hat das damals genehmigt?“

Ohne so einen Ringanker fallen die Wände im schlimmsten Fall irgendwann zusammen. Und ohne Standsicherheit wird keine Behörde die sanierte Kita abnehmen und die Kinderbetreuung genehmigen. Die Anforderungen sind heute viel strenger als früher.

Daher sind laut Sven Wagner jetzt alle Möglichkeiten offen – „Abriss und kompletter Neubau“ oder weiterbauen? Viel mehr kann die Verwaltung im Moment nicht sagen. Der Planer der Baumaßnahme hat der Stadt schon in dieser Woche Vorschläge gemacht, wie es weitergehen könnte. Nächste Woche muss man sich intern dazu beraten.

Aber da wäre noch ein Problem: Die Zeit rennt. Denn die Stadt muss die Kita bis Ende 2020 fertig haben. Sie bekommt Fördermittel vom Land Sachsen-Anhalt und diese haben eine bestimmte Zeitschiene als Bedingung. Mit 750.000 Euro wird gut die Hälfte der Baukosten von 1,6 Millionen Euro bezuschusst. „Dabei muss auch die Frage geklärt werden, ob die Fördergelder auch für einen Neubau verwendet werden dürfen“, betont Detlev Kiel (SPD), neues Mitglied im Förderstedter Ortschaftsrat.

Bauende ist jetzt schon knapp

Muss die Kita tatsächlich abgerissen und neu gebaut werden, muss die Stadt die Leistungen dafür neu ausschreiben. Planungen und Architektentwürfe müssten neu erstellt werden – das alles braucht Monate und kostet wieder Geld. Wie das Bauende dann noch zu schaffen ist, ist völlig unklar.

Erst im Juni dieses Jahres wurde über Verzögerungen beim Bau der Kita Förderstedt berichtet. Die Stadt hatte erklärt, dass sich der Baustart vom Frühjahr verzögere, weil es noch Abstimmungsbedarf gäbe, zum Beispiel über die Bäume auf dem Gelände. Eigentlich sollte der Teilabriss im Frühjahr beginnen, dann die Rohbauarbeiten im Gebäude im August folgen und ein Neubau im Oktober dazugesetzt werden. Fertig wollte man im Dezember 2020 werden.

Peter Rotter wirft noch eine Frage ein: „Hätten die Planer das Problem nicht früher erkennen können?“ Ein Fass aufmachen wie bei der Löderburger Sporthalle will er aber nicht. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen.“ Es helfe nicht zurückzuschauen, wer die Kita damals umgebaut oder genehmigt hat.

Ein Teil des Kita-Gebäudes in der Straße „Hinter der Achte“ in Förderstedt soll laut Förderstedter Chronik aus dem Jahr 1936 stammen. 1990 wurde es zum ersten Mal umgebaut und erweitert, 1998 und 1999 zum zweiten Mal.