Glöthe l In der großen Männerrunde stand Heike Schattschneider als eine der wenigen Frauen im Raum auf, sprach mit klarer Stimme und stellte für alle hörbar die Gretchenfrage: „Wie steht der Ortschaftsrat zur Kita in Glöthe?“ Die engagierte Glötherin, die in der Sitzung des Ortschaftsrates Förderstedt das Wort ergriff, hob damit die Diskussionen um die Kita „Winnie Puuh“ in Glöthe auf eine neue Ebene.

Wie vor zwei Wochen bekannt wurde, steht die Schließung der Kita zur Diskussion. Schon wieder. Schon 2015 und 2016 wurde darüber diskutiert. Per Stadtratsbeschluss wurde die Schließung damals abgewendet.

Die Argumente jetzt leuchten auf den ersten Blick ein. Nur noch vier Kinder werden in der kleinsten Kita der Stadt Staßfurt betreut. Mit den Jahren ist die Zahl der Kinder immer weiter gesunken. Zudem würde die Stadt Staßfurt dadurch im Jahr 30.000 Euro einsparen. Für eine immer klamme Kommune wie Staßfurt, die immer dazu angehalten ist, zu sparen, wo es möglich ist, ein nicht unerheblicher Betrag. Zumal der demografische Wandel nicht unbedingt dafür spricht, dass die Stadt Staßfurt in den nächsten Jahren Einwohner dazu gewinnen wird.

Döbbel sieht keine großen Hoffnungen

Günter Döbbel (FDP) richtete im Ortschaftsrat daher auch ungeschönte Worte an Heike Schattschneider. „Ich mache mir keine großen Hoffnungen. Ich befürchte, dass die Karten gelegt sind. Die Statistik sagt, dass wir zwei Kitas in Staßfurt zu viel haben“, sagte er.

Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU) gab sich hingegen kämpferisch. „Glöthe als Betreuungsstandort einfach vom Netz zu nehmen, halte ich für grundverkehrt. Wir müssen nach Lösungen suchen. Wir haben die Schließung 2016 schon einmal abgewandt. Die Glöther sind ein wehrhaftes Völkchen.“ Das war durchaus als Kompliment gemeint.

Heike Schattschneider, die auch Mitglied im Seniorenbeirat der Stadt ist, bedankte sich für die ehrlichen Worte von Günter Döbbel, sagte aber auch: „Unsere Kita ist eine der schönsten in Staßfurt. Wir müssen uns bemühen junge Leute anzusiedeln. Es sind unsere Kinder, unsere Zukunft. Die Kinder werden im Dorf sozialisiert.“ Natürlich ist das Thema sehr emotional.

Was die Glöther ärgert, ist die Argumentation, dass nur noch vier Kinder in Glöthe betreut würden. Die Zahl stimme ja. Aber: „Es gibt mehr Bedarf“, sagt auch der Glöther Mario Pape, der als Vorsitzender des Heimatvereins versucht, sich für den Ort einzusetzen. „Ich weiß von zwei Eltern, die abgewiesen wurden und explizit nach Glöthe gefragt hatten“, sagte Pape. „Es hieß, bis zum August nächsten Jahres gebe es keine Plätze mehr. Die Kita Glöthe wird einfach nicht angeboten. Wir haben das Gefühl, dass das von langer Hand geplant ist.“

Weil die Kita in Förderstedt derzeit neu gebaut wird, wurden die Kinder auf die Kitas in Atzendorf und Glöthe aufgeteilt. Daher ist die Kita in Glöthe derzeit natürlich mit Kindern aus Förderstedt voll. „Aber wenn die Kinder wieder zurückziehen, ist in Glöthe viel Platz“, sagte Mario Pape.

Neue Modelle bei der Betreuung?

In die gleiche Richtung argumentierte auch Ortschaftsratsmitglied Christian Schulze (CDU). „Die Eltern werden angelogen und hinters Licht geführt“, sagte er. Eine Idee, wie es weitergehen kann, brachte er aber ebenfalls. „Vielleicht könnte ein anderer Träger die Kita übernehmen?“, fragte er. Diesen Gedankengang nahm auch Peter Rotter auf. „Ich finde den Vorschlag klasse. Es muss nicht immer die Stadt der Träger der Kita sein“, sagte er. Der Ortsbürgermeister warf zudem eine weitere Idee in den Raum. „Vielleicht ist auch ein Zusammenschluss von Tagesmüttern möglich“, so Rotter. Gegenseitige Schuldzuweisungen würden hingegen nicht weiterhelfen.

Auch Enrico Lärz (CDU) versprach, sich für die Kita in Glöthe einzusetzen. „Uns ist natürlich daran gelegen, die Kita zu erhalten“, sagte er.

Die Glöther tauschen sich derzeit aus und wollen verschiedene Informationen sammeln, um weitere Schritte zu gehen. Für den kommenden Donnerstag zum Beispiel hatte Heike Schattschneider am Dienstag im Ortschaftsrat zu einem Austauschgespräch mit dem Elternkuratorium eingeladen nach Glöthe. Dieser Einladung wollte Ortsbürgermeister Peter Rotter folgen. „Die Glöther sind hart im Nehmen und zäh. Wir werden es nicht akzeptieren, dass die Kita geschlossen werden soll“, sagte Heike Schattschneider.

Entscheiden muss am Ende der Stadtrat.