Staßfurt/Schönebeck l „Wir haben zwei junge Männer inhaftiert. Dabei ist es möglich, dass es einer von den beiden war“, erklärt Polizeisprecher Marco Kopitz vom Revier Salzlandkreis auf Nachfrage. Die Volksstimme hatte den Stand der Ermittlungen zur Einbruchserie in Kitas und Schulen im Salzlandkreis erfragt.

„Dass die Einbrüche in Kitas und Schulen derzeit zurückgehen, könnte ein Indiz dafür sein, dass wir tatsächlich den Richtigen verhaftet haben“, so Marco Kopitz. Die letzten Einbrüche dieser Art hatten sich vor eineinhalb Wochen ereignet – am 26. Juli in der Grundschule Groß Börnecke, am 27. Juli in der Grundschule Wolmirsleben und am 28. Juli in die Kita Nienburg. Ganze 17 Einbrüche in Schulen und 22 Einbrüche in Kitas gab es in den letzten zwei Monaten im Salzlandkreis – unter anderem in Staßfurt, Wolmirsleben, Groß Börnecke, Förderstedt, Barby, Bördeland und Schönebeck.

Indizien sind keine Beweise

Der Polizeisprecher muss vage bleiben und betonen: „Wir können noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass wir die Richtigen inhaftiert haben.“ Es könne auch sein, dass es andere Täter waren und diese sich im Moment ruhig verhalten. Die Polizei hatte mehrere Straftäter im Visier, die für die Einbruchsserie in Frage kommen.

Die Polizei konnte die zwei Verdächtigen nicht wegen der Einbruchsserie festnehmen. Sie hat zwar Verdachtsmomente und Indizien, muss aber eine sichere Beweiskette für eine eventuelle Verhaftung vorlegen. Hier sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Stattdessen hatten die Verhaftungen einen anderen Grund. Beide Verdächtige wurden schon seit längerer Zeit per Haftbefehl gesucht. Es soll sich um zwei junge Männer handeln, die im Salzlandkreis wohnen. Beide sind „Heranwachsende“, sind also zwischen 18 und 21 Jahren alt. Beide waren wegen älterer, anderer Straftaten zu Geldstrafen verurteilt worden. Da sie die Geldstrafen aber nie bezahlt hatten, wurde Gefängnis angeordnet (Fachbegriff „Ersatzfreiheitsstrafe“).

Auf der Straße aufgegriffen

Sie hatten aber auch ihre Haft nie angetreten. „Sie hatten sich den Kontrollen immer wieder entzogen, waren zuhause nicht anzutreffen“, so Marco Kopitz. „Allerdings haben wir sie nun ausfindig gemacht.“ In der letzten Woche hatten Polizisten die beiden, unabhängig voneinander, auf der Straße aufgegriffen. Sie wurden festgenommen und wegen ihrer älteren Straftaten ins Gefängnis gebracht.

Eine Geldstrafe im Gefängnis abzusitzen, kann einige Monate dauern. Danach sind die Verdächtigen wieder auf freiem Fuß. In der Zwischenzeit dauert es, bis es eventuell zu einer Anklage kommt.

Kinder haben Angst

Vor allem bei kleinen Kindern wird die Einbruchsserie einen Eindruck hinterlassen haben. Alexandra Goldschmidt, Vorsitzende des Elternbeirats Staßfurt, berichtet von verschiedenen Reaktionen: „Es gab Kinder, die nach den Einbrüchen Angst hatten. Sie sagten: ‚Die Einbrecher haben doch jetzt unsere Daten, vielleicht kommen sie dann auch zu uns nach Hause‘.“ Weil aus der Kita „Struwwelpeter“ in Staßfurt ein Laptop gestohlen wurde, dachten einige Kinder, die Einbrecher hätten nun die Privatadressen der Familien.

„Wieder andere Kinder haben die Einbrüche gar nicht richtig mitbekommen“, erzählt die Elternvertreterin weiter. Auch die Angst der Erzieherinnen, morgens in die Kita zu kommen und nicht zu wissen, was sie vorfinden, sei sicher belastend.

Die Kita- und Schuleinbrüche seien eher unterschwellig Thema bei den Eltern gewesen. Offizielle Beratungen dazu mit Kita-Trägern, Elternvertretung und Stadt gab es nicht. „Wir hätten uns zusammengesetzt, aber der Bedarf war nicht da“, so Goldschmidt. Man müsse nun auf das Rechtssystem vertrauen, „auch wenn die Strafen sicher nie so hoch sein werden, wie man sich das als betroffene Privatperson vorstellt.“