Staßfurt l Der Wasser- und Abwasserzweckverband „Bode-Wipper“ (WAZV) stellt zusammen mit weiteren Verbänden die Weichen für die künftige Klärschlammentsorgung. Perspektivisch will man regeln, wie künftig mit den Abfällen aus den Kläranlagen umgegangen wird. Das, sagt WAZV-Geschäftsführer Andreas Beyer, sei ein längerer Prozess. Allerdings soll dieser nachhaltig gestaltet werden. Deshalb beginne man jetzt, konkrete Maßnahmen zu ergreifen.

Hintergrund für die Initiative ist, dass der Bund seine Klärschlammverordnung erneuert hat. Die jüngsten Veränderungen sollen im Herbst 2017 in Kraft treten. Das Dokument regelt, wozu der Abfall aus den Klaranlagen verwendet werden darf und welche Richtwerte für seine Zusammensetzung zulässig sind.

Andreas Beyer kennt die wichtigsten Änderungen der Verordnung. So dürfe der Klärschlamm von mittelgroßen Anlagen- ab 50 000 Einwohnerwerte (Einwohnerwert gibt die Schmutzfracht des Abwasser an und vereint die im Entsorgungsgebiet einer Kläranlage lebenden Einwohner und entsprechend aufgerechnet die Abwässer aus der Industrie) - nicht mehr landwirtschaftlich verwertet werden. Zudem gelten immer schärfere Richtwerte. Die Kläranlagen für das „Bode-Wipper“-Gebiet an der Bode bei Hohenerxleben und die Kläranlage für das ehemalige „Bodeniederung“-Gebiet in Gänsefurth liegen jeweils für sich bei 40 000 Einwohnerwerten - also in Sichtweite zu den Vorgeben. In Staßfurt müsste nur ein größeres, wasserintensives Unternehmen neu an die Abwasserversorgung angeschlossen werden, dann könnte die 50 0000-Marke geknackt sein.

Zusammensetzung und Mengen

„Aber gravierender ist, dass die Werte unseres Klärschlamms künftigen Vorgaben möglicherweise nicht mehr genügen“, sagt Andreas Beyer. Der WAZV bereitet sich deshalb darauf vor, dass er die üblichen Entsorgungswege seines Klärschlamms nicht mehr ohne weiteres so nutzen kann. „Bisher hatten wir einen Entsorger, dem wir die Abholung der Reste aus der Kläranlage bezahlt haben. Das Material kam dann aufbereitet zum Beispiel im ländlichen Wegebau zum Einsatz.“ Weil das möglicherweise nicht mehr zulässig ist, sucht man nach neuen Wegen.

Staßfurt ist dabei nicht allein unterwegs. „Es haben sich insgesamt acht Aufgabenträger zusammengefunden, um diese Aufgabe zukünftig zu meistern“, berichtet Andreas Beyer. Neben dem WAZV „Bode-Wipper“ gehören der sogenannten „Regionalgruppe B6N“ auch die kommunalen Verbände aus Bernburg, Calbe, Quedlinburg, Blankenburg, Wernigerode, Oschersleben sowie die Abwassergesellschaft Halberstadt mbH an.

„Mit einer Kapazität von über 620 000 Einwohnerwerten haben die Partner gemeinsam einen großen Marktanteil, den es zu nutzen gilt“, so der Verbandsgeschäftsführer. „Kurze Entsorgungswege sind ein Schlüssel für die kostengünstige Entsorgung“, so Beyer weiter zu den Motiven des Zusammenschlusses.

Im ersten Schritt wird im September eine gemeinsame Ausschreibung eines Konzeptes erfolgen. „Die Kosten, die sonst jeder selbst tragen müsste, werden in der Arbeitsgruppe nur anteilig fällig.“ Der „Bode-Wipper“-Geschäftsführer berichtet auch, dass sich die Vertreter der „Regionalgruppe B6N“ bei ihren regelmäßigen Arbeitstreffen bereits auf ein Leistungsverzeichnis geeinigt hätten. „Wir haben für uns wichtige Standards definiert.“

300 00 Euro

Zum Hintergrund: Die Entsorgung des Klärschlammes ist neben den Stromkosten auf den Kläranlagen der größte Kostenfaktor. So wendet der WAZV „Bode-Wipper“ jährlich für die Entsorgung des Klärschlammes rund 300 000 Euro auf. „Experten rechnen mit einer Verdreifachung der Entsorgungskosten in den nächsten 10 bis 15 Jahren. Damit diese Prognose nicht eintritt, wollen die Verbände frühzeitig gegensteuern und nach eigenen Lösungen suchen“, so Andreas Beyer.