Staßfurt l Das hat der Leitbildprozess ergeben. Einige Stadträte möchten jetzt, dass man diese Meinung aus der Bevölkerung auch finanziell untersetzt. Matthias Büttner, Stadtrat für die Fraktion AfD/UWG, brachte kürzlich die Idee in die Kommunalpolitik ein: Der Staßfurter Tiergarten soll in den kommenden Jahren wieder mehr Geld von der Stadt erhalten. Seinen Vorstoß stellte er kürzlich im Finanzausschuss des Staßfurter Stadtrats vor.

Die Stadträte im Finanzausschuss gingen mit (5 Ja-Stimmen, 2 Enthaltungen) und empfahlen somit auch dem Stadtrat, der am nächsten Donnerstag endgültig entscheiden soll, die Zustimmung.

Aktuell erhält der Tiergarten, den die gemeinnützige GmbH Lebenshilfe Bördeland auch als Arbeitsort für Behinderte unterhält, von der Stadt Staßfurt einen jährlichen Zuschuss von 100 000 Euro. Dass dies zu wenig ist und dadurch in den letzten Jahren auch zwei Mal die Eintrittspreise erhöht werden mussten, wurde in der Vergangenheit immer wieder betont. Mehrfach wandte sich auch der Geschäftsführer der Lebenshilfe, Stefan Labudde, an die Stadt, damit diese den Zuschuss wieder erhöht, immer erfolglos.

Stadtrat Matthias Büttner zieht jetzt aus dem Leitbildprozess Schlüsse: „Die Staßfurter empfinden den Tiergarten als eine der wichtigsten Attraktionen und wünschen sich, dass dort mehr investiert wird. Das war unmittelbares Ergebnis der Bürgerbefragung im Leitbildprozess.“ Stadtrat Johann Hauser (FDP) pflichtete ihm bei: Der Bürgerwillen müsse ernstgenommen werden.

Matthias Büttner sprach von einer Anziehung des Tiergartens weit über die Stadtgrenzen hinaus. „Es darf in unserer Stadt nicht nur immer hundertprozentig ums Sparen gehen. An gewissen Punkten müssen wir dem Bürger zeigen, dass es vorwärts geht und dass wir etwas tun.“ Am Ende der Diskussion im Finanzausschuss stimmte auch Siegfried Klein (CDU) zu: „Im Tiergarten muss etwas passieren.“

Abschmelzung stand lange fest

Über die Jahre habe die Vielfalt der Tiere im Tiergarten abgenommen, argumentierte Matthias Büttner. Dass man ganze Arten wegen des geringeren Zuschusses abschaffen musste, bestätigt Lebenshilfe-Geschäftsführer Stefan Labudde gegenüber der Volksstimme: Als die Lebenshilfe den Tiergarten am 1. Mai 2003 von der Stadt übernommen hat, gab es immer einen jährlichen Zuschuss von 180 000 Euro. Von Anfang aber, also seit der Vertrag zwischen Stadt und Lebenshilfe zur Übernahme bestand, stand auch fest, dass die Gelder nach und nach abgeschmolzen werden. Und damit auch die Vielfalt der Tierarten und die Attraktivität des Tiergartens. Mehr noch: Schon damals war festgelegt worden, dass der Tiergarten irgendwann einmal nur noch Haustiere und einheimische Rassen zeigen soll.

Ab dem Jahr 2012 floss nur noch ein jährlicher Zuschuss von 100 000 Euro, bis heute. Dies war auch eine Maßnahme der Stadt, um ihren Haushalt aufzubessern.

Aber die 100 000 Euro Zuschuss reichen nicht aus. „Durch die Reduzierung des ursprünglichen Zuschusses auf zirka 45 Prozent wurde es für uns immer schwieriger, den Tiergarten kostendeckend zu betreiben“, so Labudde. 2012 wurden die Eintrittsgelder erhöht - das nahmen die Besucher besonders übel und führte zu langen Einbußen. 2015 wurden die Winter- an die Sommerpreise angepasst.

Tiere abgeschafft

Durch den geringeren Zuschuss musste man sich von bestimmten Tieren trennen. Hier spielten auch neue Vorschriften zur Tierhaltung hinein. Der Tiergarten Staßfurt ist ein nach EU-Richtlinie anerkannter Zoo und hätte daher für den Leoparden ein wesentlich größeres Gehege vorhalten müssen. „Dieses größere Gehege hätten wir erst einmal bauen müssen, das allein hätte bis zu 35 000 Euro gekostet. Das Geld hatten wir nicht“, so Stefan Labudde. So hat man sich 2013 vom Leoparden „Lena“ getrennt. Der Weggang des Publikumslieblings wurde von den Besuchern bedauert. Dasselbe ereilte die Wölfe und Luchse.

Dennoch, betont Stefan Labudde, hat man im Tiergarten alles versucht, um heute mehr als nur einheimische Haustierarten zu präsentieren, siehe Affen, Kattas oder Erdmännchen. „Wir haben viel Geld über Sponsoren akquirieren können, wie von Lotto Toto für das Kattagehege oder vom Rotary Club für den zweiten Spielplatz“.

Was könnte man für 20 000 Euro mehr im Tiergarten tun? „Wir würden dieses Geld sicherlich für die Erneuerung und Instandhaltung von Gehegen nutzen und es würde helfen, die Eintrittspreise nicht erhöhen zu müssen, sondern sie konstant halten zu können, was den sozial schwachen Familien unter unseren Besuchern zugute kommen würde.“

Über den Vorstoß aus der Kommunalpolitik freut sich Stefan Labudde: „Wir hätten uns sowieso bald wieder einmal in Erinnerung bringen müssen, weil die Finanzierung nicht ausreicht.“ Bei mehr als 50 000 Besuchern pro Jahr und dem Ergebnis aus dem Leitbildprozess sei ein stärkeres Engagement der Stadt die logische Konsequenz.