Bernburg/Staßfurt l Ein digitaler Marktplatz schwebt dem Salzlandkreis vor. Die Idee hat offensichtlich im Berliner Landwirtschaftsministerium als Fördermittelgeber eingeschlagen. Landkreissprecher Marko Jeschor stolz: „Mit dem ,Mobilen Marktplatz 4.0‘ hat sich der Landkreis gegen bundesweit über 400 weitere Projektskizzen von anderen Kommunen durchgesetzt.“

Belohnt wird der Salzlandkreis nun mit 141.000 Euro. Maximal 20 Prozent der Fördersumme plant er als Eigenmittel.

Ein Test

„Wir wollen testen, wie die Versorgung der Bevölkerung mit mobilen Konzepten und mit regionalen Ressourcen möglich ist“, erklärt Landrat Markus Bauer. Konkret sollen die regionale Nachfrage und dazu bereits bestehende Angebote digital auf einer Plattform gebündelt werden.

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Dabei geht es nicht nur um die Erledigung von Lebensmittel-Einkäufen – wenn jemand nicht mehr mobil ist – und beispielsweise ein Landhandel den Einkaufskorb füllt, eine andere Firma sich anbietet, den Transport zu übernehmen.

Auch Arztbesuche sollen mit dem digitalen Marktplatz organisiert werden können.

Idee begeistert

Im Rahmen des Bundesmodellvorhabens „Sicherung von Versorgung und Mobilität – ein Beitrag für gleichwertige Lebensverhältnisse in ländlichen Räumen“ hat der Landkreis vorgearbeitet. In Alsleben läuft in Zusammenarbeit mit dem Arbeiter-Samariter-Bund Bernburg ein Versuch, wobei der Pflegedienst dank der Teilnahme am Projekt Patienten nicht nur zu Hause versorgen, sondern bei Bedarf auch zum Arzt fahren darf. „Da solche Mitfahrangebote nach dem aktuellen Personenbeförderungsgesetz nicht zulässig sind, leistet der Salzlandkreis auch einen Beitrag auf bundespolitischer Ebene zur Novellierung bestehender Gesetze“, sagt Landrat Markus Bauer.

Bei einem Besuch in Bernburg sei der Bundesinnenminister von der Idee so begeistert gewesen, dass er weiter Unterstützung zugesagt hat.

„Mit Beförderungen soll kein Konkurrenzangebot zu bereits bestehenden Mobilitätsangeboten entstehen“, betont Dirk Helbig, Projektverantwortlicher beim Salzlandkreis. Vielmehr gehe es darum, einen weiteren Baustein für die Verbesserung der Mobilität Einzelner zu entwickeln. Möglich wäre aber ebenfalls, dass die Person selbst mit Hilfe zum Einkaufen gelangt.

Startschuss im September

Der Startschuss soll im September fallen. Dann will Helbig regionale Partner gewinnen, die das Vorhaben tatsächlich umsetzen wollen – vor allem Landwirtschaftsbetriebe, Handel, Logistikfirmen, aber auch andere Unternehmen in der Region. Nötig werde voraussichtlich auch ein IT-Programm. Dafür ist ebenfalls Geld vorgesehen. Dirk Helbig optimistisch: „Ich habe bei allen Gesprächen mit potenziellen Partnern bisher eine große Lust verspürt, sich über den bisherigen Wirkungskreis hinaus für die Allgemeinheit zu engagieren.“

Profitieren sollen aber in erster Linie die Menschen, die abseits von Grund- und Mittelzentren im Landkreis leben, also in den kleinen Dörfern. „Sie sollen künftig dank der Vernetzung der Akteure besser mit den Dingen des täglichen Bedarfs versorgt werden – allerdings ohne staatliche Kosten dafür explodieren zu lassen“, betont Marko Jeschor.

Begleitet werden solle das Projekt auch wissenschaftlich durch eine Hochschule aus der Region sowie eine Institution des Bundes. Die Laufzeit ist zunächst auf zwei Jahre festgeschrieben. „Im besten Fall steht dann eine funktionsfähige digitale Plattform, wo sich nach Vorbild von mittelalterlichen Märkten nicht nur Angebot und Nachfrage treffen, sondern auch Informationen ausgetauscht werden“ so Jeschor. Daneben könne auch noch ein Geschäftsmodell zum Betrieb einer solchen Plattform als Ergebnis stehen, das tatsächlich Mehrwerte für Firmen und die Gesellschaft schafft.

Innovative Region sein

„Davon würden wir alle profitieren“, meint Landrat Markus Bauer. „Mit Hilfe dieser Mittel können wir im Salzlandkreis nun einen weiteren Schritt hin zu einer innovativen Region machen.“ Er hofft, dass dieses Modellprojekt langfristig dazu beiträgt, die Versorgung der Bevölkerung trotz des demografischen Wandels zu gewährleisten. „Denn das würde den Salzlandkreis als Wohn-, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort stärken.“

Immer mehr Menschen würden ihr Glück vorrangig in den Metropolregionen suchen, während das Land zunehmend ausblute. Diese Entwicklung muss nach Ansicht des Landrats verhindert werden. „Statt über Fahrverbote in den Großstädten sollten wir viel mehr über clevere Mobilitätsangebote im ländlichen Raum nachdenken“, fordert Bauer.

Die Stadt Staßfurt hatte vor anderthalb Jahren auf eine sogenannte Nachschub-Studie gesetzt, um Bedarf für Lieferdienste in den Ortsteilen zu ermitteln. Ein Ergebnis liegt bislang nicht vor.

Wer das Projekt „Mobiler Marktplatz 4.0“ des Salzlandkreises unterstützen will, melde sich bei Dirk Helbig per E-Mail dhelbig@kreis-slk.de