Staßfurt l Ein wenig geht es Schülern und Lehrern des Staßfurter Gymnasiums wie Kindern, die sich riesig auf Weihnachten freuen und gespannt auf ihre Geschenke warten. Mit ihrer neuen Orgel besitzt die Schule ein solches Geschenk. Die offizielle Einweihung für das Instrument, das aus dem geschlossenen Gymnasium in Egeln kommt und in Staßfurt seinen neuen Platz gefunden hat, ist für das Frühjahr 2017 geplant. „Dann laden wir auch alle ein, die uns bei der Umsetzung der Orgel ideell und vor allem finanziell unterstützt haben“, sagt Musiklehrer Dr. Ralf O. Schubert. Doch nun steht das Instrument schon einmal fertig in der Aula, ist technisch durch die Halberstädter Orgelbaufirma Hüfken ertüchtigt und gestimmt. Die Arbeiten sind eher fertig, als geplant. „Alle sind neugierig gewesen, wie sie klingt“, verrät der Musiklehrer. Deshalb ist die Orgel auch ein kleiner Bestandteil des Programms für das Weihnachtskonzert geworden. „Der Rahmen bot sich für diese Musik an. Die Zuhörer haben vor der Indienstnahme zumindest einen Eindruck der Orgel erhalten. Der erste, der an Manualen und Pedalen Platz nehmen und die rund 500 Pfeifen erklingen lassen durfte, war Jannis Gallinat. „Das ist eine besondere Ehre für mich gewesen, das Instrument zum ersten Mal öffentlich zu spielen“, sagt der 16-Jährige. „Irgendwie auch ein Heimspiel.“ Denn Jannis kennt das Instrument, das Paule Hülle 1931 erbaut hat, noch aus der Aula des Egelner Gymnasiums, in die es 1937 kam. Hier hat der Wolmirslebener oft gespielt. „Jetzt in Staßfurt ist das schon ein wenig anders. Man sitzt viel näher an den Zuhörern“, sagt der Schüler und berichtet, dass das Instrument in Egeln oben auf einer Empore gestanden habe. Seit drei Jahren hat Jannis Gallinat Unterricht bei Werner Jankowski, dem Orgelsachverständigen des hiesigen Evangelischen Kirchenkreises. Der Gymnasiast gibt zu, ein Faible für ausgefallene Instrumente zu haben. Jannis hat sich selbst beigebracht, Dudelsack oder Zither zu spielen. Die Orgel passt gut in diesen Reigen. Er kennt sie von Kindheit an von seinen Kirchenbesuchen. „Mich fasziniert, dass man mit der Orgel vielfältige Klänge erzeugen kann und die Möglichkeit hat, verschiedene Instrumente klanglich zu imitieren“, sagt Jannis und zeigt auf Registerschilder, die beispielsweise den Namen „Flöte“ tragen.

Für das Weihnachtskonzert hatte Jannis Gallinat drei kurze Stücke ausgewählt, die dem warmen, für den kleinen Raum passend intimeren Klang der Orgel Rechnung trugen. Den größten Teil des musikalischen Nachmittags bestritten aber die Sänger am Gymnasium: Kinderchor, gemischter Chor und der Kammerchor der Oberstufen. Die Gesamtleitung lag in den Händen von Ralf O. Schubert. Musiklehrerin Bettina Eisenächer war erkrankt, sodass es kurzfristig Änderungen im Programm gab. Das bemerkten die zahlreichen Zuhörer nicht. Im Gegenteil. Die Chöre überzeugten durch abwechslungsreiche Gestaltung der Musik verschiedener Genre, durch Intonationssicherheit und prächtigen mehrstimmigen Gesang. Immer wieder traten Schüler aus den einzelenen Stimmgruppen als Gesangssolisten hervor. Andere begleiteten am Flügel oder auf der Flöte. Das Programm, so Ralf O. Schubert, habe bewusst auf Vielfalt gesetzt. „Traditionelle Lieder müssen genauso dabei sein, wie Neueres. Die Zuhörer wollen das so, aber die Stücke in der Breite machen vor allem beim Singen Spaß.“ Seit September wurde geprobt. Bettina Eisenächer, Sebastian Pfarre und Ralf Schubert haben die Stimmen auch in Registerproben, also jeweils für sich, einstudiert. „Dieses intensive Üben kommt der Musik und der Gestaltung zugute und die Schüler nehmen das ernst“, sagt der Chorleiter zufrieden mit der Leistung.