Staßfurt l Parteien im Staßfurter Stadtrat aufgepasst! Der 1. August sollte im Kalender fett markiert werden. Denn dann gibt es in Staßfurt eine große Gesprächsrunde mit allen Fraktionen. Der Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) wird dabei sein, der Seniorenbeirat und federführend beteiligt sind auch Vertreter von Ameos.

Nach der Schließung der Notaufnahme im Klinikum Staßfurt drängt der private Klinikbetreiber in die Öffentlichkeit. „Wir stehen für sämtliche Gespräche zur Verfügung. Wir wollen proaktiv sein“, sagt Lars Timm, der seit dem 1. Juli neuer Regionalgeschäftsführer bei Ameos Ost ist. Dieser schrieb Mails an die Fraktionen im Kreistag, führte Telefonate. Das erste Ergebnis ist die geplante offene Runde in Staßfurt.

Ameos hatte zahlreiche politische Vertreter vor den Kopf gestoßen. So erfuhren sowohl Landrat Markus Bauer (SPD) als auch Staßfurts Oberbürgermeister Wagner erst aus der Presse, dass es in Staßfurt seit dem 1. Juli gar keine Notaufnahme mehr gibt. Das soll nicht noch einmal passieren.

Landrat drängt auch auf Gespräch

Dabei hatte Ameos laut Wagner die Chance, sich zu äußern. „Vor wenigen Wochen gab es eine von zwei Regionalbeiratssitzungen im Jahr. Da stand das Thema nicht auf der Agenda“, sagt Staßfurts Stadtchef verärgert. „Warum wurde das nicht angesprochen? Dafür sind diese Runden gemacht.“ Vertreter der Politik und der Wirtschaft, Bürgermeister aber auch Ameos sitzen bei diesen Runden mit am Tisch. „Ich erwarte, dass so etwas mitgeteilt wird. Ich wünsche mir eine ehrliche und offene Kommunikation. Es muss eine Debatte geführt werden.“ Immerhin hat Wagner die Chance, am 1. August mit Ameos direkt zu reden.

Auf Gespräche drängt auch der Landrat. „Der Informationsbedarf ist berechtigter Weise sehr groß, und auch der Landrat drängt auf verbindliche Aussagen des Klinikbetreibers, wie es mit der Daseinsvorsorge und ärztlichen Krankenhausversorgung in Staßfurt steht“, teilt der Kreis mit. „Einem sofortigen Brief der Landkreisverwaltung an den Regionalgeschäftsführer folgten Telefonate. Landrat Bauer bittet jetzt mit einem neuen Schreiben (dieses ging laut Volksstimme-Informationen am 9. Juli raus) um ein persönliches Gespräch. Er erwartet von Ameos die Offenlegung aller Argumente für die neue Entwicklung, für das Zusammengehen der Notaufnahmen von Staßfurt und Aschersleben in Aschersleben und vor allem klare Aussagen, wie der Betreiber im Verantwortungsbereich die qualitative Krankenhausversorgung der Bevölkerung absichern wird.“

Dabei betont Ameos erneut, dass die Schließung der Notaufnahme kein Alleingang war. „Wir haben einen gewollten politischen Beschluss umgesetzt“, sagt Regionalgeschäftsführer Lars Timm. Anfang des Jahres wurden neue Standards für Notaufnahmen aufgestellt, die der Standort Staßfurt nicht erfüllt. Wie es jetzt in Staßfurt weiter geht? Wird es irgendwann wieder eine Notaufnahme geben? „Das ist leider unmöglich“, sagt Timm. „Trotzdem haben wir im Salzlandkreis mit drei vollumfänglichen Standorten eine sehr gute Krankenhausdichte.“ Dabei sind die Kliniken in Schönebeck, Aschersleben und Bernburg gemeint.

Poliklinische Strukturen?

In Staßfurt setze man dagegen auf Spezialisierung. „Wir stehen für den Standort. Wir haben mehrere Millionen darin investiert. Es gibt kein Sterben auf Raten und keine Versorgungsverschlechterung“, betont Timm. „Oft ist es für Patienten sogar besser, fünf Minuten mehr zu fahren und in hochspezialisierte Zentren zu kommen.“ Da gebe es eine bessere Behandlung.

Lars Timm hat auch schon einen konkreten Vorschlag, wie die gesundheitliche Versorgung verbessert werden kann. „Man könnte darüber nachdenken, die ambulante Versorgung zu stärken“, sagt er. „Ich denke da an poliklinische Strukturen. Man könnte Kassenärzte in Staßfurt stationieren, um den Standort zu stärken.“ Wie das umzusetzen ist, ist offen. Das müssen Gespräche zeigen.