Staßfurt l Am 14. November öffnet das Ameos Klinikum in Staßfurt seine Türen. Zumindest für die Fraktionen des Stadtrats und den Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD). Dann soll die zweite Sitzung der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft (AG) Krankenhaus stattfinden. Und zwar im Krankenhaus in der Caféteria. Themen sind: „Diskussion über den Vorschlag seitens Ameos: Gründung einer städtischen GmbH zum Betrieb einer Abteilung für Chirurgie bzw. Unfallchirurgie als Voraussetzung einer Notfallambulanz“, sowie: „Vision: Poliklinik.“

Eigentlich wollte sich die AG alle sechs Wochen treffen, diese Frist ist vorbei, weil die letzte Sitzung am 1. August stattfand. Stephan Czuratis, Fraktionsvorsitzender der CDU, hatte daher gemahnt: „Wir müssen dran bleiben und den Finger in die Wunde legen. Es ist wichtig, dass es nicht abreißt.“

Drei Termine wären laut der Stadt nicht zustande gekommen. Lars Timm, Regionalgeschäftsführer bei Ameos Ost, bestätigt, dass es telefonischen Kontakt gegeben habe. Die Termine musste er wegen anderer Verpflichtungen absagen und hatte neue Termine in Aussicht gestellt bekommen. „Danach wurde sich aber nicht mehr bei mir gemeldet. Auf meine schriftliche Anfrage zur Chirurgie in kommunaler Hand habe ich bis heute leider keine Antwort bekommen“, so Timm. Nun wurden die Fühler aber nach der Volksstimme-Nachfrage erneut ausgestreckt. Sechs neue Terminvorschläge legte die Stadt nun vor. Im November gab Ameos sein Okay, weil „bis dahin die Perspektive zur Etablierung eines Poliklinikums erste Ergebnisse mit sich bringen wird“, so Timm.

Erweiterung der Geriatrie

Dort soll auch darüber gesprochen werden, wie mit dem Ameos-Vorschlag, ein Infoblatt zu erstellen und ein Bürgerforum zu errichten, umgegangen wird. „Ich bin mir sicher, dass es im November endlich gelingen wird und wir uns auf der Sachebene für eine zeitgemäße Gesundheitsversorgung in Staßfurt austauschen, statt in den Modus von Schuldzuweisungen ohne Problemlösungen zu kommen“, so Timm.

Weil Ameos die Bemühungen, in Staßfurt wieder eine Chirurgie vorzuhalten, nicht selbst unterstützen will, arbeitet der Klinikbetreiber derweil an eigenen Ideen, um den Standort attraktiver zu machen. „Wir wollen das Ameos Klinikum Staßfurt zu einer Poliklinik nebst eines Zentrums für Altersmedizin etablieren“, erklärt Timm. Dazu hat Ameos hinsichtlich des Poliklinikums bereits Kontakt aufgenommen. „Wir haben mit Fachärzten und Allgemeinmedizinern gesprochen. Die Signale waren positiv. Die Ärzte wollen das prüfen“, so Timm.

Die Erweiterung der Geriatrie, die Ameos in Aussicht gestellt hatte, nimmt ebenfalls Form an. So seien Stellen für zehn Arbeitskräfte – vorwiegend als Pfleger – bereits ausgeschrieben worden. Dazu sollen 20 neue Betten vorgehalten werden. „Wenn wir Bewerber finden, können die innerhalb von zwei Wochen eingestellt werden“, sagt Timm. Vielleicht noch in diesem Jahr.

Während die Stadt bei der Kassenärztlichen Vereinigung nachgefragt und eine Absage für die Idee bekommen hat, in Staßfurt wieder eine Chirurgie herzurichten, hat Matthias Büttner (AfD) – einziges Staßfurter Mitglied im Landtag – die Sache größer angefasst. Er hat eine kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Derzeit versteht Ameos Aschersleben und Staßfurt als ein Krankenhaus mit zwei Standorten. „Ich möchte wissen, ob es genehmigungsfähig ist, zwei Standorte in zwei GmbHs aufzuspalten“, sagt Büttner. Er will sich dafür einsetzen, Staßfurt wieder als eigenen Standort aufzubauen, um Ameos dazu zu bringen, in Staßfurt wieder eine Basisversorgung samt Chirurgie und Notfallaufnahme herzurichten. Es soll auch erörtert werden, ob es generell möglich ist, das wieder zu teilen.

„Wir müssen Druck aufbauen, Gegenwind erzeugen“, so Büttner. „Wir haben einen Standortvorteil. Wir liegen mittig, haben Bus und Bahnhof vor der Tür und haben als Mittelzentrum trotzdem keine Basisversorgung.“ Büttners Fraktion arbeitet auch daran, am 24. und 25. Oktober bei der Sitzung des Landtags eine öffentliche Debatte über das Problem in Staßfurt anzustoßen.