Staßfurt l Die zwei Finger haben sich berührt, der Kontakt ist aufgenommen. Damit sind Markus Bauer (SPD), Landrat im Salzlandkreis und Lars Timm, Regionalgeschäftsführer bei Ameos Ost, einen Schritt weiter als die beiden Protagonisten in Michelangelos Bild „Die Erschaffung Adams“. Wie fruchtbar das Gespräch der beiden Männer im Salzlandkreis werden wird, ist offen.

Aber immerhin trägt die Transparenz-Offensive nach der still und heimlich geschlossenen Notaufnahme im Staßfurter Ameos Klinikum (Volksstimme berichtete) Früchte. „Herr Timm hat sich zu einem Gespräch Anfang August angemeldet“, bestätigt Bauer. Der Landrat selbst hatte dringenden Gesprächsbedarf angemeldet.

Was der Inhalt des Vieraugen-Gesprächs sein soll? „Erst einmal wird sich der neue Regionalgeschäftsführer vorstellen“, so Bauer. Danach erwartet der Landrat, dass Ziele genannt werden. Es wird um die nicht mehr vorhandene Notaufnahme in Staßfurt gehen. Bauer nutzt das Gespräch aber auch für einen generellen Austausch. „Wie steht es um die Daseinsvorsorge, wie ist die kommunale Versorgung, wie steht es um Landärzte?“ Bauer hat Fragen, die keiner allein beantworten kann. „Beim Ärztemangel müssen wir aufholen. Wir müssen investieren, auch den Wohnstandort attraktiver machen.“

Poliklinische Strukturen?

Ameos selbst hatte Vorschläge unterbreitet. So schlug Timm im Gespräch mit der Volksstimme vor, in Staßfurt poliklinische Strukturen zu schaffen. Heißt: Kassenärzte im Krankenhaus Staßfurt stationieren, um den Standort zu stärken.

Denn die Nachricht, dass Ameos aufgrund gesetzlicher Vorgaben die Notaufnahmen in Staßfurt und Aschersleben zusammengelegt hat, ist nur die Spitze des Eisbergs bei den Diskussionen um die gesundheitliche Versorgung, gerade auf dem wenig besiedelten Land.

Kritik an Ameos gibt es unterdessen auch von Jan Korte (Linke), der für den Wahlkreis 71 (Anhalt) im Bundestag sitzt. „Ameos erhielt den Kaufzuschlag auch deshalb, weil eine Krankenhausversorgung in Staßfurt zugesichert wurde. Die jetzt erfolgte Einschränkung der Versorgung verursacht neue Kosten und Folgekosten z.B. im Rettungsdienst und bei der Notarztversorgung, um die gesetzliche Hilfsfristerfüllung zu sichern“, teilt Korte mit. „Die Notaufnahme in Aschersleben, bei der es schon heute lange Wartezeiten gibt, wird durch die Schließung in Staßfurt zusätzlich belastet.“

Qualität vor Quantität

Kees de Vries (CDU), der ebenfalls für den Wahlkreis 71 im Bundestag sitzt, erklärt: „Fairerweise muss gesagt werden, dass die Entscheidung ja nicht aus heiterem Himmel getroffen wurde. Wie oft benötigt man die Notaufnahme? Wenn man sich diese Frage dann beantwortet hat, dann stelle ich für mich fest, dass Wege nach Aschersleben oder alternativ Bernburg und Schönebeck zumutbar sind. In Zeiten von Personalnot in den Bereichen Gesundheit und Pflege sollten wir dafür Verständnis aufbringen, dass sich Kliniken spezialisieren. Im wirklichen Notfall muss gelten: Qualität vor Quantität!“

Jan Korte blickt auch mit Sorge auf den Vorschlag der Bertelsmann-Stiftung, die anregte, bis zu 800 der 1400 Krankenhäuser in Deutschland zu schließen. „Eine weitere Schwächung der Krankenhaus-Versorgung im ländlichen Raum lehnen wir ab. Die Schließung der Entbindungsstation am Zerbster Helios-Klinikum und die Schließung der Notaufnahme in Staßfurt stehen im Widerspruch zum im Grundgesetz verankerten Verfassungsauftrag zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in ganz Deutschland.“ Ameos hingegen glaubt, dass das der richtige Weg sei. „Eine Kürzung in dieser Dramatik lehnen wir ab. Aber grundsätzlich sind hochspezialisierte Zentren gut für die Behandlung der Patienten“, sagt Lars Timm.