Staßfurt l Man muss sich schon fast anschreien, wenn man sich an der Bernburger Straße miteinander unterhalten will. Fast pausenlos brettern die Brummis durch die wichtige Verkehrsstraße im Südosten von Staßfurt. Verkehrszähler kämen sicher ganz schön ins Schwitzen. Mittendrin liegt der Kreisverkehr. Es ist unklar, wie viele Autofahrer täglich einen Blick darauf werfen. Aber wer seine Besuche in Staßfurt an mindestens einer Hand abzählen kann, kommt an dem Bereich nicht vorbei.

Der Kreisverkehr hat also eine große Bedeutung. Und jeder sieht, wie dieser bepflanzt und gestaltet ist. Erst im Frühjahr wurden dort neue Findlinge aufgesetzt. Doch wie steht es um das Grün? Im Mai hatte es im Stadtrat Kritik von Bianca Görke (Linke) gegeben. Sie bezeichnete die Kreisverkehre generell als „geordnete Tristesse“. Zu wenig Farben, zu wenig Blumen gebe es. Am Dienstag nun rückte der Stadtpflegebetrieb an. Sabine Ahne und Petra Podschun marschierten mit großen Beuteln heran und brachten etwa 1000 neue Blumenzwiebeln am Kreisverkehr Bernburger Straße in die Erde. Darunter Krokusse, Narzissen und Tulpen. So als hätten die Mitarbeiterinnen des Stadtpflegebetriebs den Ruf aus dem Stadtrat gehört. Weitere 600 Blumenzwiebeln werden am Wegesrand gepflanzt.

Dabei hat das eine nicht unmittelbar etwas mit dem anderen zu tun. Schon vor der öffentlichen Kritik gab es die Gedankenspiele, die Kreisverkehre ein wenig aufzuhübschen. „Wir haben uns vorgenommen, jedes Jahr einen Kreisverkehr bunter zu gestalten“, erklärt Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD). Nun sei eben der Kreisverkehr in der Bernburger Straße dran. „Wir haben die Pflanzen dort bewusst wachsen lassen, um zu sehen, was noch da ist“, so Wagner. Auch dank Gesprächen mit der Botanikexpertin Angela Kircher aus Hohenerxleben wurde ein Gesamtkonzept erarbeitet, das zwar so aus Kostengründen nicht umsetzbar ist. Im Kleinen gibt es aber nun sprichwörtlich erste zarte Pflänzchen bei der Neubegrünung Staßfurts.

Bedürfnislose Pflanzen

„Mir liegt das besonders am Herzen. Wir wollen eine grünere Stadt sein und einen grünen Daumen haben. Auch die naturnahen Wiesen unterstütze ich“, sagt Wagner. Er betont das, weil gerade er persönlich sich ab und zu mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, dass sein Daumen gar nicht so grün sei. „Ich möchte nicht in diese Ecke gedrückt werden.“

Bei der Bepflanzung des Kreisverkehrs in der Bernburger Straße handelt es sich dabei um ein kleines Experiment. Vor vielen Jahren schon hatten Studenten aus Bernburg von der Hochschule Anhalt ein Konzept entwickelt zur Bepflanzung für den speziellen Untergrund. „Es gibt fast keinen Mutterboden“, sagt Yvonne Henschel, Teamkoordinatorin Grün beim Stadtpflegebetrieb. „Daher wurden bedürfnislose Pflanzen eingesetzt.“ Schafgarbe oder Katzenminze nennt sie als Beispiele. „Ziel war es, von Mai bis Oktober blühende Pflanzen zu haben. Sie sollten sich selbst aussamen. Eine Wechselbepflanzung war aber nie angedacht.“

Es gab also nie einen Plan, die Pflanzen mehrmals im Jahr auszutauschen. Eine pflegeleichte kostengünstige Bepflanzung sollte her. So kann also von außen der Eindruck entstehen, dass die Kreisverkehre nicht besonders bunt seien. „Wir wollten lediglich ein paar Farbtupfer setzen“, so Henschel.

Jeder Kreisverkehr ist dabei anders. Bei jenem in der Bernburger Straße wurde an mehreren Stellen Schotter aufgetragen. Abgase greifen das Grün an, im Winter gibt es Salzeintrag. „Es wird dort nie knallrote oder weiße Blumenbeete geben“, meint Henschel. Dafür reiche einfach das Geld nicht aus. „Da müssten richtige Stauden statt Blumenzwiebeln gekauft werden.“

Die Blumenzwiebeln, die nun in Staßfurt eingesetzt wurden, kommen aus einem großen Gartencenter. Dafür wurde eine dreistellige Summe ausgegeben. Wer mehr will, muss aber mehr ausgeben. Bianca Görke freut sich trotzdem. „Es ist doch schön, wenn etwas passiert“, sagt sie. „Allerdings sollte eine Stadt nie sagen, dass sie schon schön genug sei.“ Sie regt also an, dass weitere Konzepte entwickelt werden, dass weiter über den Tellerrand hinausgeschaut wird.

„Mir ist ein Kreisverkehr in Erinnerung geblieben, wo ein Mineralwasserhersteller für sich geworben hat“, sagt Görke. Kleine Wasserspiele habe es dort gegeben, dazu Blumen in großflächigen Farben. „Man könnte Marketing und Stadtpflege sinnvoll miteinander verbinden“, so Görke. Sie könnte sich auch in Staßfurt eine Bepflanzung in Wappenfarben vorstellen. Also in rot und weiß. „Wir haben einige Pfunde, mit denen wir wuchern können. Wenn man Firmen mit ins Boot holt, würde der Haushalt nicht belastet. Zudem wäre es Werbung für den Wirtschaftsstandort Staßfurt.“

Das ist freilich eine Frage der Pflege. Für die vielen Kreisverkehre in Staßfurt gibt es seit einiger Zeit Pflegeverträge. Der Kreisverkehr in der Bernburger Straße zum Beispiel wird vom Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ) gepflegt. „Es muss aber überschaubar bleiben. Mehr ist nicht leistbar“, sagt Sven Wagner. Klar ist aber: „Wir wollen uns werbewirksam darstellen. Wir wollen das sukzessive weiter entwickeln. Die Kreisverkehre sind inzwischen nicht mehr in einem katastrophalen Zustand, keiner ist ungepflegt. In der zweiten Phase pflanzen wir jetzt Gräser an.“

Nächste Kreisverkehre in Warteschleife

Im Frühjahr 2020 werden dann auch die neuen Blumen am Kreisverkehr in der Bernburger Straße blühen. Aber auch da sollen die Betrachter keine Wunder erwarten. „Es wird keinen großen Farbteppich geben“, sagt Yvonne Henschel. „Dazu müsste man einen Bodenaustausch vornehmen und Polsterstauden pflanzen. Und das kostet richtig Geld.“

Im kommenden Jahr sollen dann die nächsten Kreisverkehre angegangen werden. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir den Kreisverkehr an der Bahnhofsbrücke in der Wassertorstraße angehen“, sagt Wagner. „Auch der Kreisverkehr am Athenslebener Weg steht oben auf der Liste.“