Staßfurt l Am Dienstagmorgen wollten die Erzieherinnen wie immer pünktlich 6 Uhr die Kita aufschließen. Es gab Grund zur Freude. Es stand ein toller Tag an. Bei einem Ausflug sollte es mit den Kleinen ins Bergtheater Thale gehen.

Aber die Kellertür des Kinderhauses „St. Martin“ in der Kalistraße ist aufgebrochen, alle Räume durchwühlt, Schubladen geöffnet, viel verwüstet. Bargeld aus mehreren Portemonnaies und ein Rucksack fehlen. „Wir hatten wirklich Tränen in den Augen, als wir das sahen“, berichtet Leiterin und Erzieherin Christine Dziersan auf Nachfrage. Ihr Team sei unendlich traurig. „Warum macht man so etwas wegen ein paar Euro?“

Spielzeug zerstört

Drei Gruppenräume und ein Schlafraum sind jetzt unbenutzbar. Schränke und Spielzeug sind kaputt, „das wird alles nicht mehr zu benutzen sein“, bedauert die Leiterin. „Wir haben jetzt erstmal alles eingelagert für die Versicherung“, sagt Christine Dziersan.

Am Mittwoch kam gleich die Polizei. Firmen reparierten notdürftig die Türen.

Die Kinder hatten natürlich Angst vor den „bösen Menschen, die einfach in ihre Kita einbrechen“, gibt die Kita-Leiterin wieder. Die Erzieher beruhigten sie: Die Polizei sei jetzt ja da und passe auf. Und die Einbrecher kämen nur nachts.

„Irgendwie werden wir es hinbekommen“, meint die Kita-Leiterin über die kommenden Wochen. Zum Glück können die Kinder jetzt im Sommer viel draußen im Garten sein. „Wir sind den Eltern sehr dankbar. Sie haben sofort Hilfe angeboten, holen teilweise ihre Kinder mittags schon ab.“

Auch in den anderen Einrichtungen in Staßfurt ist man verunsichert. In der vergangenen Woche wurden zwei weitere Kitas heimgesucht. Am Donnerstag, 13. Juni, fanden die Erzieherinnen der Kita „Bergmännchen“ in der Schlachthofstraße verwüstete Räume vor. Bargeld, zwei Laptops, vier Digitalkameras und eine Musikanlage sind weg. Alle Räume sind zum Glück noch nutzbar.

"Wer tut Kindern so etwas an?"

„Wir sind alle todtraurig“, sagt die Leiterin der „Bergmännchen“ Ines Fischer auf Nachfrage. „Weil man so machtlos ist. Was wollen diese Leute in einer Kita? Wer tut Kindern so etwas an?“ Mit den Laptops und Digitalkameras seien echte Werte für die Erzieher und Kinder vernichtet worden. Man hatte pädagogische Projekte dokumentiert. „Unsere Arbeit mit den Kindern ist sozusagen weg“, meint Ines Fischer.

Ein beklemmendes Gefühl sei es zu wissen, dass „Fremde in unserem Haus waren“. Natürlich fragen die Kinder auch im „Bergmännchen“, wer das war und warum man so etwas macht. „Wir erklären den Kindern, dass die Polizei solche Leute finden wird und dass sie bestraft werden müssen“, so Ines Fischer. Dass immer mehr öffentliche Einrichtungen wie Kitas oder Altenheime Opfer von Dieben werden, findet sie wirklich besorgniserregend.

In derselben Nacht vergangene Woche traf es die „Kita Struwwelpeter“ in der Berliner Straße. Wieder am nächsten Morgen entdeckten die Erzieherinnen aufgebrochene Türen und durchwühlte Räume. Ein Laptop und Nahrungsmittel wurden gestohlen.

Vorgeschichte in Förderstedt

In der Woche zuvor traf es am Freitag, 7. Juni, das Pfarrhaus und die Grundschule in Förderstedt, am Wochenende davor wiederum das Sportlerheim und nochmal die Grundschule Förderstedt. Auch hier wurden nur geringe Bargeldbeträge, wenn überhaupt, gestohlen oder aber Wertsachen wie Laptops und Kameras, die sich schnell in Bares umwandeln lassen.

Die Polizei ist jedesmal mit der Spurensicherung im Einsatz. Die Kita-Einbrüche stehen längst ganz oben auf der Agenda der Polizisten. Alles wird akribisch aufgenommen, die Art und Weise der Taten verglichen, Zeugen gesucht. Die Polizei kann nicht viel davon preisgeben, was sie bis jetzt herausgefunden hat. Alle Details der Verbrechen müssen bis zur Aufklärung geheim bleiben.

„Wir hoffen, dass wir den oder die Täter schnellstmöglich erwischen“, sagt Polizeisprecher Klaus-Peter Schneider. In dem Fall prüft die Polizei auch eine „vorläufige Festnahme“. Entscheiden muss darüber aber die Staatsanwaltschaft.

Polizist Schneider rät: „Es sollte kein Bargeld in den Einrichtungen gelassen werden.“ Außerdem sucht die Polizei weiterhin nach Zeugen aller Kita-Einbrüche (03471/ 3790).