Staßfurt l Die sechste Corona-Eindämmungsverordnung, die am Dienstag bekanntgegeben wurde, wurde bei den Kulturschaffenden mit Spannung erwartet. Weitere Lockerungen hatten sich angedeutet. Als die Verantwortlichen vom Salzlandtheater in Staßfurt sahen, dass ab heute auch Theater öffnen dürfen, war die Freude groß. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“, sagt Theaterleiter Stephan Czuratis. Die Hängepartie ist zu Ende. Ab sofort können konkrete Planungen für die nächsten Wochen und Monate angegangen werden.

Auch für den Theaterförderverein ist das ein gutes Zeichen. „Im Salzlandtheater sind wir sehr aktiv, um schnellstmöglich wieder Leben in unser ehrwürdiges Haus einziehen zu lassen“, sagt die Vorsitzende Bianca Görke. „Wir stehen immer in den Startlöchern und suchen nach Ideen.“

Die Zeit bis jetzt war ja auch nicht einfach. Sowohl im März als auch im April hatte das Theater Einnahmeverluste im fünfstelligen Bereich. Es wurden jeweils nur Umsätze im dreistelligen Bereich erzielt. „Natürlich schreiben wir rote Zahlen“, sagt Czuratis. Dank einer Finanzspritze aus dem Topf der Corona-Soforthilfe ist der Atem ein wenig länger. „Aber ewig würden wir das so nicht durchhalten.“ Betriebskosten fallen ja weiter an. Personal muss trotzdem bezahlt werden. Und die einzige Einnahmequelle in den letzten Monaten war eigentlich der Zuschuss der Stadt Staßfurt.

Mit der neuen Verordnung ist klar, dass die verschobenen Termine in die Sommerpause nun tatsächlich stattfinden dürfen. Die erste Veranstaltung nach der erzwungenen Corona-Pause wird dann also am 27. Juni stattfinden. Jan Michael Horstmann – Chefdirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie – wird an diesem Tag um 19.30 Uhr am Klavier Lieder von Fanny und Felix Mendelssohn-Bartholdy, Clara und Robert Schumann und vielen anderen spielen. Begleitet wird er von Sopranistin Miriam Sabba.

Nur 44 Karten

Dabei müssen die bekannten Abstandsregelungen eingehalten werden. Das heißt, dass eigentlich für den großen Saal nicht mehr als 44 Karten verkauft werden können.

Wobei es durchaus die Möglichkeit gibt, mehr zu verkaufen. Denn: „Mitglieder des gleichen Haushalts dürfen natürlich nebeneinander sitzen. Da braucht es keine Abstandsregelung“, sagt Czuratis. Wenn Karten bestellt werden, soll hinterhertelefoniert werden, um zu erfragen, wie viele Menschen des gleichen Hausstandes das Salzlandtheater besuchen. Dementsprechend mehr Karten können verkauft werden. Mit dieser „Pärchenregelung“ hofft der Veranstalter 60 bis 70 Karten verkaufen zu können. Sonst fasst der große Saal aber 300 Plätze. „Wir können so kaum schwarze Zahlen schreiben. Aber es ist immer noch besser, als wenn gar keine Veranstaltung stattfindet. Auch für die Musiker ist das wichtig“, so Czuratis.

Und so wird es im Juli weitere Veranstaltungen geben. Am 2. Juli wird Jan Michael Horstmann erneut nach Staßfurt kommen. Unter dem Titel „Eine musikalische Spurensuche von Bach bis Schubert“ wird der Dirigent am Hammerflügel unter Begleitung von Jelka Weber (Flöte) ein kleines Konzert geben. Die Band Araujo, die eigentlich am 21. März hätte in Staßfurt spielen sollen, kommt nun am 4. Juli.

Hofkonzerte?

Am 5. Juli gibt es das Familien-Theaterstück „Der Wolf und die sieben Geißlein“ vom Puppenspielerduo „Artisanen“ zu sehen. Zwei Auftritte von „FiJazzKo“ folgen am 10. und 11. Juli. Dabei wird auch geprüft, ob Veranstaltungen wie der Auftritt von Araujo im Hof stattfinden. Dort passen zwar nicht mehr Leute hin, aber die Atmosphäre wäre natürlich besonders. „Wir wollen ein Signal setzen, dass es uns noch gibt“, sagt Görke. Schon vor einigen Jahren hatte es Hofkonzerte gegeben. Nach dem 11. Juli beginnt die verkürzte Sommerpause. Auch die großen Tanzgruppen des Theaters trainieren bereits seit einiger Zeit wieder im Hof. Nach Pfingsten wird der Tanzunterricht dann auch für die anderen Gruppen wieder geöffnet.

Insgesamt mussten im Theater 37 Veranstaltungen seit März verlegt oder abgesagt werden. Gut ist: Für die meisten Termine konnte Ersatz gefunden werden. Und für jene Veranstaltungen, die vor der Sommerpause nicht mehr stattfinden, hat das Salzlandtheater Lösungen in der kommenden Spielzeit gefunden. Die Hengstmannbrüder kommen nun am 20. September nach Staßfurt. Die Kabarettisten von der Magdeburger Zwickmühle sorgen am 5. Oktober für gute Stimmung. Beide werden dann ihr Programm aus der vergangenen Spielzeit vorstellen und dann in der Spielzeit 2020/2021 erneut nach Staßfurt kommen mit einem neuen Programm.

Die Frühlingskonzerte des Staßfurter Jugendblasorchesters im Juni mussten ebenfalls abgesagt werden. Die erworbenen Karten behalten aber ihre Gültigkeit für das Weihnachtskonzert. Komplett abgesagt wurde ein Auftritt von Jan van Weyde, sowie das Theaterstück „Die drei kleinen Schweinchen“. Ebenfalls gestrichen wurde ein Konzert der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie.

Karten für die Veranstaltungen im Juni und Juli sind dann ab dem 12. Juni auch wieder vor Ort im Theater zu erwerben. Dann hat das Theater nämlich wieder reguläre Öffnungszeiten. Karten gibt es dann im neuen Ticketbüro in der Steinstraße direkt neben dem Theatercafé.