Neundorf l „Die eigene Malerei ist etwas in den Hintergrund gerückt“, klingt es fast wie eine Entschuldigung, dass sich einige Bilder in ihrem Atelier erst noch im Entstehen befinden. Andrea Gohr hat nach ihrem Abitur am Burg-Gymnasium Wettin auf Burg Giebichenstein bei Prof. Annette Schröter studiert.

Mit Hilfe eines Stipendiums gelangte sie an die staatliche Kunsthochschule Vera Muchina St. Petersburg, erhielt Einblicke in die russische Zeichenschule, unter anderem am Repin-Institut.

An der Universität der Künste Berlin lernte sie im Fachbereich Malerei/Grafik bei Volker Stelzmann, in Kunstkreisen für altmeisterliches Zeichnen bekannt. „Das machen nicht mehr viele“, erklärt die sympathische Frau.

Bilder

Während des Studiums habe sie sich eben viel mit der realistischen, figürlichen Malerei beschäftigt. Aber auch Landschaften gehören zu ihren Motiven, wo es eher um Form und Farbe geht.

Mittlerweile widmet die Künstlerin einen Großteil ihrer Arbeitszeit Kindern. Überwiegend in der Kreativwerkstatt in Aschersleben. Die städtische Einrichtung bietet ein vielseitiges Spektrum an künstlerischer Betätigung. Andrea Gohr gibt Kurse, vermittelt in Arbeitsgemeinschaften Zeichentechniken.

„Das ist eine spannende Aufgabe. Die Resultate von Kindern sind ganz große Kunst“, schwärmt die 41-Jährige, „Picasso wäre sicher manchmal neidisch. Kinder gehen ganz entspannt an gewisse Dinge ran – nicht so ,verkopft‘“.

Kunsttherapie

Ein zweites großes Betätigungsfeld findet die Neundorferin in der Kunsttherapie am Kinder- und Jugendhilfezentrum Groß Börnecke. Kunstfreunde werden sich vielleicht noch an die Ausstellung „Fantasiewelten“ im Salzlandtheater erinnern. Das war ein Ergebnis aus Groß Börnecke. Ein weiteres konnte man mit einer Ausstellung anlässlich der 100-jährigen Bauhaus-Geschichte auf dem Gelände der Kinder- und Jugend-Einrichtung besichtigen.

Für 2020 ist eine „Engel“-Ausstellung in der Hecklinger Basilika geplant, sowie die Bauhaus-Ausstellung nochmal im Rathaus Hecklingen.

Auch wenn die gebürtige Staßfurterin gegenwärtig nicht viel Zeit für ihre eigentliche Berufung findet, Zeit für Skizzen bleibt immer. „Wo ich geh‘ und steh‘“, meint Andrea Gohr. Dazu nutzt sie kleine Skizzenbücher, von denen sie einige parallel benutzt, und immer mindestens eins dabei hat. Das sei einfach wichtig, so eine Ideen-Sammlung. „Sehen – sich faszinieren lassen – festhalten“, beschreibt die Künstlerin, „Für später, wenn wieder mehr Zeit ist.“

Anregungen würden sich im alltäglichen Leben bieten. Bei Begegnungen mit Menschen. Aber auch in der Natur. Ein tolles Licht, tolle Farbeffekte. Landschaften begannen sie zu faszinieren in den Tiefwerder Wiesen bei Berlin-Spandau, wo sie viel mit den Kindern unterwegs war. Die Gegend, in der die Familie wohnte, war idyllisch, hatte viel Grün zu bieten und viel Wasser. Auf der Havel sei man ebenfalls viel unterwegs gewesen.

Weg zurück

Trotzdem entschlossen sich die Gohrs vor drei Jahren, nach Neundorf umzusiedeln. Andreas Eltern wohnen hier. Bereits ab 2005 wurde die ehemalige Tischlerwerkstatt des Großvaters zum Sommeratelier umgebaut. Und dann waren da noch die hohen Mieten in Berlin. „Wir hätten eine größere Wohnung benötigt. Aber wir waren nicht bereit, eine Miete zu zahlen, wofür man hätte ein Haus bauen können“, argumentiert die Mutter von mittlerweile vier Kindern.

Und alle wissen mittlerweile die Mehrgenerationen-Familie in Neundorf zu schätzen.

„Wir haben den Schritt nicht bereut. Auch wenn es vor allem für meinen Mann ein Schnitt war, als ,Ur-Berliner‘.“ Auch er hat sich mittlerweile eingelebt, fand Arbeit als Lokführer, singt im Neundorfer Männerchor.

Schließlich wissen die ehemaligen Berliner natürlich auch den eigenen Hausgarten zu schätzen.

Neben Beruf und Familienleben nimmt sich Andrea Gohr dennoch auch ein wenig Zeit, um ein paar Ausstellungen zu bestücken. Zuletzt im Eulenspiegelturm in Bernburg oder im Kunstkabinett in der Kreisstadt. Für nächstes Jahr, am 14./15. Februar, auch im Kloster Ilsenburg.