Brumby l Wichtigste Aussage in der Diskussion um den Jugendclub Brumby: „Wenn Sie jemand kennen, der die Jugendlichen im Ort ein paar Tage in der Woche betreuen kann - man kann das auch auf mehrere Personen aufteilen -, oder wenn Sie wissen, welche Räume man dafür nutzen könnte, sind wir Ihnen sehr dankbar über solche Hinweise.“

Ina Siebert, Fachbereichsleiterin aus der Verwaltung, zuständig für Jugendarbeit, wendet sich mit diesem Hilferuf an den Förderstedter Ortschaftsrat. Sie hatte das große Problem um den Jugendclub Brumby dort am Dienstagabend erklärt, gemeinsam mit der neuen Stadtjugendpflegerin Jessica Krengel-Lienau. Die Verwaltung hatte sich bereits Gedanken in verschiedenste Richtungen gemacht, wie man das Dilemma lösen kann.

Betreuerin fällt aus

Problem Nummer 1: Die ehrenamtliche Mitarbeiterin Ramona Gustmann ist für längere Zeit krankgeschrieben, sie hat sich am Bein verletzt. Seit mehreren Jahren betreut sie die Kinder und Jugendlichen im Brumbyer Jugendclub, ein kleines Gebäude in der Mitte des Ortes, das früher angeblich mal eine Gaststätte war.

Auch nachdem ihre Maßnahmen vom Jobcenter ausgelaufen waren, blieb Ramona Gustmann und kümmerte sich weiter ehrenamtlich um das Publikum, das hier jünger ist als in anderen Clubs. Im Brumbyer Jugendclub sind vor allem Mädchen und Jungen zwischen 6 und 14 Jahren zu Gast, durchschnittlich 74 im Monat.

Gebäude verrottet

Problem Nummer 2: „Im Rahmen von Sanierungsarbeiten im Club haben wir bemerkt, dass der Boden komplett marode ist“, erklärt Jessica Krengel-Lienau. „Der Bodenbelag ist verrottet.“ Das geht soweit, dass der Jugendclub Brumby jetzt komplett gesperrt werden musste.

Das Gebäude, das sicher schon über 100 Jahre alt ist, ist wahrscheinlich auch nicht sanierbar, meint Ina Siebert. Nach Alternativen schaut sich die Stadt jetzt um. Aktuell prüft die Stadtverwaltung, ob der Jugendclub in den oberen Etagen des Gemeindehauses Brumby untergebracht werden könnte. Aber auch das scheint fraglich: Die Anforderungen, so Ina Siebert, an Räume für die Jugendbetreuung seien immens. Es braucht eine Nutzungsänderung für das Gebäude, neue Brandschutzvorkehrungen und so weiter.

Hier müsste man also umbauen, Bauanträge stellen und so weiter. Die Variante erscheint kaum attraktiv. Ein Neubau sei da schon realistischer, so der Tenor aus der Verwaltung. „Langfristig brauchen wir hier eine Alternative“, so Ina Siebert.

Aber bis dahin braucht es, wie gesagt, einen Ausweichort, wo die Kinder und Jugendlichen in der Zwischenzeit betreut werden können.

Kein Personal

Problem Nummer 3: Der Personalmangel, der nicht nur in Brumby erschreckend ist. In Atzendorf gibt es seit Jahren keine Jugendbetreuung mehr. Nach Ersatzangeboten beim Sportverein und in der Turnhalle, die beide kaum von den Jugendlichen genutzt wurden, gibt es aktuell wieder keinen Jugendclub in Atzendorf. Einziger Hoffnungsschimmer ist hier der Umbau des Sportlerheims, wo Räume für einen Jugendclub geschaffen werden sollen. Hier ist aber auch noch nicht klar, wann gebaut wird.

Auch der Förderstedter Jugendclub könne nicht geöffnet werden, weil Dritte kein Personal zur Verfügung stellten. „Wir haben Gespräche mit dem Jobcenter und der Gesas geführt. Es stehen zur Zeit keine bis wenig Kräfte für die Jugendarbeit zur Verfügung“, so Jessica Krengel-Lienau. Menschen, die im Bundesfreiwilligendienst eingesetzt sind, haben oft kein Auto und können gar nicht zum Jugendclub auf dem Land gelangen. Mini-Jobber könne man nicht einsetzen, weil die Jugendclubs in Hand der Stadt sind, die nach Tarif zahlen muss.

Im Förderstedter Ortschaftsrat waren einige Räte der Meinung, dass Ein-Euro-Jobber oder andere Arbeitsmaßnahmen nicht geeignet seien, Jugendlichen zu betreuen, auch wenn diese ein Führungszeugnis vorlegen und eine Weiterbildung absolvieren müssen. So argumentierte zum Beispiel Hans-Jürgen Lärz: „In allen anderen Bereichen braucht es Zertifikate und Ausbildungen und Nachweise, aber die Jugend schieben wir an die Ein-Euro-Jobber ab?“