Schneidlingen l Nicht nur in Hecklingen wird aktuell über das Aufstellen sogenannter Geschwindigkeitsmessanzeigen nachgedacht, nachdem es im Sommer zu einem schweren Unfall mit einem Kleindkind kam. Auch für Schneidlingen sind solche Tafeln im Gespräch.

Täglich rollt viel Verkehr durch den Ort. Denn die Bundesstraße 180 führt zwischen Aschersleben und Egeln durch das Dorf. Eine Ortsumgehung war geplant, das Vorhaben liegt in den nächsten Jahren auf Eis. Auch der im Januar dieses Jahr groß angekündigte weitere Ausbau der Bundesstraße musste vom Bürgermeister der Stadt Hecklingen aufgrund der Finanznot der Stadt abgesagt werden. Das Land würde dafür zwar Geld geben. Die Stadt hat aber keine Mittel, die nötigen Nebenanlagen zu erneuern.

Geschwindigkeit messen

Ortsbürgermeister Martin Zimmermann (SPD-Fraktion) denkt jetzt über Möglichkeiten nach, was trotzdem unternommen werden kann, damit lärmgeplagten Anwohnern schnell geholfen werden kann.

Hier kommt die Geschwindigkeitsmessanzeige ins Spiel. Ein idealer Standort würde sich in Höhe des Reiterhofes anbieten, wenn man in den Ort aus Aschersleben kommend einfährt, an der Tankstelle vorbei und noch ein Stück weiter, meint der Ortschef. „Ich bin mir sicher, dass viele Autofahrer im fließenden Verkehr schneller fahren als erlaubt“, schätzt der Ortsbürgermeister und möchte, was dagegen unternehmen.

Martin Zimmermann denkt zudem über eine zweite Variante nach, all jene zu bremsen, die sich nicht an das Tempo-Limit halten. An der Bundesstraße gibt es eine Fußgängerampel. Sie könnte so eingestellt werden, dass sie automatisch auf rot umspringt, wenn Fahrzeuge sich nähern, die mehr als 50 Kilometer pro Stunde drauf haben.

Ampelbremse?

Bisher stellt sich die Ampel ausschließlich an, wenn Fußgänger die Fahrbahn queren. Dazu zählen unter anderem Schüler der Sekundarschule, wenn sie zum Sportunterricht in die Turnhalle gehen.

Ob und wann eine „Ampel-Bremse“ auf Probe kommt, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Fest steht aber, diese Variante ist vermutlich schnell und möglicherweise auch preiswert umzusetzen.

Schafft sich die Stadt dagegen eine Geschwindigkeitsleuchttafel an, würde das Epperlein zufolge rund 1800 Euro kosten. Geld dafür können Städte und Kommunen auch bei einer Stiftung beantragen, die die Kosten übernimmt.

Das ist die Rettungsstiftung Jürgen Pegler mit Hauptsitz in Heilbronn. Wie läuft solch eine Beantragung ab? Was müssen die Kommunen einreichen und welchen Kosten übernimmt die Stiftung? Auf Nachfrage erklärt Mitarbeiterin Ute Kessel, dass Städte und Gemeinden Förderanträge jederzeit einreichen können. „Der Antrag muss von der Stadtverwaltung kommen. Wir benötigen Unterlagen, Straßenkarten in einem bestimmten Maßstab, aber auch Fotos von den gewünschten Standorten.“ Danach wird im Hause alles geprüft. Sogenannte Straßenverkehrsschauen finden statt.

Das kann alles dauern. Denn Wartezeiten für interessierte Kommunen sind im Moment nicht ausgeschlossen. Die Stiftung ist eigenen Angaben zufolge gerade viel gefragt. Etliche Anträge gehen ein. Sie werden von oben abgearbeitet, heißt es. Die Nachfrage kann aber von Jahr zu Jahr variieren. Mal sind es 50 bis 40 Städte, die Interesse haben. Es können aber auch weniger sein. Genaue Daten zur Zahl der Antragsteller 2019 konnten nicht mitgeteilt werden. Sicher ist: Steht ein solches Leuchtschild erst einmal am Straßenrand, ist es ein wertvolles Instrument. „Mit den Tafeln lassen sich allerhand Auslesungen machen“, erklärt Ute Kessel. Die Anzeigen liefern anonyme Daten etwa zum Verkehrsaufkommen. So lässt sich etwa ermitteln, wie viele Fahrzeuge mit welcher Geschwindigkeit zu welcher Zeit durch den Ort fahren.