Staßfurt l Heike und Doreen waren beide aufgeregt, als sie mit ihren Kollegen an den Staßfurter Luisenplatz umzogen. Und auch zur Einweihung ist mächtig was los, finden die beiden. „Aber sonst ist es ruhiger als vorher, mir gefällt es hier“, sagt Heike. Die beiden zählen ganz gewissenhaft je fünf der kleinen grauen Teile ab, stecken sie übereinander und legen sie in Kartons. Was dabei ganz wichtig ist, erklärt Markus eine Werkbank weiter: „Am Ende kommen nur drei dazu, denn es sind nämlich 28 insgesamt.“ Einige Mitarbeiter haben vorgezeichnete Kreise auf ihren Werkbänken, auf die sie je fünf Teile stellen können.

Verpacken von Produkten

Das Abzählen von Produkten, sie in einen Karton zu legen und einzupacken, ist neben dem Einlegen von Werbematerial in Druckerzeugnisse die Hauptarbeit am Luisenplatz. Die Lebenshilfe Bördeland hat sich mit der neuen Werkstatt einen weiteren Standort geschaffen. 42 Menschen mit Behinderungen finden eine Beschäftigung sowie Integration und Anerkennung.

„Der Standort in der Strandbadstraße war knackevoll. Der Sportraum musste zur Werkstatt umfunktioniert werden, in drei Durchgängen wurde gegessen“, erklärt Stefan Labudde. Dem Geschäftsführer der Lebenshilfe lauschen bei seiner Einweihungsrede am Freitagvormittag viele Gäste. Hunderte Besucher kommen an dem Tag der offenen Tür, um sich die neue Werkstatt anzusehen. Schon während des Umbaus war das Interesse der Staßfurter groß. „Wir wurden ständig gefragt, was hier passiert und wie es vorangeht. Daher haben wir uns zu dem Tag der offenen Tür entschlossen.“

Bilder

Gebäude kommt gut an

Weil die Werkstatt für behinderte Menschen in der Strandbadstraße mit 84 Mitarbeitern aus allen Nähten plätze, drängelte der Betriebsrat immer wieder. Daniel Mertens, der als Betriebsratsmitglied auch eine Einweihungsrede hielt, schwärmt vom neuen Standort: „So schön lichtdurchflutet, hell und freundlich wie das hier ist – das finden wir als Betriebsrat gelungen.“ Der junge Mann brachte die Gäste zum Schmunzeln mit: „Man könnte meinen, das hier ist die Stadt ‚Lebenshilfe‘, weil wir so viele Gebäude in Staßfurt betreiben.“

Für Oberbürgermeister Sven Wagner (SPD) ist die Werkstatt, die übrigens die Adresse Luisenplatz 1 trägt, ein „toller Hingucker“: „Nach 14 Jahren Leerstand endlich die Belebung dieses Standorts“. Die Steinstraße werde dadurch in Zukunft hoffentlich mehr von Passanten genutzt. Die Stadtverwaltung selbst habe lange versucht, an das Gebäude heranzukommen, aber der Besitzer aus Baden-Württemberg sei bei Verkaufsverhandlungen „immer sehr zurückhaltend“ gewesen. Umso besser sei es, dass Stefan Labudde hartnäckig blieb. Dieser war seit 2014 in Kontakt mit dem Eigentümer, bis die Lebenshilfe das Gebäude 2017 kaufen konnte.

Landrat Markus Bauer (SPD), der ebenfalls gratulierte, lobte vor allem, dass die Lebenshilfe ihren Betriebsrat immer wieder informierte und in die Planungen zur Werkstatt einbezogen hat. „Miteinander zu reden, ist immer ein Erfolg.“

Außen stehen noch Arbeiten an

Die Kantine in der Werkstatt ist in erster Linie für die Mitarbeiter da und bietet diesen wiederum Arbeitsplätze. „Aber sie ist offen für die Staßfurter, die hier mal einen Kaffee trinken oder Mittag essen wollen“, so Labudde. Groß anpreisen als öffentliche Gaststätte werde man die Kantine aber nicht.

Was jetzt noch folgt, sind außen die Gestaltung des Hofes mit Parkplätzen und Wegen, Tische und Bänke vor der Kantine und ein Glasfaseranschluss. Das Nebengebäude wird ab sofort für eine Physiotherapie und den Berufsausbildungsbereich der Lebenshilfe saniert. Ab Ende 2020 soll ein neues Hauptverwaltungsgebäude für die Lebenshilfe dazukommen, das direkt neben der Werkstatt neu gebaut wird.